Wohin mit dem Atommüll? Zwischen Mellikon und Rekingen könnte eine Oberflächenanlage als Zugang zu einem Tiefenlager gebaut werden, wie die Nagra und das Bundesamt für Energie mitteilten. Während sich viele andere Gemeinden deutlich gegen eine solche Anlage ausgesprochen haben –so zum Beispiel Rekingen –, will sich der Gemeinderat Mellikon vorläufig weder für noch gegen ein Oberflächenlager einsetzen.

«Der Gemeinderat hat beschlossen, vorerst eine neutrale Haltung einzunehmen», sagte Rolf Laube, Gemeindeammann von Mellikon, an der Podiumsdiskussion in der Mehrzweckhalle. «Wir haben bisher noch nicht mit der Bevölkerung geredet, und wir möchten nicht eine Haltung einnehmen, ohne deren Meinung zu kennen.»

Es sei alles sehr schnell gegangen. Vor einer Woche habe die Infoveranstaltung der Nagra stattgefunden. «Wir sind noch gar nicht dazu gekommen, die Meinungen der Leute abzuholen.» Es habe zwar Statements aus der Bevölkerung gegeben, aber nur vereinzelt. «Manche waren negativ, einige aber auch positiv.»»

«Sicherste Variante ausgeschlossen»

Es gebe viele Argumente, die gegen eine Oberflächenanlage sprechen würden. «Aber wir müssen uns jetzt schon mit der Situation auseinandersetzen, was ein Entscheid des Bundesrates pro Mellikon bedeuten würde. Es kann durchaus sein, dass die Sicherheit am Standort Lägern Nord am besten ist.

Die Veranstaltung wurde vom Verein «Loti – nördlich Lägern ohne Tiefenlager» organisiert. «Leider ist im Sachplanverfahren vorgesehen, den Standort der Oberflächenanlagen festzulegen, bevor klar ist, wo das Lager im Untergrund zu liegen kommt», sagte Astrid Andermatt, Co-Präsidentin von Loti. «Damit wird die sicherste Variante von vornherein ausgeschlossen.» Ihre Forderung: «Zuerst muss der sicherste Lagerstandort im Untergrund ausgewählt werden, erst danach der geeignetste Standort für die Oberflächenanlage.»

Kritische Podiumsteilnehmer

Während sich im Publikum auch Befürworter meldeten, äusserten sich die Podiumsteilnehmer kritisch zu der geplanten Anlage. Maria Scherrer, ehemalige Gemeinderätin von Mellikon sagte, sie sei gegen ein Tiefenlager, wo auch immer dieses hinkommen werde.

«Wir müssen aufhören, Atommüll zu produzieren.» Peter Andres von Bad Zurzach Tourismus erwähnte das Image der Region, das negativ beeinträchtigt werden könnte. «Jetzt muss die ganze Region zusammenstehen», forderte er. Felix Binder, Präsident des Planungsverbandes Zurzibiet, sagte: «Ich fürchte, es wird ein langwieriges Hin und Her geben, wie schon beim Fluglärm. Es geht darum, einen langen Schnauf zu haben. Jetzt müssen wir gute Argumente sammeln.»