«Die Zukunft war früher auch besser.» Diesen tiefsinnigen Satz des Münchner Komikers, Volkssängers und Autors Karl Valentin (1882–1948) setzte Heinz Karrer, CEO der Axpo Holding, an den Anfang und an den Schluss seines Referats zum Thema «Herausforderungen der Energiewende».

Die SVP des Bezirks Zurzach hatte den Axpo-Chef und Präsidenten des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse eingeladen in der Absicht, mehr über die Auswirkungen der neuen Energiestrategie auf die AKW-Region unteres Aaretal zu erfahren. Bezogen auf die Arbeitsplätze sagte Karrer lediglich, eine Laufzeitbeschränkung sei nicht nur für das Werk schädlich, sondern auch für die Mitarbeitenden: «Wer lässt sich schon anstellen, wenn er damit rechnen muss, dass sein Arbeitgeber in wenigen Jahren schliesst.»

Gefährdet seien mit einer befristeten Laufzeit aber auch die Versorgungssicherheit und die Bereitschaft der Betreiber, über das Notwendigste hinausgehende Investitionen zu tätigen. Karrer versicherte den SVP-Mitgliedern, sein Konzern nehme die Sicherheit sehr ernst und werde daran auch nichts ändern.

In seiner Tour d’Horizon durch die Aktivitäten der Axpo und die Schweizer Energiepolitik sagte Karrer, eine Abschaltung von Atomkraftwerken hätte grosse Auswirkungen auf den Strompreis und würde der Spekulation Tür und Tor öffnen. Bezogen auf die Energiestrategie 2050 sagte der Axpo-CEO, er kenne keinen auf 50 Jahre angelegten Plan – «und ich kenne auch keinen Plan mit einer derart langen Laufzeit, der am Schluss aufgegangen wäre».

Bundesrat und Parlament hatten 2011 einen Grundsatzentscheid für einen schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie gefällt. Die fünf Schweizer Atomkraftwerke Beznau I und II, Leibstadt, Gösgen und Mühleberg sollen am Ende ihrer sicherheitstechnischen Betriebsdauer stillgelegt und nicht durch neue Kraftwerke ersetzt werden.

Plädoyer für die Atomenergie

In seiner Begrüssungsrede äusserte sich auch Bezirksparteipräsident Werner Laube (Lengnau) dezidiert zur Energiewende. Bis vor drei Jahren habe er nicht gewusst, was ein Tsunami sei und wo Fukushima liege. Seit der Reaktorkatastrophe sei alles ganz anders: «Plötzlich interessieren sich alle für das Thema ‹Energie›, und plötzlich verfügt die Schweiz über Tausende von Energieexperten. Auch in Bern wird das Thema intensiv behandelt. Wir müssen aufpassen, dass wir in Sachen Energieversorgung nicht in ein Chaos hineinlaufen.»

Es könne nicht sein, so Laube, dass etwas, das über Jahrzehnte gewachsen sei, wegen eines Unglücks aufs Abstellgleis gestellt werde. Gegen eine Energiewende sei grundsätzlich nichts einzuwenden, sagte Laube. «Für mich müssen aber drei Faktoren erfüllt sein, um einem Umstieg zustimmen zu können: Das Neue muss besser sein als das Alte, es muss funktionieren und es muss bezahlbar sein.»

«Eine wahre Hauruckübung»

Auch Nationalrat Hansjörg Knecht aus Leibstadt äusserte sich am Jahresauftakt seiner Bezirkspartei wenig schmeichelhaft über die vom Bundesrat verordnete Energiewende: «In einer wahren Hauruckübung beschloss er – mit dem Segen einer Mehrheit des Parlaments – aus der Kernenergieproduktion auszusteigen. Die SVP hat bei diesem Schnellschuss nicht mitgemacht. Wir wollen keinen überhasteten Ausstieg, sondern eine wohlüberlegte, langfristige Strategie, die eine langfristige Versorgungssicherheit garantiert und nicht auf dem Prinzip ‹Hoffnung› beruht.»