Was brächte eine Fusion den zehn Rheintal+-Gemeinden finanziell? Es ist eine der zentralen Fragen auf dem Weg zu einem möglichen Zusammenschluss von Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Fisibach, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen.

Dass der Druck auf Gemeinden in strukturschwachen Regionen stark zunimmt, ist bekannt. In den letzten zwanzig Jahren hat sich der Trend der Fusionen in der Schweiz rapid beschleunigt. Zwischen 2001 und 2016 verschwanden über 250 Gemeinden. Im Kanton Aargau kam es seit 2002 zu 14 Zusammenschlüssen. Das Hauptargument dafür waren fast immer finanzielle Einsparungen.

Am zweiten Workshop in Rekingen erhielten die anwesenden Arbeitsgruppen nun erste Anhaltspunkte, wie sich eine Fusion der Rheintal+-Gemeinden materiell auswirken könnte. Nach Ansicht von Christoph Brunner, Betriebsökonom und Gesamtleiter Treuhand der Beratungsfirma OBT in St. Gallen, wäre aufgrund der finanziellen Aspekte ein Zusammengehen durchführbar.

Basis für seine Berechnungen bilden die Rechnungsabschlüsse 2016 der involvierten Gemeinden, die an der vertieften Prüfung von Rheintal+ beteiligt sind. Drei Schwerpunkte zieht Brunner in seine Überlegungen ein: Ausgangslage, Zukunftsszenario bei einem Zusammenschluss und Unterstützung durch den Kanton.

Berechenbare Risiken

Um als vereinte Gemeinde eine ausgeglichene Rechnung präsentieren zu können, müsste der Steuerfuss in allen Projektgemeinden zukünftig bei 118 Prozent liegen, so Brunner. In seinem Szenario skizziert er den Steuerfuss von Bad Zurzach, der heute bei 115 Prozent liegt und massgebend für alle Gemeinden von Rheintal+ sein würde. In den Anfangsjahren der neuen Gemeinde würde dies zu einem Gesamt-Steuerausfall von 700 000 Franken führen.

Für Brunner besteht darin kein Grund zur Sorge. Er weist darauf hin, dass die fusionierten Projektgemeinden nach wie vor ein Nettovermögen pro Einwohnerin beziehungsweise pro Einwohner von 315 Franken ausweisen würden. Folglich müsste das Synergiepotenzial aus dem Zusammenschluss – etwa im Personal- oder Infrastrukturbereich – genutzt werden, welches normalerweise drei bis fünf Prozent des Gesamthaushalts ausmacht. Der Betriebsökonom kommt zum Schluss, dass auch die Risiken berechenbar seien, da die Projektgemeinden keine latenten Schulden aufweisen und kaum stille Reserven haben.

Ausserdem würde der Kanton, wie es heisst, die mitwirkenden Gemeinden dreistufig unterstützen. Yvonne Reichlin, Leiterin der Gemeindeabteilung des Departements Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau, sagt dazu: «Die Projektbeiträge für das Vor- und Hauptprojekt betragen 30'000 Franken pro Gemeinde.» Im laufenden Jahr wurden für das Vorprojekt bereits 5000 Franken pro Gemeinde ausbezahlt. Diejenigen Gemeinden, welche den Zusammenschluss beantragen, erhalten 25'000 Franken für das Hauptprojekt. Inklusive dem Zusammenschlussbeitrag bei erfolgter Fusion ergäbe das einen Betrag von rund 13 Millionen Franken.

Die Diskussion in der Arbeitsgruppe «Finanzen, Liegenschaften, Landwirtschaft» unter der Leitung von Baldingens Gemeindeammann René Meier zeigte, dass eine langfristige Finanzplanung als bedeutendes Entscheidungselement eingestuft wird. Auch Christoph Brunner ist der Ansicht, dass wer sich bindet, sich gut prüfen soll. In einem nächsten Schritt wird darum die beim jüngsten Workshop vorgelegte Finanzplanung aktualisiert. Die entsprechenden Daten sollen im Januar 2018 vorliegen.

Schwierige Langzeitprognose

Eine Berechnung der finanziellen Entwicklung der Projektgemeinden über zehn bis zwölf Jahre – wie sie von den Workshop-Teilnehmenden gewünscht wurde – beurteilt Christoph Brunner indessen als unseriös. Oder wie es Yvonne Reichlin formuliert: «Das wäre eine rein statische Aufstellung mit grosser Prognose-Unsicherheit.»

Aussagekraft besitzt dagegen eine Statistik zur Entwicklung des Steuerfusses von zusammengeschlossenen Aargauer Gemeinden. Villigen und Stilli schlossen sich 2006 zur Gemeinde Villigen zusammen. Stilli hatte zuvor einen Steuerfuss von 128 Prozent, Villigen von 91. Die neue Gemeinde Villigen startete mit 91 Steuerprozenten in die gemeinsame Zukunft, aktuell liegt der Wert bei 87 Prozent.

Fünf der dreizehn gelisteten Gemeinden haben nach dem Zusammenschluss eine Steuerfusserhöhung im Rahmen von drei (Endingen) bis 13 (Villmergen) Prozent erfahren, fünf konnten ihre Steuerfüsse ab der Fusion bis heute halten. Von den in der Statistik aufgeführten Profiteuren unter den fusionierten Gemeinden weist das Mettauertal die positivste Steuerfuss-Entwicklung auf, mit einer Reduktion von 118 im 2010 und 107 Prozent im 2017.

Sollte die Bevölkerung dem Zusammenschluss dereinst zustimmen, entstünde die flächenmässig grösste Gemeinde im Aargau (34 Hektaren) mit über 8000 Einwohnern. Über die mögliche Fusion würde voraussichtlich 2019 abgestimmt.