Wer online nach einer Unterkunft im Zurzibiet sucht, findet nicht nur Hotels. Immer häufiger bieten auch Private Zimmer in ihrem Haus als Übernachtungsmöglichkeit an. Meist sind es «Bed and Breakfast»-Angebote («BnB»).

Die bekannte Website airbnb.ch listet im Bezirk Zurzach derzeit sechs Angebote auf, die Hälfte davon im Studenland. Im Surbtal ist es Andrea Hofer aus Endingen, die Gäste bei sich aufnimmt. 

«Grosses Doppelzimmer in wunderschönem Landhaus, ruhig gelegen am Waldrand mit Blick auf den Schwarzwald» – so preist sie ihr Domizil im Internet an, und verspricht dabei nicht zu viel. Ganz einfach zu finden ist das weisse Haus, das hoch über Endingen am Hügel steht, nicht. «Das geht nicht nur Ihnen so», sagt Hofer lachend, «viele Gäste muss ich im Dorf unten abholen.»

Bei airbnb.ch inseriert die erfahrene Gastgeberin erst seit Mai. «Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht und schon einige Buchungen erhalten. Der Vorteil gegenüber anderer Booking-Plattformen ist, dass ich fürs Inserieren nichts bezahlen muss. Erst, wenn ein Gast bucht und bezahlt, zieht die Organisation bei der Überweisung einen Prozentsatz ab.»

Die Sterne sind entscheidend

Hofers Unterkunft hat vier Sterne und gilt als «Erstklass-Angebot». Bewertet wurde sie von Bed and Breakfast Switzerland. Die Organisation kontrolliert alle drei Jahre, ob die Anforderungen für die jeweiligen Kategorien eingehalten werden: Demnach müssen Hofers Zimmer «gehobenen Ansprüchen» genügen und einen «erstklassigen Gesamteindruck mit optisch aufeinander abgestimmten Formen und Materialien» hinterlassen. Dass das Badezimmer täglich geputzt wird, ist selbstverständlich.

Um fünf Sterne zu erhalten, muss ein Objekt eine «herausragende und exklusive Infrastruktur» haben sowie über «stilvolle und luxuriöse Ausstattung mit allem technischen Komfort» verfügen.

Auch an das Essen werden hohe Anforderungen gestellt: Die Rede ist von einem «reichhaltigen Frühstücksbuffet mit mehrheitlich regionalen, selbst gemachten, qualitativ hochwertigen oder biologischen Produkten».

Im Aargau gibt es nur eine solche Luxus-Unterkunft – in Herznach. Beim Lesen dieser Anforderungen wird klar: Einfach ein Bett in die Ecke zu stellen und zum Zmorgen ein Joghurt aufzutischen, genügt nicht. «Viele stellen sich das zu einfach vor», sagt Andrea Hofer. «Es ist nichts, was man so nebenbei betreiben kann. Frühstück, Reinigung, Administration – man darf den Aufwand nicht unterschätzen.»

Die Gäste seien in den zehn Jahren, seit Hofer die ersten Buchungen erhalten hatte, anspruchsvoller geworden. «Sie erwarten heute den Service eines Hotels zum Preis eines BnB». Hofer verlangt für eine Übernachtung im Einzelzimmer mit Frühstück 80 Franken, bei längerer Aufenthaltsdauer weniger. Ein Vermögen erwirtschaftet sie nicht.

Dennoch: Hofer betreibt ihr BnB mit Leidenschaft. Auf die Idee gekommen ist sie durch die az: «In einem Artikel suchte das Tourismusbüro Baden nach Familien, die ein Zimmer vermieten würden», erzählt sie, während die rote Familienkatze um ihre Beine streicht. «Ich komme aus dem Hotelgewerbe, habe an einer Rezeption gearbeitet. Weil meine behinderte Tochter damals noch klein war, konnte ich nicht auswärts arbeiten gehen – da dachte ich, ich hole das Hotel halt zu mir nach Hause.»

Ein Büro im Hoferschen Einfamilienhaus wurde in Gästezimmer mit Bad umgewandelt. Damals habe es im Grossraum Baden noch kaum BnBs gegeben, so Hofer. Weil sie dauernd ausgebucht war, richtete Hofer bald noch ein zweites Gästezimmer ein. «Heute ist die Nachfrage kleiner, das Angebot dafür viel grösser. Vor allem die Anfragen von Grossfirmen gingen zurück – wohl, weil man heute viel per Videokonferenz erledigt, was früher noch einen Besuch vor Ort erforderte.»

Hofers Gäste sind oft keine klassischen Touristen, sondern Geschäftsleute, die in der Region zu tun haben – bei der Alstom, ABB oder in den Kernkraftwerken. «Manchen ist es in Hotelzimmern zu einsam, sie schätzen die persönliche Betreuung und den Familienanschluss», erzählt Hofer. Ihre zwei Kinder hatten sich schnell an die wechselnden Gäste gewöhnt. «Wir hatten sogar mal einen jungen Deutschen hier, der jeden Abend nach der Arbeit mit den Kindern spielte.»

Tourismusangebot verbessert

Wenn Touristen kommen, dann sind sie häufig auf der Durchreise oder besuchen Verwandte in der Gegend. Eine typische Tourismusregion sei das Zurzibiet lange nicht gewesen, meint Hofer. «Man merkt aber deutlich, dass sich in den letzten Jahren etwas getan hat. Jetzt fehlt noch die Abendunterhaltung für die Jüngeren, und die öV-Verbindungen nach Bad Zurzach und Brugg könnten auch besser sein.»

Fragt man Hofer nach schlechten Erfahrungen, muss sie lange überlegen. «Die meisten Gäste sind flexibel und unkompliziert. Klar hat es solche, die etwas lärmempfindlich sind, aber das sind Ausnahmen.» Dann fallen Hofer doch noch ein paar Episödchen ein, die für gewisse Unstimmigkeiten gesorgt hatten: Da waren die italienischen Gastarbeiter, die kein Wort Deutsch verstanden und deshalb partout nicht begreifen wollten, dass sie die grosse Küche der Hofers nicht mitbenutzen dürfen – besonders nicht für spätabendliche Bistecca-Braterei.

Auch die junge Vietnamesin, die im Zimmer mit dem mitgebrachten Reiskocher ihre Mahlzeiten zubereitet hat, ist in Erinnerung geblieben – genauso der Inder, dessen Räucherstäbchenschwaden durch das ganze Haus gezogen waren; bis Hofer ihn bat, damit doch nach draussen zu gehen.

Besonders mühsam war die englische Familie, die eine Unterkunft brauchte, nachdem sie im Sommer 2005 auf dem Campingplatz in Sulz quasi untergegangen war. «Sie haben alle ihre nassen Sachen im Haus aufgehängt und sind nach einer Woche wieder abgereist, ohne das ganze kaputte Zeug mitzunehmen.»

Statt an die Engländer denkt Hofer lieber an die schönen Seiten ihres BnB. An viele spannende Gespräche mit Menschen aus allen Ecken der Welt, zu denen sie manchmal per Mail Kontakt hält. An einen ehemaligen Gast, der jedes Jahr einen Christstollen vorbeibringt. Oder an Stammgäste, die es immer wieder nach Endingen zieht. Apropos Stammgäste: Eigentlich würde Andrea Hofer ja zwei Gästezimmer anbieten – aber eines davon wird von einem besonders treuen Gast besetz. Er ist seit bald sechs Jahren da und gehört unterdessen auch fast zur Familie.