Vor dem Grenzübergang Koblenz kommt es wegen deutschen Grenzgängern und Schweizer Einkaufstouristen regelmässig zu kilometerlangen Staus. Die Autos und Lastwagen schlängeln sich dann auf der Kantonsstrasse aneinenander bis zum Nachbarort Klingnau.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Töff-Fahrer den Vorteil seines schmalen Fahrzeuges nutzt, um sich an der stehenden Kolonne vorbeizudrängen. Und dass sich Autofahrer im Stau dazu entscheiden, aus der Schlange auszuscheren. Um zurückzufahren oder einen anderen Weg über die Grenze zu suchen. 

Doch diese Manöver sind nicht ungefährlich, wie sich letzten Freitag gezeigt hat: Zwischen Klingnau und Koblenz kam es zu einem Zusammenstoss. Ein Motorradfahrer überholte die stehenden Fahrzeuge und kollidierte mit einem Auto, das aus der Kolonne ausscherte, um zu wenden. Der Töff-Fahrer wurde schwer verletzt. Ein Rettungshelikopter flog ihn ins Spital. 

Doch wer war verantwortlich für den Unfall? Dürfen Töff-Fahrer die Kolonne rechts liegen lassen? Dürfen die Autofahrer im Stau auf der Kantonsstrasse wenden?

«Bei diesem Unfall trifft den Motorradfahrer eine Mitschuld», sagt Barbara Breitschmid, Mediensprecherin der Kantonspolizei, auf Anfrage der AZ. 

Auch bei Stau hätte er, wie es das Strassenverkehrsgesetz vorschreibt, seinen Platz in der Kolonne beibehalten müssen. So steht in Artikel 47: «Wenn der Verkehr angehalten wird, haben die Motorradfahrer ihren Platz in der Fahrzeugkolonne beizubehalten.» Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Busse rechnen. 

Koblenzerstrasse in Klingnau: Hier kam es zum Unfall

Inwieweit der Autofahrer Mitschuld an dem Verkehrsunfall trägt, prüft die Staatsanwaltschaft.  «Die genauen Umstände müssen dabei erst noch ermittelt werden», hält Sprecherin Elisabeth Strebel fest. Erst dann könne festgestellt werden, welches Verkehrsdelikt genau im Vordergrund steht. 

Aus diesem Grund lasse sich schlecht sagen, mit welchen Konsequenzen Töff- und Autofahrer in ähnlichen Situationen wie beim Unfall zwischen Klingnau und Koblenz rechnen müssen. «Das kommt immer auf die Gefährdungslage an», sagt auch Rechtsanwalt Martin Leiser. Wer mit seinem Motorrad eine Fahrzeugkolonne auf der Autobahn überholt, muss mit einer Verurteilung wegen grober Verkehrsregelverletzung rechnen, weiss der Anwalt. Dem Töff-Fahrer droht dann nicht nur eine Busse. Leiser: «Er muss dann auch mit einem Fahrausweisentzug von mindestens drei Monaten rechnen.»

Aktuelle Polizeibilder vom April 2018: