An der Gemeindeversammlung musste sich der Gemeinderat am Mittwoch von seinen Bürgern einiges anhören lassen. Weit über 100 Stimmbürger des 800 Dorfs am Rhein waren erschienen. Grund für den Grossaufmarsch waren nicht der Kreditantrag für das Abwasserpumpwerk oder die Löhne des Gemeinderats, die unverändert bleiben, sondern der letzte Punkt der Traktandenliste, Verschiedenes.

Wegen des Entscheids des Gemeinderates, die Öffnungszeiten des Freibads zu kürzen, liefen die Leute Sturm. Hintergrund der Massnahme: Kosten zu senken und damit das Betriebsdefizit der Anlage zu verringern. Im letzten Jahr resultierte ein Minus von 68'000 Franken.

Zu diesem Zweck sollte das Bad nach den Sommerferien am Abend eine Stunde früher geschlossen werden und am Nachmittag erst um 14.30 statt um 13.30 (ausgenommen Mittwoch und Freitag) seine Tore öffnen. Die Interessengemeinschaft Badi Full (igbf) liess sich das nicht gefallen und ging in die Offensive.

Sie reichte zuhanden der Gemeindeversammlung eine Initiative ein, den Entschluss rückgängig zu machen. Innert zwei Tagen unterzeichneten 188 Stimmberechtigte den Vorstoss. Der Gemeinderat ging auf die Initiative nicht ein, weil er inhaltlich offenbar Mängel aufwies. Daraufhin zog die igbf die Beschwerde an den Regierungsrat weiter.

Beschwerde zurückgezogen

An der Gemeindeversammlung gingen nun die Wogen hoch. Der Gemeinderat stellte sich auf den Standpunkt, die Betriebszeiten in eigener Kompetenz festlegen zu können. igbf-Präsident Oliver Erdin brachte für dieses Verhalten kein Verständnis auf. Er warf den Behörden vor, über die Köpfe der Menschen in Full-Reuenthal hinweg zu entscheiden. Am Ende raufte man sich zusammen und fand einen Konsens. Man einigte sich darauf, die Öffnungszeiten wie bisher beizubehalten, unter der Bedingung, dass die igbf ihre Beschwerde an den Regierungrat zurückzieht. Dies ist inzwischen, laut Oliver Erdin, erfolgt.