Billaterale Beziehungen

Auch Gutes kann noch verbessert werden

Eine Region, zwei Länder, viele Kontakte: Die Grenzregion Koblenz-Full-Waldshut. AZ-ARCHIV

Eine Region, zwei Länder, viele Kontakte: Die Grenzregion Koblenz-Full-Waldshut. AZ-ARCHIV

Deutschland ist ein wichtiger Partner. Deshalb will die Region die Grenzüberschreitende Beziehungen mit Südbaden fördern und ausbauen.

Am Hochrhein gilt es, künftig noch effizienter die unbestrittene Vielfalt und die Stärke der Region zu nutzen. Aufgerufen sind alle: von der Politik und Verwaltung bis hin zu Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Zumindest auf den aargauisch-baden-württembergischen Grenzraum bezogen, war die Hochrheinregion bis vor knapp 200 Jahren eine kulturelle, sprachliche und politische Einheit.

Seit der Rhein die Staatsgrenze bildet, haben die deutsche und die Schweizer Seite wohl eigenständige Entwicklungen durchlaufen; immer aber bestanden vielfältige grenzüberschreitende Verflechtungen. Die ersten Initiativen für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gingen von den Regionalplanungsverbänden Fricktal, Zurzibiet und Bodensee aus. Mit der Gründung der Hochrheinkommission im September 1997 wurde die Empfehlung umgesetzt, ein permanentes Gremium für grenzüberschreitende Zusammenarbeit am Hochrhein zu bilden.

Kontakte hoch einschätzen

Gerry Thönen (Laufenburg), Geschäftsführer des Planungsverbandes Fricktal Regio, zählt im Gespräch mit der az Aargauer Zeitung eine ganze Reihe von Beispielen für «gute grenzübergreifende Projekte» auf, so das Grenzverkehrskonzept, die erfolgreiche Einsetzung des Bildungsrates, das gemeinsame Vorgehen beim Thema Bypass der Bahnen, Tourismusprojekte, Aktionen im Zusammenhang mit den bilateralen Abkommen oder auch kommunale Projekte wie die Stadtentwicklungen in Laufenburg und Rheinfelden.

Thönen bezeichnet die institutionalisierten Projekte im Raum Aargau-Südbaden als «durchaus bemerkenswert», denn: «Wenn man in Richtung Zürich schaut, kann man die Kontakte in unserer Region nicht hoch genug einschätzen.» Als derzeit wichtigstes Sachthema für die Hochrheinregion sieht Thönen die Elektrifizierung der Bahnstrecke von Basel bis an den Bodensee: «Als Diesel-Insel kommt die deutsche Seite der Hochrheinregion öV-mässig nicht vom Fleck», sagt Thönen.

Abstimmung von Siedlung und Verkehr

Ein weiteres wichtiges Thema sei die Abstimmung von Siedlung und Verkehr, die man künftig «unbedingt nicht nur unilateral, sondern ebenfalls grenzüberschreitend» anschauen sollte. «Die Kommission betrachtet die Elektrifizierung der Bahnstrecke als ein 2011 prioritär zu behandelndes Thema; weiter die Vertiefung und den Ausbau der Massnahmen im Bildungsbereich sowie eine Wiederauflage des Begegnungsprogramms mit der Zielsetzung der Förderung von direkten Kontakten zwischen Deutschen und Schweizern in verschiedenen Bereichen.»

Gemeinsam zum Erfolg

Für Mirko Bastian, seit 1. Oktober 2010 neuer Geschäftsführer der Hochrheinkommission mit Sitz in Waldshut-Tiengen, ist klar: «Gerade am Hochrhein, zwischen den beiden Agglomerationen Basel und Zürich, gilt es, die unbestrittene Stärke und die Vielfalt der Region zu nutzen. Nur gemeinsam können wir uns als Region sowohl politisch-administrativ als auch wirtschaftlich, touristisch und infrastrukturell behaupten.» Wenn man über den Rhein hinweg eine gemeinsame Idee entwickeln und die Vision teilen wolle, wie die Region am Hochrhein in Zukunft ausgestaltet sein sollte, müsse aktiv daran gearbeitet werden: «Und genau hier sehe ich die Rolle und die Funktion der Hochrheinkommission.»

«Alle müssen sich anstrengen»

Bastian sieht die Hochrheinkommission nicht nur als Motor des grenzüberschreitenden Netzwerkes oder als Vermittler zwischen den Interessen, sondern auch als Spürnase für relevante Themen und als Dienstleister für alle Bürgerinnen und Bürger beidseits des Rheins. Gegenüber der az Aargauer Zeitung hält er aber auch ganz klar fest: «Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist kein Selbstläufer; im Interesse der Hochrheinregion müssen sich alle Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft anstrengen und engagieren, so wie es bisher in verschiedensten Bereichen auch schon gut funktioniert.» Insofern gelte: «Auch am Hochrhein kann Gutes noch besser werden.»

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