«Kauft die Gemeinde Böttstein jetzt das Schloss?» An der kantonalen Versammlung der Gemeindeammänner am Dienstag wurde Böttsteins Patrick Gosteli immer wieder diese Frage gestellt. Hintergrund: Am 9. März wurde bekannt, dass Axpo den Verkauf von Schloss Böttstein mitsamt dem dazugehörigen Land plant. Der Energiekonzern hatte das Schloss, in dem sich seit 1974 ein Hotel- und Restaurationsbetrieb befindet, 1964 erworben. Gostelis Antwort auf die Frage seiner Amtskollegen: «Dazu müssten wir zuerst den Preis kennen. Aber wir sind nicht auf Rosen gebettet. Die Investition und der Unterhalt sind unrealistisch.»

Die Gemeinde bedauert

Überrascht vom Vorhaben der Axpo wurde auch Böttsteins Ammann. Einen Tag vor der offiziellen Mitteilung habe er davon erfahren, damit gerechnet hat er nicht. «Aus Sicht der Gemeinde ist dieser Entscheid bedauerlich», sagt Gosteli. «Axpo als Besitzerin und Unterhalterin des Schlosses war für die Gemeinde die ideale Lösung. Das öffentlich zugängliche Schloss ist weit über die Region hinaus bekannt und ein repräsentatives Objekt. Ein Standortmarketing, das die Gemeindefinanzen nicht belastet.»

Weniger überrascht von der Entwicklung zeigt sich Direktor und Pächter Thomas Bischofberger. Er habe schon länger gewusst, dass sich etwas tut. «Mir war vor allem wichtig, dass ich die Mitarbeiter informieren konnte, bevor sie es aus den Medien erfahren. Das hat geklappt», sagt er. Bischofberger arbeitet seit 12 Jahren auf dem Schloss, zuerst als Angestellter, seit 2013 ist er der Pächter.

Sein Vertrag mit Axpo hat eine halbjährige Kündigungsfrist und ist auf Mitte und Ende Jahr kündbar. «Das heisst», so Bischofberger, «dass der Hotel- und Restaurationsbetrieb sicher bis Ende Jahr aufrechterhalten wird.» Was ein neuer Besitzer mit dem Schloss vorhat, steht allerdings in den Sternen. Somit ist frühestens ab 2017 auch die Zukunft von Bischofberger und seinem Team offen.

«Bisher ist noch kein Interessent im Rolls-Royce vorgefahren», sagt Bischofberger. Allerdings habe sich ein Architekturbüro aus Zürich bei ihm gemeldet, das er dann an die Axpo verwiesen habe. Bischofberger hätte nichts dagegen einzuwenden, wenn die bestehende Lösung auch unter dem neuen Besitzer Fortbestand hätte. «Aber wenn ein Formel-1-Star das Schloss kauft, sieht es natürlich schlecht aus für uns.» Doch vorläufig laufe alles wie gehabt: Hochzeiten finden statt, Bankette, Feste, Seminare und Versammlungen werden abgehalten. Auch das Personal sei motiviert. «‹Jetzt erst recht›, sagen sich viele der zwölf Festangestellten und sechs Lernenden», betont Bischofberger. Planen könne er die Zukunft ohnehin erst, wenn bekannt ist, wer ab wann das Schloss besitzt.

Verkaufspreis unbekannt

Auch Patrick Gosteli hofft, dass ein neuer Käufer den Betrieb im bisherigen Rahmen weiterführen würde. Grundsätzlich kann die Gemeinde aber keinen Einfluss nehmen. Klar dagegen ist: Das Schloss wird wie geplant Hauptaustragungsort für das Jubiläum «200 Jahre Gemeinde Böttstein» vom 25. bis 28. August sein.

Der Verkaufsprozess steht noch ganz am Anfang, die Verkaufsunterlagen werden erstellt und liegen im Frühsommer 2016 vor, schreibt Axpo. Zum Verkaufspreis wollte sie sich nicht äussern. Die Marktpreiseinschätzung erfolge im Rahmen der Erstellung der Verkaufsunterlagen. Bischofberger zeigt sich erstaunt, dass die Axpo den Verkaufspreis offenbar noch nicht benennen kann. «Vielleicht ist das Ganze für mich auch ein Wink mit dem Zaunpfahl, die Komfortzone hier zu verlassen», sagt der Pächter.