Zurzibiet

Biber erobern kleine Bäche – an der Surb leben sie gefährlich

Lebensraum Zurzibiet: Der Biber findet in den Flüssen und Bächen ideale Bedingungen vor.

Lebensraum Zurzibiet: Der Biber findet in den Flüssen und Bächen ideale Bedingungen vor.

Die Nager sorgen zwar für Biodiversität – entlang kleiner Bäche bereiten sie aber nicht nur Freude.

Einst waren die Biber in der Schweiz ausgestorben. Als die Nager in den 1960er-Jahren wieder ausgesetzt wurde, schien die Biberansiedlung zu scheitern – so auch im Aargau. Lange Zeit konnten sich die Biberfamilien nur im Rheingebiet von Kaiserstuhl bis Koblenz halten, wo die Aare in den Grenzfluss mündet. Ausnahmen bildeten die Zurlindeninsel in Aarau und der Umiker Schachen.

Dreissig Jahre später kam die Wende: Vom Zurzibiet aus eroberten die Nager in den 1990er-Jahren den ganzen Kanton. Wo der Biber seine Dämme baut, nimmt die Biodiversität zu und der Grundwasserpegel steigt. Doch nicht immer bereitet der Nager Freude – vor allem, wenn es ihn vom Rhein her in kleinere Bäche zieht. So beispielsweise in Siglistorf und Fisibach.

«Ich habe grundsätzlich nichts gegen den Biber», sagt der Siglistorfer Bauer Stephan Bamberger, dessen Land an den Tägernbach grenzt. Dort hat sich ein Biber vor rund drei Wochen ein neues Zuhause gebaut. Unglücklicherweise genau dort, wo das Ufer am flachsten ist. «Wir kämpfen an dieser Stelle ohnehin immer wieder mit Hochwasser», erzählt der Bauer.

Aufgrund des Biberdammes habe es auf der Grasnarbe, die Bach und Landwirtschaftsland trennt, bei Regenwetter sofort stehendes Wasser. Um die Hochwassergefahr zu bannen, verbreitert der Kanton den Bach aufseiten des Naturschutzgebietes. «Ich hoffe, so können wir das Problem lösen», sagt Bamberger.

Biber können durchaus auch positiv für die Bauern sein, ist Andres Beck von der zuständigen Stelle des Kantons überzeugt. «Er holt für sein Bauwerk grosse Steine aus dem Acker, die der Bauer ansonsten selbst herauslesen müsste.» Und er ergänzt: «Wenn er an den Haselsträuchern am Ufer knabbert, schneidet er sozusagen die Hecke des Bauern gratis und franko.»

Seit kurzem hat sich ein Biber auch in Fisibach niedergelassen. Besonders auf der Höhe der Lehmgrube in der Bachaue scheint es ihm zu gefallen. Dort befinden sich gleich mehrere Dämme. Um bei Regenfällen die Gefahr von Überschwemmungen und Rückstaus zu reduzieren, hat die Gemeinde vier der Dämme etwas reduziert. Dies in Absprache mit dem Kanton und dem Naturschutzverein Bachsertal, schreibt die Gemeinde.

Der Hauptdamm bleibt unangetastet stehen, um den Lebensraum des Nagers zu gewährleisten. «Die Fisibacher haben den Biber positiv aufgenommen», sagt Ambros Ehrensperger, Präsident des Naturschutzvereins. Bauern, auf deren Felder der Nager Zuckerrüben und Mais holte, seien finanziell entschädigt worden. «Und mit der Reduktion der Dämme konnten wir auch die Angst vor Überschwemmung in der Bevölkerung reduzieren», sagt Ehrensperger.

Gefahr für Biber entlang der Surb

Dass die Biber noch lange in Siglistorf und Fisibach anzutreffen sein werden, glaubt Andres Beck nicht. Noch nie seien die Biber länger als ein, zwei Jahre in Bächen wie dem Fisibach oder dem Tägernbach geblieben. Oft seien sie zu schmal, die Uferstreifen sowie Weichhölzer wie Weiden zu knapp und die Strasse zu nah. Wie beispielsweise bei der Surb, wo die Autos in unmittelbarer Nähe mit 80 Stundenkilometern vorbeirauschen. «Dort ist die Situation dramatisch», sagt Beck. Seit 2000 sind in der Surb immer wieder Biber anzutreffen. «Seither wurden zwischen Endingen und Tiefenwaag 13 Tiere überfahren.»

Der Verkehr sei ein grosses Risiko für die Nager. So wurden 2013 fast 50 Prozent aller Tiere, die im ganzen Jahr starben, von Autos angefahren. Deshalb würden die Biber wohl eher im Rhein bleiben, wo sie von Kaiserstuhl über Rietheim mit der Auenlandschaft Chly Rhy bis zum Klingnauer Stausee beste Lebensbedingungen hätten: breiter Fluss, Inseln als Rückzugsmöglichkeiten und viel Platz am Ufer, wo die Tiere graben und fressen können.

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