Würdigung

Berühmtheiten aus der Region: Diese Zurzibieter Persönlichkeiten bleiben unvergessen

Vor 30 Jahren starb Friedrich Dürrenmatt. In diesen Tagen wird der Ausnahmeschriftsteller gefeiert. 2021 haben auch Berühmtheiten aus der Region einen runden Jahrestag – Anlass genug für eine Würdigung.

Bad Zurzach

Udalrich Josef Schaufelbühl (Politiker und Arzt) gestorben vor 165 Jahren

Schaufelbühl (geboren am 18. Oktober 1789 in Zurzach) war von 1832 bis 1852 Aargauer Regierungsrat. Dort förderte er massgeblich den Ausbau des Gesundheitswesens. Von 1851 bis zu seinem Tod am 21. Juli 1856 gehörte er dem Nationalrat an. Der Sohn des Arztes und Grossrates Franz Joseph Schaufelbühl studierte ebenfalls Medizin. Danach betrieb er zusammen mit seinem Vater nicht nur eine Arztpraxis, sondern war auch Gastwirt und Apotheker. Der elterliche Gasthof Goldner Adler war oft Schauplatz von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Diskussionsrunden, heisst es im «Historischen Lexikon der Schweiz». Schaufelbühl sei liberalen Ideen nicht abgeneigt gewesen, doch sein Weltbild war eher katholisch-konservativ geprägt.

Döttingen

Robert Zimmermann (Jesuit) gestorben vor 90 Jahren

Der Jesuit, Hochschullehrer und Sprachwissenschaftler kam am 24. Oktober 1874 in Döttingen zur Welt. Zimmermann war der Sohn des Coiffeurs und Kaufmanns Josef Zimmermann. Er besuchte das Gymnasium Schwyz und trat 1896 in den Jesuitenorden ein. Von 1900 bis 1903 studierte er Philosophie und danach Theologie und Anglistik in einem Jesuiten-Spiritualitätszentrum in Wales. 1908 begann er sein Sanskrit- und Pali-Studium an der Universität Berlin und promovierte 1913. Wegen gesundheitlicher Beschwerden kehrte er 1930 in die Schweiz zurück und starb im darauffolgenden Jahr in Feldkirch.

Kaiserstuhl

Hermann Suter (Komponist) gestorben vor 95 Jahren

Der spätere Komponist und Chordirigent erblickte am 28. April 1870 das Licht der Welt. Suter war ein wichtiger Vertreter der Instrumental- und Chormusik im Deutschschweizer Raum an der Wende zum 20. Jahrhundert. Nach einer Organistenstelle in Zürich (ab 1894) leitete er ab 1902 bis fast zu seinem Tod den Basler Gesangverein und die Liedertafel und dirigierte die Sinfoniekonzerte der Allgemeinen Musikgesellschaft. Für drei Jahre war er Direktor des Konservatoriums in Basel. Ab 1916 lebte Suter in Binningen, wo er bis zu seinem Tode am 22. Juni 1926 lebte. Stilistisch stand er Johannes Brahms nahe. Als sein bedeutendstes Werk gilt das 1923 entstandene spätromantische Oratorium «Le Laudi di San Francesco d’Assisi», das ihn international bekannt machte. Suter schrieb auch eine neue Schweizer Nationalhymne, die sich aber nicht durchsetzen konnte.

Klingnau

Franz Xaver Eggspühler (Politiker und Jurist) geboren vor 160 Jahren

Franz Xaver Eggspühler kam am 19. November 1861 in Klingnau zur Welt. Er vertrat von 1902 bis zu seinem Tod am 4. Mai 1930 den Kanton Aargau im Nationalrat. Aus einfachen Verhältnissen stammend, absolvierte Eggspühler das Gymnasium in Schwyz. Anschliessend studierte er Recht an den Universitäten Basel, Strassburg, Berlin, Breslau und Bern. Nachdem er das Anwalts- und Notariatspatent erworben hatte, arbeitete er ab 1886 als Gerichtsschreiber in Zurzach, sechs Jahre später übernahm er dort das Präsidium des Bezirksgerichts. Dieses Amt übte er bis 1905 aus, als er zum Oberrichter gewählt wurde. Auf sein Betreiben hin beschloss das Parlament 1916 den Bau der Surbtalbahn, die aber wegen der Folgen des Ersten Weltkriegs nie realisiert wurde. Immerhin erreichte er mit dem von ihm angestrengten Bundesgesetz (1915) die frühe Erschliessung des Tals mit Postautos (1921). Eggspühler hatte zahlreiche weitere Ämter inne. Er war Präsident des römisch-katholischen Synodalrates, der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks Zurzach und der Erziehungsanstalt St.Johann in Klingnau.

Koblenz

Karl Schweri (Unternehmer) gestorben vor 20 Jahren

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Als Bauernsohn (geboren am 31. März 1917) wuchs Schweri in einfachen Verhältnissen an der Griessenstrasse 8 in Koblenz auf. Nach der 4. Klasse wechselte der schmächtige Karli, wie sie ihn im Dorf nannten, in die Bezirksschule Leuggern. Später studierte Schweri Rechtswissenschaft an der Universität Zürich. 1951 übernahm er die Aktienmehrheit bei der Import- und Grosshandels AG (IGA); diese AG hatte 1946 die Consumgesellschaft Denner übernommen. Er machte Denner zum ersten und führenden Discounter in der Schweiz; 1967 eröffnete er in Endingen den ersten Lebensmittel-Discountladen. Schweri kämpfte zeitlebens mit zahlreichen Inseratekampagnen für seine Ziele. Zwischen 1968 und 2001 lancierte er sechs Volksinitiativen gegen Preiskartelle und Monopole, die alle entweder verworfen oder zurückgezogen wurden. Dagegen hatte er mit vier Referenden Erfolg. Ende 2000 übergab Karl Schweri die Leitung des Gesamtkonzerns seinem Enkel Philippe Gaydoul. Schweri starb am 29. Mai 2001 in Zürich.

Lengnau

Alis Guggenheim (Künstlerin) geboren vor 125 Jahren

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Alis Guggenheim wurde am 8. März 1896 als drittes von sieben Kindern des Viehhändlers Moses Guggenheim in Lengnau geboren. Im Jahre 1912 zog die Familie nach Zürich, wo Alis eine Lehre als Modistin absolvierte. 1916 eröffnete sie einen kleinen Modesalon. Sie lernte einen russischen Studenten und Kommunisten kennen, mit dem sie 1919 in die Sowjetunion reiste. Dort arbeitete sie als Schneiderin und wurde Mitglied der Kommunistischen Partei der Sowjetunion. 1920 kehrte sie nach dem Scheitern der Beziehung in die Schweiz zurück. Sie eröffnete ihren Salon wieder und trat in die Kommunistische Partei der Schweiz ein. Zu ihren Bekannten in Zürich zählten unter anderen Richard Paul Lohse und Max Bill. 1954 erhielt Guggenheim den Kunstpreis des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes und hatte anschliessend ihre erste Einzelausstellung in Zürich. Im Sommer 1958 erkrankte Guggenheim. Am 2. September starb sie im Zürcher Kantonsspital. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Lengnau beerdigt.

Karl Kloter (Schriftsteller) geboren vor 110 Jahren

Kloter wurde am 30. September 1911 in Lengnau geboren. Er absolvierte eine Ausbildung zum Bäcker, bevor er ab 1939 als Stanzer in Zürich beschäftigt war. Kloter veröffentlichte zunächst Gedichte, anschliessend hauptsächlich autobiografisch gefärbte Romane, in denen die sozialen und menschlichen Probleme der Arbeiter thematisiert werden. In seinem 1969 erschienenen Roman «Salvatrice» setzte er sich mit den Problemen der Gastarbeiter auseinander. Karl Kloter verstarb am 13. August 2002 kurz vor Vollendung seines 91. Lebensjahres in Luzern. Er war der ältere Bruder des Nationalratsabgeordneten Theodor Kloter.

Leuggern

Adolf Hauser (Politiker, Anwalt) geboren vor 210 Jahren

Hauser kam am 11. April 1811 in Leuggern zur Welt. Der Sohn eines Arztes erhielt 1837 das Anwaltspatent und war in Zurzach als Rechtsanwalt tätig. Hauser war zwar Ersatzrichter am Obergericht des Kantons Aargau, schlug aber eine Wahl zum Oberrichter mehrmals aus. Als Vertreter der Radikalliberalen wurde er 1841 in den Aargauer Grossen Rat gewählt. Diesem gehörte er bis 1846 und erneut von 1852 bis 1861 an. Bei einer Nachwahl 1856 zog Hauser in den Nationalrat ein und vertrat den Wahlkreis Aargau-Nord. 1860 verzichtete er auf die Wiederwahl. Er starb am 25. Januar 1862 in Zurzach.

Schneisingen

Max Knecht (Politiker und Anwalt) gestorben vor 5 Jahren

Max Knecht wurde 1929 in Schneisingen als Sohn eines Sägermeisters geboren. Nach der Bezirksschule Endingen wechselte er an das Gymnasium Stans. In Fribourg begann er das Jura-Studium, führte dieses in Paris weiter und schloss es in Zürich ab. 1955 eröffnete Knecht in Döttingen ein Anwalts- und Notariatsbüro, das er samt Wohnsitz 1958 nach Wettingen verlegte. Der CVP-Politiker war der erste Präsident des Wettinger Einwohnerrats und im Jahr1973 Grossratspräsident. Nach seiner aktiven politischen Karriere erstellte Knecht Wahlprognosen, die er auf seiner Website veröffentlichte und die von der «Aargauer Zeitung» bzw. vom «Badener Tagblatt» jeweils veröffentlicht wurden. Er starb am 28.Dezember 2016 in Schneisingen. Knecht habe zum politischen Urgestein im Aargau gehört, schrieb die AZ im Nachruf.

Tegerfelden

Friedrich Gottlieb Otto Sutermeister (Volksmärchensammler) gestorben vor 120 Jahren

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Sutermeister kam am 27. September 1832 in Tegerfelden zur Welt. Nach dem Gymnasium in Aarau studierte er Philologie und Germanistik an der Universität Zürich und wirkte danach als Lehrer an Privaterziehungsanstalten in Payerne und in Paris. 1857 wurde Sutermeister an das Zürcher Lehrerseminar in Küsnacht berufen, wo er bis 1866 unterrichtete; anschliessend wirkte er bis 1873 als Professor an der Kantonsschule Aarau. 1890 wurde er ausserordentlicher Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Bern. 1900 demissionierte Sutermeister aus gesundheitlichen Gründen. Er starb am 18. August 1901 in Aarau. Der gebürtig Tegerfelder gilt als einer der bedeutendsten Sammler von Märchen, Sprichwörtern, Haussprüchen, Kinderreimen und Rätseln des 19. Jahrhunderts. Ab 1882 gab er die Reihe «Schwizer-Dütsch» heraus, die in Mundart verfasste Erzählungen aus den Deutschschweizer Kantonen enthält. Überdies war er Korrespondent des «Schweizerischen Idiotikons». Sutermeister verfasste auch Kinder- und Jugendliteratur und war Herausgeber einer nationalen Ausgabe der Werke von Jeremias Gotthelf, mit welcher Gotthelf in die Tradition des freisinnigen Bundesstaates eingeschrieben werden sollte.

Würenlingen

Albert Meier (Politiker und Rebbauer) geboren vor 125 Jahren

Meier kam am 29. Oktober 1896 zur Welt. Er stammte aus der Würenlinger Rebbauern-Dynastie Meier. Am 6. Dezember 1462 wurde in einer Urkunde der Propstei Zurzach die Familie Meier erstmals als Pächter des Widumhofs in Würenlingen erwähnt. Aus der einstigen Trinklaube im ersten Stock entwickelte sich eine Wirtschaft und später ein renommiertes Hotel mit Restaurant. Meier absolvierte die Landwirtschaftsschule in Brugg und besuchte Weiterbildungskurse im Weinbau. Im Kampf gegen die Reblaus veredelte Meier 1921 erstmals einheimische Reben mit Hilfe von amerikanischen Unterlagsreben. Er baute den Rebbau aus zu einem Betrieb mit Rebveredelung und gründete die bis heute bestehende Rebschulen A. Meier. Von 1945 bis 1957 war Meier konservativer Aargauer Grossrat und von 1957 bis 1964 Präsident der Darlehenskasse Würenlingen. Er war der Gründer der landwirtschaftlichen Genossenschaft Würenlingen. Er starb am 15. April 1964.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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