Bad Zurzach

Bezirksgericht spricht Vater des getöteten Baby frei

(Symbolbild)

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Der Vater, der angeblich sein Baby zu Tode geschüttelt haben soll, wurde vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Das Gericht hatte «nicht zu unterdrückende Zweifel» an der Schuld des Angeklagten.

Patrik (alle Namen geändert) war ein Sonntagskind. Und Patrik starb an einem Sonntag. Er hatte nur sechs Wochen gelebt. Er war an einem Schütteltrauma gestorben. Jeder Zweifel war ausgeschlossen.

Wer hatte das kleine Menschlein so grob behandelt, dass es keine Chance hatte? Die Untersuchungsbehörden suchten nach dem oder der Schuldigen. Denn klar war von Anfang an, dass nur Nina oder Edmondo es getan haben konnten. Die Deutsche und der Südamerikaner hatten sich 2005 in Barcelona kennen gelernt. 2007 war Manfred zur Welt gekommen. Als Nina in Holland ihr Studium beendete, kündigte Edmondo seine Stelle als Ingenieur und kümmerte sich um den Sohn. 2008 fand Edmondo eine neue Stelle in der Schweiz und die Familie - inzwischen war Nina wieder schwanger - zog hierher.

«Gejault wie eine jammernde Katze»

Bald wurde klar, dass Edmondos neuer Job sehr viele Auslandaufenthalte zur Folge hatte und Nina mit ihren inzwischen zwei Buben häufig auf sich allein gestellt war.

War Edmondo aber hier, kümmerte er sich nach der Arbeit um die Kinder und auch nachts, wenn sie aufwachten, was nicht selten vorkam. Auch in jener Samstagnacht im Juni 2009 hatte Patrik oft geweint, war am Sonntagvormittag dann aber auffallend ruhig. Wie Nina später gegenüber den Behörden aussagte, habe er nur noch «gejault wie eine jammernde Katze».

Die Untersuchungsbehörde hatte zunächst Patriks Vater unter Anklage gestellt, nach vier Monaten auch die Mutter. Am Ende hatte der Staatsanwalt dann Edmondo der fahrlässigen Tötung angeklagt und eine bedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten gefordert. An der Verhandlung in Bad Zurzach trat Ninas Vater, ein Arzt, als Zeuge auf. Auf die Frage von Gerichtspräsident Cyrill Kramer, warum er ein Telefongespräch in welchem Edmondo ihm gegenüber bekannt habe «einen grossen Fehler gemacht zu haben» erst vier Monate nach Patriks Tod den Behörden schriftlich kundtat, meinte der Zeuge, er habe es angesichts der drohenden Anklageerhebung gegen Nina getan.

Eisige Kälte zwischen Nina und Edmondo

«Meine Tochter würde niemals ein Kind zu Tode schütteln», erklärte der Arzt kategorisch und fügte an, dass Edmondo ihm «nie mehr ins Haus kommen» werde.

Wo Liebe war, herrscht nurmehr eisige Kälte zwischen Nina und Edmondo. Sie, die ihn verlassen hat und mit dem Erstgeborenen bei ihren Eltern in Deutschland lebt, schilderte hektisch, emotionslos und wortreich ihre Sicht der Dinge mit dem Fazit: «Ich habe nichts gemacht, also muss ich sagen, dass es Edmondo war.» Der bestritt jede Schuld am Tod des Kindes.

Das Urteil fiel einstimmig aus: Edmondo wurde freigesprochen. «Das Gericht hat erhebliche, nicht zu unterdrückende Zweifel an der Schuld des Angeklagten», so Präsident Kramer. Wesentlich dazu beigetragen habe, dass Ninas Vater sich erst erklärt hatte, als seine Tochter unter Anklage stand und Nina selbst sich erst an eine ihren Mann belastende Situation erinnerte, als die Untersuchungen auf sie ausgedehnt worden war. Edmondos Freispruch sei jedoch «nicht gleichbedeutend mit einem Schuldspruch Ninas.»

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