Sportnegg

Baldingen: Eine Charta gegen das Gärtlidenken

Planungsverbandspräsident Felix Binder unterschreibt – assistiert von Projektleiter Martin Hitz – die Zurzibieter Charta. Angelo Zambelli

Felix Binder

Planungsverbandspräsident Felix Binder unterschreibt – assistiert von Projektleiter Martin Hitz – die Zurzibieter Charta. Angelo Zambelli

2008 haben die Zurzibieter Gemeinden beschlossen, die Zukunft gemeinsam anzupacken. Grundlage dieses Entscheids war das Wissen um die Stärken des Bezirks:

Die schöne Landschaft, die Nähe zu Brugg, Baden und Zürich, die Präsenz renommierter Firmen und Institutionen wie das Paul-Scherrer-Institut, das Thermalbad und die Reha-Clinic in Bad Zurzach sowie die intakten Gemeinschaften in den Dörfern. Daneben waren sich die Gemeinden aber auch bewusst, dass sie es als Einzelkämpfer nicht schaffen würden. Die Bevölkerungszahlen des Bezirks stagnieren, während andere Regionen boomen, Gemeinderäte und Kommissionen können nur mit Mühe besetzt werden, neue Unternehmen lassen sich nur schwer anlocken.

Finanziell unterstützt von Bund und Kanton sowie vom Wirtschaftsforum Zurzibiet und von den Gemeinden Bad Zurzach, Böttstein, Döttingen und Klingnau wurde eine Vision erarbeitet, wie und wohin sich die Region entwickeln soll. Umgesetzt wird die Vision mit konkreten Projekten. Die Charta ist eine moralisch-politische Verpflichtung der Gemeinderäte, sich an der Entwicklung der Region im gemeinschaftlichen Sinn zu beteiligen (siehe nebenstehender Text).

Landammann und Gullivers Reisen

Lob für ihre Anstrengungen konnten die an der Vision beteiligten Gemeinden bei der Charta-Unterzeichung auf der Baldinger Spornegg gleich von mehreren hohen Stellen entgegennehmen. Landammann Urs Hoffmann bediente sich Jonathan Swifts Jugendroman «Gullivers Reisen», in dem eine Vision als «die Kunst, Unsichtbares zu sehen» beschrieben wird. «Wie Gulliver dürften sie sich beim Erarbeiten der Vision wohl öfters wie auf hoher See gefühlt und gefragt haben, wohin die Reise führt», mutmasste Hofmann.

«Sie haben eine regionale Vision entworfen, die gebündelten Stärken in die Waagschale geworfen und können heute trotz skeptischer Reaktionen sagen: Es hat sich gelohnt.» Respekt zollte der Landammann den Zurzibieter Gemeinden für die Bereitschaft, auch unangenehme Themen anzusprechen und auszudiskutieren. Hofmann: «Dass in der Charta nicht nur harmlose Sätze stehen, spricht für die Region. Mit der Vision und der Charta ist der Weg aber noch nicht abgeschlossen. Sie stehen auf der Schwelle zur Umsetzung und werden für den weiteren Weg noch viel Mut und Energie brauchen.» Massstab seien konkrete Projekte und nachhaltige Aktivitäten, meinte Hofmann und forderte die Zurzibieter Gemeinden auf, die vorhandenen Spielräume mit Fantasie und Ausdauer zu nützen.

Auch Regula Egli war als Vertreterin der Kerngruppe des Bundesnetzwerks «ländlicher Raum» voll des Lobes für das Projekt «Vision Zurzibiet». Sie forderte die beteiligten Gemeinden auf, nicht stehen zu bleiben und sich weiterhin für die gesetzten Ziele zu engagieren.

Kämpferischer Verbandspräsident

Felix Binder, Präsident des Planungsverbandes Zurzibiet, zeigte sich nicht nur stolz über das Erreichte. Er gab auch gleich die nächsten anzupeilenden Ziele vor: «Mit der Vision wollen wir uns beim Kanton die raumplanerischen Möglichkeiten erkämpfen und uns gegenüber den anderen Regionen positionieren.»

Für Binder steht aber auch fest, dass das Zurzibiet seine Strukturen überprüfen und optimieren muss: «Vordringliche Aufgabe ist es, Formen zu finden, mit denen wir das Milizsystem in der Politik erhalten können».

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