Spätestens seit der Atomausstiegsinitiative war bekannt: Beznau I ist der älteste Atomreaktor der Welt. Die Befürworter der Initiative, die das Volk vor einem Jahr mit 54 Prozent abgelehnt hat, warben mit diesem Argument für ein Ja.

Das AKW in Döttingen ist eines von weltweit sechs, das im Jahr 1969 in Betrieb ging. Bisher galt es als das älteste – hat in der "Rekordliste" nun aber mehrere Plätze eingebüsst. Die IAEA, die internationale Atomenergie-Organisation, führt zu jedem AKW der Welt das Datum der kommerziellen Inbetriebnahme auf. Bis letztes Jahr stand dort bei Beznau I der 1. September 1969. Nun ist das Startdatum über drei Monate nach hinten gerutscht – auf den 9. Dezember 1969.

In der "Rekordliste" hat das zur Folge, dass Beznau I auf Rang 5 zurückfällt, hinter zwei indische und zwei US-amerikanische Kraftwerke. Tarapur 1 und Tarapur 2 (Indien) gingen am 28. Oktober 1969 ans Netz, Oyster Creek und Nine Mile Point 1 (USA) am 1. Dezember 1969.

Woher rührt die scheinbare Verjüngung? Veranlasst hat sie laut einem Bericht des "Tages-Anzeigers" die Atomaufsicht des Bundes (Ensi). Sie wurde anlässlich der Atomausstiegsinitiative aktiv: Das Volksbegehren wollte die Laufzeit der Schweizer AKW auf maximal 45 Jahre begrenzen. Deshalb schaute sich die Atomaufsicht die Daten der Inbetriebnahmen an – und kam zum Schluss: Die AKW-Betreiber hatten den Begriff der Inbetriebnahme nicht "einheitlich" verwendet. Daraufhin hat man laut Ensi die Daten für alle Schweizer AKW "vereinheitlicht".

Beznau I ging am 6. September 1969 für ein Versuchsprogramm ans Netz, bevor am 9. Dezember der kommerzielle Start erfolgte. Deshalb liess die Atomaufsicht das Startdatum in der IAEA-Datenbank anpassen. Weil diese öffentlich ist, hat man laut Ensi darauf verzichtet, die Öffentlichkeit zu informieren.

Atomgegner wussten Bescheid

Die "Verjüngung" war zumindest auch einem Teil der Atomkraftgegner bekannt, als sie für die Ausstiegsinitiative warben. Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) bestätigt das auf Anfrage des "Tages-Anzeigers". Politisches Kalkül stecke nicht dahinter, sagt SES-Experte Nils Epprecht. Man habe keine Zeit gehabt, der Änderung nachzugehen. Er zweifelt daran, dass das neue Datum Beznau I besser mit AKW anderer Länder vergleichbar macht. Ein Versuchsprogramm hätten zweifellos auch andere AKW dieser Generation durchlaufen. Epprecht sagt: "Es fehlt somit der Beweis, dass die nun als älter aufgeführten vier Kraftwerke auch tatsächlich früher mit dem kommerziellen Betrieb gestartet sind als Beznau."

 Beznau I steht seit März 2015 still. Es geht frühestens im Februar 2018 wieder ans Netz. Das Wiederinbetriebnahmedatum musste schon mehrmals verschoben werden. Grund für den Stillstand sind mehr als 900 Materialfehler am Reaktordruckbehälter, die im Sommer 2015 entdeckt wurden.