Niederweningen

Bahnhofsladen bekommt neuen Besitzer – und die Ticket-Verkaufsschalter verschwinden

Der Bahnhof Niederweningen ist eine wichtige Verkehrsachse in der Region.

Der Bahnhof Niederweningen ist eine wichtige Verkehrsachse in der Region.

Die Valora übernimmt das Ladenlokal von der Migrolino am Drehkreuz an der Grenze zum Zurzibiet. Damit verschwindet der Ticket-Verkaufsschalter am Bahnhof Niederweningen. Das sei nicht zum Vorteil der Kunden, befürchtet die Gemeindepräsidentin.

Der Bahnhof Niederweningen befindet sich an der Kantonsgrenze Aargau und Zürich am Ende des Surbtals und ist in der Region eine wichtige Verkehrsdrehscheibe. Die Endhaltestelle der Linie S 15 wird von hunderten Pendlern aus dem Zurzibiet, die täglich in Richtung Zürich reisen, benutzt. Die Buslinien aus Döttingen und Kaiserstuhl sorgen für den direkten Anschluss.

Den ÖV-Nutzern ist nicht entgangen, dass das Ladenlokal auf dem Areal, das bisher von Migrolino betrieben wurde, seit Ende Mai leer steht. Neue Besitzerin ist die Valora. Die führende Anbieterin im Bereich Foodvenience übernimmt die Räumlichkeiten offiziell am 1. Juli. Ab dann beginnen die Umbauarbeiten. «Die Wiedereröffnung ist gegen Ende des Sommers geplant», sagt Valora-Sprecherin Christina Wahlstrand-Hartmann.

Unmut in der Bevölkerung

Kunden, die ab diesem Zeitpunkt nicht bereits im Besitz eines Billetts sind, können ihre Tickets künftig nicht mehr an der Kasse kaufen, sondern müssen die Fahrkarte am Automaten lösen. 

Bei der Gemeinde Niederweningen kommt der Wegfall dieser Dienstleistung nicht gut an. Der Gemeinderat hat sich stets für eine kundenfreundliche Lösung eingesetzt. «Wir bedauern, dass es Billette nicht mehr am Schalter zu kaufen gibt», sagt Gemeindepräsidentin Andrea Weber. Man erachte den Bahnschalter für Kunden mit wenig Bahnerfahrung als wichtigen Kontakt und als Motivator, um vermehrt den öffentlichen Verkehr zu benutzen. Weber hat, seit bekannt wurde, dass Valora das Angebot nicht weiterführen würde, viele Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten, die ihren Unmut darüber geäussert haben.

Die Zahlen zeigen indes ein anderes Bild: Die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Laut SBB ist der Anteil der Drittverkaufsstellen am Gesamtumsatz der SBB auf unter 0,4 Prozent gesunken, heisst es. «Die Frage ist jedoch, wie Service public definiert wird», so Weber.

Um den Kauf am Automaten zu vereinfachen, bieten die SBB eine Gratis-Helpline (0800/11'44'77) an, die rund um die Uhr in verschiedenen Sprachen Unterstützung leistet. Mitarbeitende im Contact-Center helfen zudem direkt per Telefon. Eine weitere Option ist der SBB Rail-Service (0848/44'66'88) für Auskünfte und Buchungen. Bestellte Billette werden ohne Versandkosten zugestellt.

Valora betreibt über 250 Verkaufsflächen der SBB

Der Vertrag für das Angebot von SBB-Leistungen in den Verkaufsstellen läuft per Ende Jahr aus. Gemäss Valora lohnt es sich daher nicht, für die verbleibenden Monate nach der Eröffnung die dafür nötige Infrastruktur einzubauen. Christina Wahlstrand-Hartmann hält ausserdem fest, dass es keinen Sinn mache, Personal im Verkauf der Tickets für diese kurze Zeit noch zu schulen und die Infrastruktur auf den 1.Januar für den Ticketverkauf wieder auszubauen.

Valora hat im vergangenen Jahr die Ausschreibung für die Bewirtschaftung der 262 Kioske und Convenience-Flächen der SBB gewonnen. Im Standort Niederwenigen plant das Unternehmen, acht Mitarbeitende in verschiedenen Pensen zu beschäftigen. «Die Leute befürchten, dass nebst dem reduzierten Service public auch die Angebotsbreite im Vergleich zur Vorgängerin Migrolino leiden wird», sagt Andrea Weber.

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Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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