Kingnau

Bei diesem Dorftheater sprechen alle im Chor – Fehler fallen da nicht auf

Das Theater Klingnau bringt eine französische Dorfposse auf die Bühne. Speziell dabei ist nicht nur die altertümliche Sprache, sondern auch die Form, wie sie von den Schauspielern vorgetragen wird.

Was, wenn die Bäckersfrau mit einem jungen Hirten durchbrennt? Und das ausgerechnet in einem kleinen Bergdorf der Provence, wo der Pfarrer alsbald den moralischen Zeigefinger erhebt und die Bewohner gleichwohl niederen Instinkten folgen. Das Theater Klingnau unter dem Regisseur Hannes Leo Meier sorgte für grosse Heiterkeit im Premierenpublikum.

Frauen spielen Männer

Die zwölf Schauspieler geben sich als Belegschaft der Dorfbäckerei Knusper, die ihrem Patron (Marcel Erni) zu seinem Dienstjubiläum dessen Lieblingsstück aufführt: «La femme du boulanger». Damit ist erklärt, weshalb Männerrollen zwangsweise Frauen spielen und gewisse Schauspieler in Doppelrollen auftreten – in der Bäckerei Knusper arbeiten eben mehr Frauen als Männer. Ebendies führte bei der Aufführung zu sehr vergnüglichen Momenten im Propsteikeller. Als etwa der frivole junge Hirte schlagartig zur verkorksten alten Jungfer mutiert. Den Rollenwechsel schafft Dominik Baumann auf verblüffende Weise, indem er Körperhaltung, Mimik und Stimme anpasst.

Zwischenruf aus dem Publikum

Da der betrogene Bäcker (Therese Delay) streiken will, entscheiden sich die bislang schadenfreudigen Dorfbewohner zu einer gross angelegten Suchaktion. Dabei finden sie endlich die Verschwundenen, den Hirten und die Bäckersfrau (Jeannine Bühlmann), im Liebesnest. Es zeigt sich an dieser Stelle, mit welch einfachen Requisiten das Theater Klingnau grosse Wirkung zu erzielen weiss: Das Liebesnest symbolisieren ein paar Schilfwedel. «Vom Klingnauer Stausee!», ruft jemand aus dem Publikum.

Stück gemeinsam erzählt

Nicht nur die Requisiten, auch das Bühnenbild und die Kleidung sind zweckdienlich gehalten beim eigentlichen Erzähltheater mit wenig Handlung. Umso mehr Text mussten die Schauspieler lernen, denn die Erzählung geschieht im Chor – sie erzählen unisono, was passiert. Dies hat den Vorteil, dass auch mal jemand unauffällig patzen darf. Gewöhnungsbedürftig ist die altvornehme Sprache, die stets vom Konjunktiv in der indirekten Rede Gebrauch macht: «Er solle für seine Frau beten», mahnt der Pfarrer (Julia Born) den Bäcker. Dass das Theater Klingnau die Mundartfassung gewählt hat, macht die Aufführung umso authentischer.

Zahlreiche musikalische Einlagen geben dem Theater zusätzlichen Drive. Es sind Evergreens: «Un kilomètre à pied» und «Et si tu n’existais pas», um nur zwei Beispiele zu nennen. Offensichtlich ist das ein oder andere Schauspiel- auch ein Gesangstalent. Am Klavier begleitet souverän Werner Müller. Wie das Stück ausgeht, ob der Bäcker seiner Frau verzeihen kann, sei nicht verraten. Das Theater wird noch neunmal aufgeführt.

Nächste Aufführungen:

Freitag, 12., und Samstag, 13. April, 20.15 Uhr, Propsteikeller Klingnau. Reservation: Telefon 076 505 86 07 (vormittags).

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