Endingen

Bis zu 12 Tonnen jährlich: Unternehmer starten Insekten-Produktion im Zurzibiet

Mehlwürmer und Grillen aus nachhaltiger Schweizer Zucht: Die Firma Ensectable übernimmt eine Pionierrolle. Schon bald geht es in Endingen los mit der Insekten-Produktion.

Seit dem 1. Mai 2017 sind in der Schweiz drei Insektenarten offiziell als Lebensmittel zugelassen: Grillen, Europäische Wanderheuschrecken und Mehlwürmer. Gezüchtet werden diese Tiere bisher hauptsächlich im Ausland. Das soll sich nun ändern. Die Firma Ensectable übernimmt dabei eine Pionierrolle: In Endingen will das KMU bis zu 12 Tonnen Insekten pro Jahr produzieren – Bio-Mehlwürmer und Bio-Grillen aus Schweizer Zucht.

Geschäftsleiter der Firma ist der Badener Einwohnerrat Benjamin Steiner (Team Baden). Die Zucht für die Bio-Lebensmittel-Insekten entsteht derzeit in Endingen am Hörnliweg 3. Dort steht das Elternhaus des ausgebildeten Tierarztes. Das ehemalige Bauernhaus liegt heute in einer Wohn- und Gewerbezone. Die Insekten werden auf knapp 100 Quadratmetern gezüchtet. Dazu kommen Hygiene-, Sortier- und Lagerräume.

Burger, Snacks, Proteinriegel

In drei Wochen fällt in Endingen der offizielle Startschuss: Am 8. September wird die Zucht mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht. Die Besucher sehen, wie Mehlwürmer und Grillen gezüchtet werden, die später zu Burgern, Snacks oder Proteinriegeln verarbeitet werden. An einem Apéro stehen die Insekten zur Degustation bereit. Auf der Homepage des Unternehmens können sich Interessierte für den Tag der offenen Tür anmelden.

Steiners Interesse für Insekten wurde durch die Firma Essento in Zürich geweckt. Essento verarbeitet die Tiere zu Nahrungsmitteln. Auf diesem Weg hat Steiner Insekten-Pionier und Essento-Gründer Christian Bärtsch kennen gelernt. Unabhängig von Steiner hat sich auch Mina Gloor bei Bärtsch über das Thema erkundigt. Diese drei, Steiner, Bärtsch und Gloor, haben sich gefunden und bilden nun die Firma Ensectable. «Wir sind quasi das vorgelagerte Partnerunternehmen von Essento», sagt Steiner. Er betont aber: «Noch sind in den Essento-Produkten keine Endinger Insekten vorhanden.»

Hinter dem Projekt stehen ökologische Überlegungen. Im Handelsregisterauszug der Firma steht: «Zucht von Insekten in Lebensmittelqualität für den menschlichen Verzehr unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Tierwohl.» Steiner sagt: «Die konventionelle Fleisch- und Milchindustrie verbraucht enorme Mengen an Land, Wasser und Futter. Sie ist ein Haupttreiber für den Klimawandel.» Mina Gloor ergänzt: «Unsere Insekten hingegen leben auf kleinster Fläche und essen niemandem etwas weg.» Die Mehlwürmer und Grillen ernähren sich von Nebenprodukten aus der Herstellung von Bio-Bier und -Getreide sowie von Bio-Gemüse, das nicht mehr verkauft werden kann. «Wer innert dreier Jahre Millionär werden will, sollte nicht Insekten züchten», sagt Steiner mit einem Lachen. Er bezeichnet die Zucht als Pilot-Projekt. «Es geht vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln.»

«Gütesiegel» der Klimastiftung

Das Start-up wird von der Klimastiftung Schweiz mit 70'000 Franken unterstützt. «Neben dem finanziellen Engagement zeigt uns diese Unterstützung auch, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt Steiner, «das ist für uns wie ein Gütesiegel.» Vincent Eckert, Geschäftsführer der Klimastiftung Schweiz, sagt: «Ensectable kann rund 12 Tonnen Insekten pro Jahr produzieren. Wenn damit Fleisch ersetzt wird, spart das mindestens 290 Tonnen CO2 pro Jahr. Das langfristige Potenzial ist noch viel grösser. Genau solche Innovationen von KMU haben einen positiven Einfluss auf das Klima.»

Die Stiftung unterstützt kleine und mittlere Unternehmen, die sich für den Klimaschutz engagieren. Dies geschieht entweder wie bei Ensectable durch die Entwicklung innovativer Produkte oder durch das Energiesparen im eigenen Betrieb. Nicolas Leuenberger, Kommunikationsberater von Klimastiftung Schweiz, sagt: «Ensectable erhält 70 000 Franken von der Stiftung. Der Betrag ist abhängig von der (geschätzten) Menge CO2, welche durch das Projekt im Laufe der nächsten 10 Jahre eingespart wird.»

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