Der Mann wurde in Hand- und Fussfesseln ins Bezirksgericht Zurzach geführt. Zwei Polizeibeamte hatten ihn vom Flughafengefängnis Kloten dorthin gebracht. Hassan (Name geändert) ist sehr schlank, trägt modische Löcher-Jeans und Nike-Turnschuhe.

2015 war der Somalier in die Schweiz gekommen, im Januar 2016 war sein Asylantrag abgelehnt worden. Mehrfach, teils einschlägig, vorbestraft, stand der 26-Jährige jetzt unter anderem wegen Drohung, Sachbeschädigung, Diebstahl, Exhibitionismus und sexueller Belästigung vor den Schranken.

Die Fragen von Einzelrichter Cyrill Kramer zur Person, beantwortete Hassan mit einem Redeschwall: Er wolle nicht in die Heimat zurück, weil dort Krieg und die Situation momentan sehr schlimm sei. Ja, er habe daheim eine Ehefrau und einen Sohn. Wie alt? «Sechs, acht oder zehn», liess Hassan übersetzen. Geht’s nicht genauer? «Also, sechs bis sieben.»

Verspätetes Eintreffen

Die Äusserungen zu den Anklagepunkten überliess Hassan fast vollumfänglich seinem amtlichen Verteidiger. Dass Hassan zu einem Mitarbeiter der Asylunterkunft Rekingen «come outside, I kill you» gesagt hatte und sich dabei mit der Hand quer über seine Kehle gefahren war, bestreitet der Beschuldigte.

Allerdings hatte die Polizei in der Tasche von Hassans Jacke ein Brotmesser gefunden. Wütend war der Somalier, weil er wegen verspäteten Eintreffens kein Geld ausbezahlt bekam.

Sich im Zug vor Frau entblösst

Dass Hassan sich, trotz Hausverbot, mehrfach in der Asylunterkunft Holderbank und im Coop Baden aufgehalten hatte, erklärte der Anwalt damit, dass sein Mandant das mit dem Hausverbot nicht verstanden habe. Der Diebstahl einer Flasche Whisky und eines Poulets in besagter Coop-Filiale war – als geringfügiger Diebstahl – unbestritten.

Dass Hassan im Kommando der Kapo Aargau einen Schaden von 425 Franken anrichtet, als er das Türschloss der Einstellzelle beschädigte, konnte er beim besten Willen ebenfalls nicht abstreiten. Dieses Vergehen war nach Ansicht des Verteidigers das schwerste unter den neun seinem Mandanten zur Last gelegten Delikte.

Die Anklagepunkte sexuelle Belästigung, Exhibitionismus und Tätlichkeit stellte Hassan anders dar als das Opfer. Gemäss der Frau hatte Hassan sie nach 22 Uhr im Bahnhof Aarau angesprochen und «ich will zu dir kommen und schlafen. Ich mache alles». Hassan gab an, er habe mit der Frau einvernehmlich über Sex gesprochen und ihr 50 Franken gegeben.

Später in der WSB, so die Frau, habe Hassan seinen Penis vor ihr entblösst. Der Beschuldigte hat ausgesagt, die Frau habe ihn provoziert, indem sie seine magere Statur in Verhältnis zu seinem besten Stück gestellt habe. Der Vorwurf der Tätlichkeit resultierte aus der Aussage der Frau, Hassan habe sie, nachdem sie ihre Haustür geöffnet hatte, ins Treppenhaus hinein gestossen.

Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 10 Monaten, eine Geldstrafe von 300 Franken sowie 800 Franken Busse. Der Verteidiger betonte, Hassan habe sich, abzüglich der dreieinhalb Monate, die er bis zu seiner endgültigen Festnahme in sechs Tranchen hinter Gitter verbracht hatte, nur gerade vier Monate illegal hier aufgehalten.

Daneben sei sein Mandant lediglich der nachgewiesenen Sachbeschädigung und des geringfügigen Diebstahls schuldig-, ansonsten aber freizusprechen. Dafür seien sechs Wochen Freiheitsstrafe angemessen.

Richter Kramer sprach den Somalier der sexuellen Belästigung und der Tätlichkeit frei, da «in beiden Fällen die Schwelle der Strafbarkeit nicht überschritten wurde». Was den Exhibitionismus betrifft, so sei die Version von Hassan ebenso eine reine Schutzbehauptung, wie seine Aussage, dass er der Frau Geld gegeben habe.

Das Verdikt: 8 Monate Freiheitsstrafe, 100 Franken Geldstrafe wegen Hinderung einer Amtshandlung sowie 100 Franken Busse wegen Exhibitionismus. Nach der Verhandlung wurde Hassan umgehend ins Flughafengefängnis zurückgeführt.