Rümikon

Auch «Böötle» will gelernt sein: Markus Joho ist seit bald 30 Jahren Bootsfahrlehrer

Markus Joho auf dem Schulschiff in Kaiserstuhl.

Markus Joho auf dem Schulschiff in Kaiserstuhl.

Markus Joho aus Rümikon schulte vor knapp drei Jahrzehnten zum Bootsfahrlehrer um. Nun kann man bei ihm auf Rhein und Limmat das nötige Rüstzeug erwerben.

Auf dem Motorboot den Rhein hinauftuckern, vorbei an den zahllosen Grünschattierungen der Uferböschungen, einen von Bibern gefällten Baum erspähen – was für ein wohltuendes Erlebnis. Allerdings darf ein regelmässiger Blick auf den Tacho nicht fehlen, liegt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit flussaufwärts doch bei 10 km/h und flussabwärts bei 20 km/h.

Seit 27 Jahren führt Markus Joho in Kaiserstuhl und seit 17 Jahren auch in Neuenhof eine Bootsfahrschule: «So kann ich angehende ‹Kapitäne› wahlweise hier auf einem Fliessgewässer oder oberhalb vom Stauwehr auf einem ruhenden Gewässer ausbilden», hält Joho fest. 25 Jahre wohnte der heute 63-jährige mit seiner Familie in Kaiserstuhl, heute sind seine Frau und er wenige Kilometer rheinabwärts, in Rümikon heimisch.

Vom Baugewerbe umgeschult

Aufgewachsen in Bremgarten, haben ihn Flüsse, Seen und Meere schon immer fasziniert. 1993 hängte er seinen Beruf im Baugewerbe an den Nagel, um ins kalte Wasser zu springen: Er liess sich zum Bootsfahrlehrer ausbilden. «Die Berufsschule musste ich gemeinsam mit den angehenden Autofahrlehrern in Luzern besuchen.» Bereut hat er den Berufswechsel keinen Moment. Joho arbeitet alleine. Wenn sehr viel zu tun ist, springt zusätzlich einer seiner beiden Söhne ein. «Daniel hat, gänzlich unbeeinflusst von mir, Bootsbauer gelernt und nun eine eigene kleine Werft in Rümikon.» Die meisten der rund zehn Aargauer Bootsfahrlehrer seien am Hallwilersee ansässig. Markus Joho seinerseits erteilt vormittags jeweils Unterricht auf dem Rhein, nachmittags auf dem Stausee in Neuenhof – im Sommer oft bis 21 Uhr. «Eine praktische Ausbildung kostet durchschnittlich zwischen 1700 und 2000 Franken.

Die Theorie müssen sich Bootsfahrschülerinnen und -schüler heute selbst aneignen: «Inzwischen gibt es hierfür ausgezeichnete Literatur.» Technische Kenntnisse – «wie reagiert das Boot bei diesem und jenem Manöver?», «Was tun bei Maschinenausfall?» – müssen ebenso beherrscht werden, wie beispielsweise meteorologische. «Selbstverständlich darf die Navigation mit einer Seekarte nicht fehlen», schmunzelt der 63-Jährige. Am Ende der Ausbildung steht eine Prüfung durch die kantonale Schifffahrtskontrolle. Wenn alles okay ist, wird der Schiffführerausweis ausgestellt.»

Ferien im Aargau statt in Schottland

Grundsätzlich darf ein Bootsfahrlehrer das ganze Jahr unterrichten: «Sofern eine feste Kabine und Heizung vorhanden ist. Auf meinen beiden Schulbooten ist dies der Fall. Trotzdem hören wir jeweils Mitte Dezember auf und fangen dann im März wieder an. Heuer hat Corona auch uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ab 8. März war, wie für Autofahrlehrer, Schluss. Am 11. Mai konnten wir, natürlich mit Auflagen, dann starten und haben erwartungsgemäss einen Ansturm erlebt.»

Die Schülerzahlen insgesamt seien über all die Jahre hinweg relativ konstant. «Rund ein Viertel sind Frauen. 18 ist das Mindestalter, mein ältester Schüler war 82-jährig. Das Gros ist zwischen 30 und 50 Jahre alt. Viele haben ein eigenes Boot, manche planen Ferien auf einem Hausboot. Theoretisch wird dafür kein Ausweis verlangt, aber wer es ohne einen solchen wagt, hat meistens nicht den vollen Feriengenuss», erklärt Joho augenzwinkernd.

In ihren Ferien schippern Joho und seine Frau leidenschaftlich gerne übers Meer – auch mit Segelbooten. Als Mitglieder des Cruising Club der Schweiz ist er im Besitz des Hochseescheins. So kann er auf der ganzen Welt Schiffe skippern und chartern. «Ohne Corona wären meine Frau und ich in diesen Tagen mit dem Camper in Schottland und würden dort auch eine Woche auf dem Kaledonischen Kanal verbringen.»

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