Die Nachricht kam für die Nachbarn des Hotel-Restaurants Bahnhof in Felsenau unerwartet. Der Kanton hat die Traditions-Beiz für zehn Jahre gemietet und will ab Januar 50 Asylsuchenden darin eine Unterkunft bieten. Das Wirtepaar gibt den Betrieb auf und zieht weg.

In Containern auf dem Grundstück des Hotels sollen später bis zu 100 weitere Plätze für Asylsuchende geschaffen werden. Gemeinderat und Anwohner sind enttäuscht, dass sie vom Kanton und den bisherigen Besitzern vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.

Nun zeigt sich: Die Bevölkerung des 180-Seelen-Ortsteils Felsenau in der Gemeinde Leuggern ist in Sorge. Mit ihrem Namen hinstehen wollen die wenigsten. Eine Umfrage im Dorf zeigt aber folgende Bedenken:

Immobilienpreise: Ein älteres Paar aus der Nachbarschaft sorgt sich um den Wert seines Hauses. Ihre Pläne, wegzuziehen und das Haus zu verkaufen, sehen sie durch das geplante Asylheim in Gefahr. Sie befürchten, dass ihre Immobilie entwertet wird.

Hohe Anzahl pro Einwohner: Der Ortsteil Felsenau hat 180 Einwohner. Dass bis zu 150 Asylsuchende kommen werden, geht einigen Anwohnern zu weit. Felsenau gehört zur Gemeinde Leuggern. Sie hat gut 2000 Einwohner.

Szenenbildung am Bahnhof: Heidi Wanner, Gemeindeammann der Nachbarsgemeinde Koblenz, befürchtet, dass Asylsuchende sich am Bahnhof Koblenz aufhalten werden. Es ist der nächstgelegene Bahnhof.

Abwertung der Gegend: Ein Nachbar der Hotels sorgt sich um die Attraktivität des Dorfes: «Wir haben jetzt schon zu wenig Einwohner in Felsenau, Einfamilienhäuschen stehen leer und Bauland wird nicht genutzt. Mit dem Asylheim wird die Gegend noch unattraktiver.»

Fremdsprachige Schüler: SVP-Grossrat Hansjörg Erne, der in der Gegend wohnt, befürchtet, dass wegen des Asylheims künftig viele fremdsprachige Kinder eingeschult würden. «Wenn die Lehrer denen noch Deutsch beibringen müssen, haben sie keine Zeit mehr, den schwachen Schülern zu helfen.»

Erne kritisiert die Unterbringung von Asylsuchenden im Hotel Bahnhof grundsätzlich. Die befragten Anwohner sind offener. «Wenn 50 Asylsuchende kommen und es vor allem Familien sind, dann ist das in Ordnung», sagt eine Nachbarin. Ein anderer Anwohner sagt: «Ich sehe ein, dass ein Teil meiner Steuern eingesetzt wird, um diesen Leuten zu helfen. Die Behörden müssen nun aber schauen, dass die Situation auch für uns so bleibt, wie sie ist.»

Auch CVP-Urgestein Kurt Wyss, der in der Asyl-Frage als Hardliner gilt, zeigt sich offen für eine pragmatische Lösung: «Die Anwohner werden keine Freude haben, aber irgendwo müssen die Asylbewerber ja untergebracht werden», sagt er und verweist auf die hohen Asylzahlen. Dem Aargau wurden vom Bund im Monat November 414 Asylsuchende zugeteilt. Für SVP-Grossrat Erne stehen die Chancen schlecht, das Asyl-Hotel ganz zu verhindern. Sollte der Kanton aber auf dem Gelände Container für bis zu 100 weitere Asylsuchende aufstellen, werde es aber sicher Rekurse gegen das Baugesuch geben.

Sollte dies geschehen, können sie auf Unterstützung aus dem Nachbardorf zählen. In Koblenz verhinderte ein Protestkomitee 2013 das Asylzentrum im leerstehenden Hotel Verenahof. Mario Erdin, Sprecher und Gründer des Komitees, sagt: «Wir könnten Tipps geben, wie sich der Widerstand am besten organisieren lässt.» Um das Komitee ist es nach dem Entscheid gegen eine Asylunterkunft im Verenahof ruhig geworden. Doch Mario Erdin kündigt an: «Das Komitee liesse sich bei Bedarf wieder reaktivieren.»