Holzheizkraftwerk

Axpo versenkt 100-Millionen-Projekt in Würenlingen

Verzichtet auf Holzheizkraftwerk: Der Stromkonzern Axpo (Archiv)

Verzichtet auf Holzheizkraftwerk: Der Stromkonzern Axpo (Archiv)

Die Pläne für ein Holzheizkraftwerk in Würenlingen sind definitiv begraben. Der Energiekonzern Axpo verzichtet auf den Bau, weil der Widerstand gegen das 100 Millionen Franken teure Projekt in der Bevölkerung zu gross war.

«Das Projekt wird nicht weiter verfolgt, weil der Widerstand in der Bevölkerung zu gross ist», heisst es seit gestern bei der Axpo, welche ihren Energiepark im unteren Aaretal auf weitere erneuerbare Quellen ausdehnen wollte. Trotz der grossen Opposition «haben wir während anderthalb Jahren versucht, in gutem Einvernehmen mit der Gemeinde eine gemeinsame Basis zu erreichen», sagt Axpo-Sprecherin Daniela Biedermann. «Aber wir kamen nicht weiter, trotz guter Gespräche mit dem neuen Gemeinderat konnten wir keine Lösung finden», bedauert Biedermann. Die Axpo hatte diesen Standort nicht zufällig ausgewählt. «Wir haben 27 Standorte in der Region untersucht und den besten ausgewählt», sagte Manfred Thumann, CEO der Axpo AG, schon bei der Präsentation.

15 bis 20 Lastwagen pro Tag

Das gigantische Holzheizwerk der Axpo AG im Granella-Areal neben dem PSI-Kreisel stand von Beginn an unter einem schlechten Stern: Kurz nach der Information für die Bevölkerung zog der Stromkonzern schon die Bauvisiere in die Höhe. Das roch einerseits nach einer langen Vorbereitung hinter verschlossenen Türen, gemeinsam mit den Behörden der Gemeinde und des Kantons.

Anderseits erschreckte die Grösse des Projektes viele Einwohner: 100 Millionen Franken Baukosten, 100 000 Tonnen Holz oder 500 000 Tonnen Holzschnitzel sollte der riesige Ofen jährlich schlucken. Mit 52 Megawatt Leistung wäre das Wärmekraftwerk zum grössten Holzheizofen der Schweiz geworden. Das viele Holz hätte aus dem halben Land auf der Strasse angeliefert werden müssen, mit 15 bis 20 zusätzlichen Lastwagen täglich auf den schon heute sehr stark belasteten Verkehrsachsen.

Grosse Freude bei den Gegnern

«Hoch erfreut über den Rückzug» ist Lino Burkard in Würenlingen, der die Opposition gegen das Holzheizwerk massgebend mitgeprägt hat. Auf die Sammlung von 1200 Unterschriften im Dorf ist er noch immer stolz, denn das entspreche der Hälfte der stimmberechtigten Bevölkerung. Dabei müsse man beachten, dass viele als Axpo-Angestellte sich nicht getraut hätten, gegen ihren Arbeitgeber anzutreten.

Für Burkard ging es nicht um die Sauberkeit des Holzofens. «Aber wir haben in Würenlingen derart viele Anlagen der Strombranche, die Sinn machen, dass nicht auch noch ein riesiges Holzheizwerk hierher gehöre. Auf Würenlinger Gebiet befindet sich das Zwischenlager, in der Nähe das AKW Beznau.
Direkt neben Fernwärme-Netz

Der Standort wäre ideal gewesen, weil er direkt neben der Fernwärmeleitung des Netzes Refuna liegt. Damit hätte das Holzkraftwerk bis zu 140 Millionen Kilowattstunden Wärme jährlich einspeisen können. Im Südast von Refuna ist die Kapazitätsgrenze seit einiger Zeit erreicht. Der zusätzlich erzeugte Strom von 90 Millionen kWh hätte für 20 000 Haushalte genügt.

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