Bad Zurzach

Aus «Drüdieter» wurde «Eindieter»: An dieser Stubete war Improvisation gefragt

Das ad hoc zusammengewürfelte Ensemble unterhielt die Gäste im Gasthaus Waag in Bad Zurzach bestens.

Das ad hoc zusammengewürfelte Ensemble unterhielt die Gäste im Gasthaus Waag in Bad Zurzach bestens.

An der Stubete des Vereins «MundArt» in Bad Zurzach musste der Veranstalter kräftig improvisieren.

Trotz plötzlicher Erkrankung eines Musikers klappte alles wie am Schnürchen, weil Jürg Steigmeier, Erzähler und Initiant von «MundArt», in letzter Minute noch zwei passende Sängerinnen engagieren konnte. So folgte nach dem währschaften Nachtessen ein beschwingtes und leicht verdauliches Programm von Geschichten und Melodien, die sich wie von selbst ergänzten.

Während Ralph Möller, Vorstandsmitglied beim Verein, mit seinem Team in der Küche das «Chürbissüppli», «Ghackets mit Hörnli» und den «Schoggi-Marroni-Chueche mit Zwätschgekompott» vorbereitete, besprach sich das neu zusammengewürfelte Künstlerteam in der alten Gaststube, wie sie ihr Ad-hoc-Programm gestalten möchten. Denn vom Trio «Drüdieter» war krankheitshalber der eine Dieter ausgefallen und auch der zweite Dieter konzertmässig ausser Gefecht. So stand Dide Marfurt mit Erzähler Martin Niedermann allein da. Allerdings nicht lange, denn flugs hatte Jürg Steigmeier – seit rund 30 Jahren Kindergärtner in Bad Zurzach, und fast ebenso lange als Erzähler weitherum bekannt – Christine Lauterburg und Barbara Berger engagiert.

Kunst ist einfach erstaunlich

Nachdem die letzte Besucherin ihren zusätzlich aufgetriebenen Stuhl an einen runden Tisch gerückt hatte, begann die Jodlerin, Wandersängerin und Landstreicher -Musikantin Christine Lauterburg zu trällern, das Publikum wurde ruhig und Martin Niedermann konnte seine schauerliche Geschichte vom Giger Hans erzählen. Später berichtete er vom «Toggeli» das sich in der Nacht in die Schlafkammer schleicht und so fest auf die Brust des armen Mannes drückt, dass dieser fast ersticken muss.

Doch wie im Märchen liegt eines Abends plötzlich eine schöne, junge Frau mit langem Haar, splitternackt in seinem Bett, wird erst zu seiner Magd und dann zu seiner Frau. Kurz nach der 7. Geburt entschwindet sie jedoch durch das gleiche Astloch im Täfer, aus dem sich seinerzeit das böse «Toggeli» eingeschlichen hatte. Wie gut, dass die Musikgruppe nun jauchzte und jodelte, fiedelte und tanzte.

Dide Marfurt überraschte mit seiner Laute oder der 500 Jahre alten Drehleier. Barbara Berger entlockt einem hölzernen Buch – das sich als eine Art Mini-Harmonium entpuppte – durch Drücken kleinster Orgelregister die schönsten Töne und bezeichnet das kleine Wunderwerk schliesslich als «shruti- box» aus Indien.

Seit über 10 Jahren das Kulturgut weitergeben

Dide Marfurt steckte sich eine winzige Trommel in den Mund, eine sogenannte Maultrommel oder «Trümpi». Dann regte Christine Lauterburg zum Appenzeller Naturjodel, dem «Zäuerle», an; und je nach Handzeichen von Barbara übte sich das Publikum mit tiefem oder hohem Grundton im «Gradhebe».

Martin Niedermann erzählte abschliessend von Hans und seinem Bethli, die am Ende der Welt, in Stechelberg, wohnen und sich mit drei ver­zwickten Wünschen plagen. ­Keine ­Wünsche offen liess die perfekt improvisierte Mischung von ­Erzählung und Volksmusik beim begeisterten Stubete- Publikum.

Der Verein «MundArt» widmet sich seit 2008 der erstaunlichen Einfachheit dieser «Erzähl- und Volxs­musik-Kunst». Initiant war Jürg Steigmeier: «Ich wollte damals in Bad Zurzach ein Erzählfestival durchführen. Daraus ist der Verein «MundArt» entstanden, und seither führen wir regelmässig Mu­sik- oder Erzählevents durch.» Nach der GV von «MundArt» am 27. März im nächsten Jahr werden Patty Basler und ­Philippe Kuhn mit ihrem ­Programm «Nachsitzen» auftreten.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1