Was ist das für ein Mann, der auf seinen Laptops Hunderte von kinderpornografischen Bildern und Filmen herunterlädt und sich in Chats aktiv nach solchen erkundigt? Geschehen war das 2012 und 2013; auf die Schliche gekommen war man dem Mann im Rahmen einer internationalen Aktion des Europäischen Polizeiamts Europol, was der Grund dafür ist, dass die Staatsanwaltschaft erst vor wenigen Monaten Anklage gegen ihn erhoben hat. Dieser Tage stand er in Bad Zurzach vor Einzelrichter Cyrill Kramer.

Jan (Name geändert) ist ein stattlicher Mann, 45-jährig, Glatze mit grauem, kurz geschnittenen Haarkranz, dunkelblauer Anzug, mittelblaues Hemd, helle Adidas-Turnschuhe. Seit zwei Jahren ist Jan in einer festen Beziehung mit einer drei Jahre älteren Frau aus dem Fernen Osten.

Vor sieben Jahren hatte Jan erfahren, dass er in Südamerika eine heute neunjährige Tochter hat. Der Vaterschaftstest war positiv. Jans Alimenten-Schulden belaufen sich inzwischen auf 130 000 Franken. Dazu gesellen sich 9000 Franken Steuerschulden. Als Verkäufer in einer Luxusbranche verdient Jan – wenn das Geschäft rund läuft – monatlich 5800 Franken.

Bereits vorbelastet

195 kinderpornografische Bilder, 152 solche Filme sowie zwei tierpornografische Filme waren im September 2016 bei einer Hausdurchsuchung in Jans Wohnung sichergestellt worden. Der Beschuldigte hatte so lange alles abgestritten, bis ihm die Beweise schwarz auf weiss vorgelegt wurden.

Vor Gericht stellte Jan pädophile Neigungen in Abrede: Er sei zu jener Zeit in einer sehr labilen Verfassung gewesen und habe «eine ganz falsche Kollegschaft» gehabt. «Mit diesem Umfeld habe ich längst völlig gebrochen», versichert er Einzelrichter Cyrill Kramer. Seine Partnerin wisse nichts von der Anklage und der Verhandlung.

Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von 120 Tagen unbedingt, denn Jans Weste war, schon bevor die Bilder und Filme sichergestellt worden waren, nicht blütenrein. Wegen sexueller Handlungen mit einem Kind hatte er bereits 2013 in Zurzach vor Gericht gesessen, war dannzumal nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» freigesprochen worden.

2014 aber hatte das Obergericht Jan schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Gefängnis bedingt verurteilt. Anders als bei Bezirksgericht hatte das Opfer der zweiten Instanz sein Tagebuch vorgelegt gehabt.

Hemmungslos geweint

Somit war juristisch nunmehr ein Zusatzurteil zu fällen. Da Strafen nur bis zwei Jahre bedingt erlassen werden können, kam jetzt grundsätzlich nur eine unbedingte Strafe infrage. Jans Verteidiger setzte in seinem Plädoyer alles daran, dennoch eine bedingte Strafe zu erwirken. «Selbst Jugendliche können pornografische Bilder und Fotos aus dem Handy problemlos herunterladen. Die Pornografie-Flut ist heute fast nicht mehr abzuwehren.»

Der Verteidiger räumte zwar unumwunden ein, dass das Tun seines Mandanten «übel, verwerflich, abstossend» gewesen sei, aber Jan habe Einsicht bewiesen und sich grundlegend gewandelt. Zudem sei in den früheren Untersuchungen sowie in der damaligen Anklage Pornografie kein Thema gewesen, «und seit 2014 ist bei meinem Mandanten auch kein solches Material mehr gefunden worden».

Eine Geldstrafe von 4800 Franken, bedingt erlassen mit einer langen Probezeit von vier Jahren, so der Antrag des Verteidigers.

Als der Richter vor der Urteilsberatung Jan das letzte Wort erteilte, blieb dieser stumm und kämpfte mit Tränen. Draussen, vor dem Gerichtssaal, weinte der stattliche Mann dann hemmungslos. Als Cyrill Kramer nach einer Viertelstunde das Urteil – schuldig und eine unbedingte Freiheitsstrafe von 90 Tagen – verkündete, war Jan hingegen ruhig und wirkte gefasst.