Einige Gemeinden, weil das Kontingent im neuen Jahr steigen wird, andere, weil sie schon jetzt das erforderliche Kontingent unterschreiten. Das wird ab 2016 richtig teuer: 110 Franken pro Asylbewerber und Tag kostet es eine Gemeinde, die zu wenig Asylsuchende aufnimmt. Bisher lag die Ersatzabgabe bei 10 Franken.

«Mit dieser Erhöhung hat Regierungsrätin Susanne Hochuli einen Nerv getroffen», sagt Würenlingens Ammann André Zoppi. Die Gemeinde ist laut Zoppi bestrebt, das Kontingent künftig zu erfüllen.

Würenlingen müsste 2016 insgesamt 14 Asylsuchende aufnehmen. Die Zahlen des Kantons stammen allerdings vom 30. September 2015. Inzwischen – im November – hat Würenlingen 6 Asylsuchende untergebracht. Fehlen für 2016 also noch 8.

Doch nicht nur die Gemeinden, auch der Kanton benötigt Plätze. Regierungsrätin Hochuli sucht temporäre Unterkünfte, die nicht unter dem Boden liegen. Sie rief die Gemeinden in einem Schreiben auf, dem Kantonalen Sozialdienst Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen oder Plätze zu melden, die rasch in Betrieb genommen werden können.

Bereits mit den Sozialen Diensten des Kantons Kontakt aufgenommen hat das Städtchen Kaiserstuhl. Ab dem Sommer 2016 steht dort das Schulhaus Blöleboden leer. Mit Beginn des neuen Schuljahres werden rund 50 Kinder aus Kaiserstuhl und Fisibach den Kindergarten und die Primarschule im zürcherischen Weiach besuchen.

Die Verträge zwischen den entsprechenden Gemeinden und Schulbehörden wurden bereits im September unterzeichnet. Nach der damit verbundenen Auflösung des Schulverbands Kreisprimarschule Belchen werden auch die Schüler aus drei weiteren Gemeinden andernorts unterrichtet.

Für das Schulhaus, das Kaiserstuhl gehört, stellt sich nun die Frage der Nutzung – einerseits der kurzfristigen, aber auch der mittel- und langfristigen. Denn die wegfallenden Mietzinseinnahmen sollen kompensiert werden.

Bereits wurde eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Stadträtin Sonja Böhm gegründet, die nächste Woche ihre erste Sitzung hat. Auch der Kanton wurde schon aktiv. Er hat das Objekt einer Analyse unterzogen und sein grundsätzliches Interesse an der Nutzung als Asylunterkunft angemeldet. «Der Ball liegt nun bei der Gemeinde, ob sie in Verhandlungen mit dem Kanton treten will», sagt Kaiserstuhls Stadtammann Ruedi Weiss.

Kein einfaches Thema

Der Stadtrat, der über die Zukunft der Nutzung entscheiden kann, sei sich bewusst, dass die Unterbringung von Asylsuchenden kein einfaches Thema sei, sagt Weiss. «Aus diesem Grund haben wir die Bevölkerung schon vor einiger Zeit informiert.»

Die Stimmung empfindet Weiss als «positiv zurückhaltend». Laut Berechnung des Kantons fänden im Schulhaus Blöleboden bis zu 100 Asylsuchende Platz. Hier setzt Weiss zum «Aber» an: «100 Asylsuchende auf 400 Einwohner sind eine hohe Zahl.» Auch Fragen des Betriebs, der Betreuung und der Sicherheit sind noch zu klären.

Aufgrund der hohen Kosten, die der Kanton für den Umbau des Schulhauses berechnet hat, müssten relativ viele Menschen bei einer hohen Laufzeit untergebracht werden, um die Rentabilität zu gewährleisten. Klar ist aber auch: Der Stadtrat hat ein grosses Interesse daran, das Gebäude zu vermieten, sei es nun zur Unterbringung von Asylsuchenden oder anderweitig.

Der Zeitplan ist dabei straff. «Es brennt unter den Nägeln», umschreibt es Weiss. Um aus dem Schulhaus eine Asylunterkunft zu machen, braucht es eine Baubewilligung mit entsprechenden Einsprachefristen.

«Es wäre sinnvoll, wenn wir nach den Sommerferien loslegen könnten», sagt Weiss. Nichts dagegen einzuwenden hätten wohl Tegerfelden, Möhlin, Schupfart und Wallbach. Mit diesen Gemeinden bildet Kaiserstuhl einen Verbund. Dieser Verbund müsste per 2016 10 neue Asylsuchende aufnehmen. Mit der Schule Blöleboden wäre dieses Soll mehr als erfüllt.

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Grafik: Elia Diehl

CartoDB: Wer 2016 wie viele zusätzliche Asylbewerber platzieren muss.