Lengnau

Auf hoher See: Für eine junge Aargauerin beginnt Social Distancing erst nächste Woche

Silja Uhland (M.) beim Unterricht auf der «Pelican of London».

Silja Uhland (M.) beim Unterricht auf der «Pelican of London».

Am Sonntag endet für eine 17-jährige Lengnauerin ihr Schulprojekt auf einem Segelschiff. Noch ist offen, wie sie zurück in die Schweiz kommt.

Dass sich die Welt in den vergangenen Wochen verändert hat, wird Silja Uhland erst allmählich bewusst. Im Unterschied zu den übrigen Schülerinnen und Schülern aus dem Aargau, erhält die 17-Jährige nach wie vor Unterricht ohne Social Distancing. Sie ist Teil eines sechsmonatigen Schulprojekts mit dem Namen «Ocean College». Nebst den täglichen Lektionen sind die rund 30 Jugendlichen in die Schiffsführung mit eingebunden. Das Ziel des Konzepts besteht darin, dass die Schüler nach der Reise in ihre Klassen zurückkehren können. Im Fall von Silja Uhland ist das die Fachmittelschule in Wettingen.

«Es ist gerade ziemlich surreal», sagt Silja Uhland am Telefon. Sie ist die einzige Schweizerin an Bord des Segelschiffs Pelican of London. «Wir haben die ganze Entwicklung und Dimension der Coronakrise bisher nur am Rand mitbekommen. Wir befinden uns hier in einer eigenen Welt.»

Die letzte Etappe führte die Besatzung in den vergangenen drei Wochen über den Atlantik. Der Dreimaster nahm Kurs von den Bermudas aus Richtung Europa. Am Montag legte das Schiff im englischen Hafenort Portland an. An Land gehen durften Silja und ihre Kollegen allerdings nicht. Die Crew erhielt wie zuvor schon auf den Azoren wegen der Coronapandemie keine Einreisegenehmigung. Die Stopps beschränken sich deshalb auf das Auffüllen der Vorräte.

«Trotz der angespannten Lage geht es allen gut», versichert der Leiter des segelnden Klassenzimmers, Johan Kegler. Die Bordärztin informiere die Jugendlichen regelmässig über die Gefahr. «Das Leben auf dem Schiff nimmt aber seinen gewohnten Gang.» Dennoch seien die Schüler froh, dass sie bald nach Hause können.

Auch Silja Uhland: «Es kommt bei uns nach der unglaublich tollen Zeit zwar bereits etwas Wehmut auf. Ich bin aber glücklich, wenn ich meine Familie endlich wieder sehen darf.» Gemischte Gefühle kommen in ihr auf, wenn sie daran denkt, dass vieles nicht mehr so sein wird, wie bevor sie die Schweiz verlassen hat. «Einfach Freunde zu treffen, ist nicht mehr möglich.» Dabei gäbe es so viel zu erzählen, was sie gelernt habe und welche Herausforderungen sie im letzten halben Jahr gemeistert hat.

Am Sonntag werden Silja und ihre Kollegen im deutschen Cuxhaven erwartet, ebenfalls ausserplanmässig. Als Zielhafen war Bordeaux in Frankreich vorgesehen, doch auch dort untersagten die Behörden die Einreise.

Eltern warten auf grünes Licht für Einreise

Auf Silja, ihre Familie und die Schulorganisation wartet in Cuxhaven allerdings noch eine weitere Herausforderung: Noch ist unklar, auf welchem Weg die Aargauerin zurück in die Schweiz kommt. Mutter Patrizia Oswald hofft, dass sie ihre Tochter in Deutschland abholen darf. Was aufgrund der Grenzschliessungen einiges Verhandlungsgeschick benötigt. «Wir versuchen mit der Bundespolizei eine Lösung zu finden, dass ihre Mutter nach Deutschland einreisen darf. Ein triftiger Grund liegt hier ja allemal vor», sagt Johan Kegler.

Auch Patrizia Oswald besitzt momentan noch keine genaueren Informationen. «Es wäre aber schwer verständlich, wenn Silja zwölf Stunden mit dem Zug in die Schweiz reisen müsste». Die Gefahr einer Ansteckung wäre nicht zu verantworten. Daher hofft Oswald auf ein positives Signal, damit zumindest ein Elternteil die Tochter abholen darf und Silja in die Arme schliessen darf.

Autor

Daniel Weissenbrunner

Daniel Weissenbrunner

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