Reaktion

Bez-Dilemma im Zurzibiet – Klingnaus Stadtammann: «Es ist eine verfahrene Situation»

Das Klingnauer Schützenmatt-Schulhaus: Hier werden die Bez-Schüler unterrichtet.

Das Klingnauer Schützenmatt-Schulhaus: Hier werden die Bez-Schüler unterrichtet.

Zwei Tage nach der Mitteilung, dass der Gemeindeverband Zurzibiet Regio den Entscheid um die Bezirksschulstandorte an den Kanton delegiert, äusserte sich der Klingnauer Stadtammann an einer Infoveranstaltung zum Thema.

Es war unvermeidlich: Am Donnerstag informierte der Gemeindeverband Zurzibiet Regio darüber, den Entscheid zum Bezirksschul-Dilemma dem Kanton übergeben zu haben. Beim "Schloss-Dialog" am Samstagmorgen kam Klingnaus Stadtammann Reinhard Scherrer aufgrund der Aktualität nicht darum herum, vor 50 Bürgerinnen und Bürgern dazu Stellung zu nehmen. 

"Es ist eine verfahrene Situation", hielt Scherrer fest. Er bedauerte auch, dass es in der ganzen Diskussion nur darum gegangen sei, wie viele Schüler an welchem Bez-Standort unterrichtet werden könnten. Fragen zur Qualität der Bildung blieben aussen vor. "Wir haben nicht darüber geredet, welche Schule wir wollen, also etwa über den Sinn von einer Oberstufenschule mit allen drei Typen Bez, Sek und Real unter einem Dach."

Genau dies favorisieren und praktizieren die Gemeinden der Oberstufe Unteres Aaretal (OSUA) mit Klingnau, Döttingen und Koblenz sowie die Kreisschule Rheintal-Studenland mit Bad Zurzach als Bez-Standort. Die Gemeinden im Kirchspiel (Bez Leuggern) und im Surbtal (Bez in Endingen) sehen dies anders. 

Die Arbeitsgruppe Bildung von Zurzibiet Regio hatte zwar drei Vorschläge ausgearbeitet, mit denen pro Talschaft eine Bezirksschule erhalten bleiben könnte und nur einer der vier Standorte in Bad Zurzach, Endingen, Klingnau und Leuggern geschlossen werden müsste. Zu einer Einigung kam es nicht. Nun muss das kantonale Bildungsdepartement entscheiden, welche der vier Bezirksschulstandorte bestehen bleiben.

Machtwort des Kantons schon im Seetal

Die Probleme: Das Rheintal-Studenland mit Bad Zurzach braucht Schüler aus einer anderen Talschaft, um die geforderte Mindestzahl von 108 zu erreichen. Im Unteren Aaretal/Kirchspiel gibt es genügend Schüler für eine Bezirksschule, die Gemeinden konnten sich aber nicht auf einen Standort einigen. Das Surbtal mit Endingen hat dank Würenlingen (Bezirk Baden) zwar genügend Bez-Schüler, doch wie der Entscheid des Kantons zum Schulknatsch im Seetal zeigt, ist dies keine Garantie. Der Kanton hatte wegen Uneinigkeit der Gemeinden auch im Seetal das Machtwort sprechen müssen und sich gegen den Standort Fahrwangen entschieden, obwohl dieser wie Seengen über 112 Schüler verfügte, mehr als die geforderten 108, und deutlich mehr die 72 von Seon. 

Fragezeichen zur Zukunft der Bezirksschule

Eine höhere Attraktivität für Lehrkräfte, ein besseres Freifächer-Angebot und eine langfristige Perspektive nannte Scherrer als wichtige Gründe für eine Oberstufe mit allen drei Typen an einem Standort. Die langfristige Perspektive bezog er darauf, dass der Kanton Aargau prüft, die Schulzeit bis zur Matur von 13 auf 12 Jahre zu reduzieren und sie so mit anderen Kantonen gleichzustellen.

Eine Variante besteht darin, die Bez um ein Jahr zu verkürzen. Eine zweite darin, dass die Kinder die Kantonsschule schon ab der sechsten Klasse besuchen. So oder so würde sich die Zahl der Bezirksschüler markant senken. Kleine Bezirksschulen, die nicht Teil eines Oberstufenstandorts mit Sek und Real sind, wären kaum zu halten. 

Verkauf der Signalversorgung

Am "Schloss-Dialog" kam weitere Klingnauer Themen zur Sprache. Der Stadtrat plant, seinen Eigenwirtschaftsbetrieb der Signalversorgung zu verkaufen. "Es gibt zwei Interessenten", führte Stadtrat Patrick Güntert aus. Es sind Flashcable und Cablecom. Im Frühling 2020 könnte die Gemeindeversammlung über den Verkauf befinden. 

Meldungen über Störungen in der Signalversorgung begegnete Güntert mit dem Hinweis, dass diese im normalen Bereich liegen, so wie bei anderen Anbietern auch. Bei jeder zweiten Störungsmeldung liege der Fehler nicht beim Kabelanbieter, sondern beim Kunden.  

Wassergebühren zum Dritten erst im Frühling

Die Klingnauer werden doch erst im Frühling über das neue Wasserreglement mit Gebührenanpassung abstimmen. Nachdem die Stellungnahme des Preisüberwachers eingegangen ist, wird ein neuer Ansatz verfolgt, wie Stadtrat Güntert ausführte.

Zweimal hat die Gemeindeversammlung das Reglement bereits abgelehnt. An der letzten Gemeindeversammlung kam es nicht zur Abstimmung, weil die Stellungnahme des Preisüberwachers noch nicht vorlag. Diese muss von bei Gebührenänderungen von Gemeinden zwingend eingeholt werden, auch wenn sie sich nicht an die Empfehlung halten müssen.

Das Klingnauer Stimmvolk war sich bisher uneinig darüber, welchen Anteil die Grund- und Verbrauchsgebühren ausmachen sollen. Dahinter steht die Frage, ob für einen Haushalt, egal ob er einem Mehrfamilienhaus angehört oder ob es sich um ein Einfamilienhaus handelt, dieselben Grundgebühren berappen soll.  

Unbedenkliches Trinkwasser

Vor dem "Schloss-Dialog" hatte die Bevölkerung die Möglichkeit, Anliegen und Fragen einzubringen, auf die der Stadtrat nun antwortete. Im Trinkwasser mehrerer Aargauer Gemeinden wurden zu hohe Rückstände des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil festgestellt. "Das Trinkwasser in Klingnau ist unbedenklich", antwortete Günthert auf eine Frage. Die Klingnauer Haushalte beziehen nach dem Anschluss an die Wasserversorgung Döttingen mittlerweile ausschliesslich Döttinger Wasser. Die Messwerte der Nachbargemeinde gelten somit auch für Klingnau und liegen klar im grünen Bereich. Im Döttinger Wasser habe es auch nur halb so viel Kalk, ergänzte Stadtammann Reinhard Scherrer. 

Frage zum Hallenbad 

Eine Frage betraf das Hallenbad in Klingnau, das 1969 erbaut und 1995 geschlossen worden war, als hohe Sanierungskosten angestanden wären. Ob es nicht Sinn machen könnte, das Hallenbad zu sanieren und wieder in Betrieb zu nehmen? Stadtrat Kuno Schumacher machte klar, dass der Stadtrat dies nicht ernsthaft in Erwägung zieht. Die Investitionen gingen in die Millionen, ein kostendeckender Betrieb wäre kaum möglich. Dazu würden andere Gemeinden der Region ein solches Projekt kaum mitfinanzieren wollen. 1969 zählte das Hallenbad übrigens 15'000 Eintritte, in seinem letzten Betriebsjahr 7300.

Das Hallenbad-Gebäude wird heute teilweise für den Betrieb des Freibads genutzt. Ein Teil der Garderoben werden als Lagerräume verwendet. Das Becken steht leer und wird im Sommer an einem verlängerten Wochenende für das dreitägige "Kino in der Badi" genutzt, das die Kulturkommission veranstaltet. 

Über den nächsten grossen Planungsschritt zum Kiesabbau im Hard/Härdli, die nötige Revision des Bau- und Nutzungsplans und des Kulturlandplans, informiert der Stadtrat an einer Orientierungsversammlung am Donnerstag, 7. November. Sie beginnt um 19 Uhr in der Aula des Schulhauses Schützenmatt.

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