Neuerdings klingen am Donnerstagabend ungewohnte Töne durchs Untere Aaretal. Sie kommen aus der Badi Döttingen: Dort finden seit ein paar Wochen Aqua-Zumba-Lektionen statt. Die az hat sich ins Wasser gewagt.

Immer wieder donnerstags

«Aqua-Zumba? Du machst Witze - oder?» Der Erste, dem ich von meinem Vorhaben berichte, glaubt an einen Scherz. Mitnichten: Das Angebot im Döttinger Mitteilungsblatt hat mich neugierig gemacht. Jeden Donnerstag finden Aqua-Zumba-Lektionen statt, heisst es dort. Das muss ich ausprobieren.

Eine kurze Internet-Recherche zu dieser ungewöhnlichen Sportart, dann rufe ich Badmeister Peter Sibold an. Was soll ich mitbringen? «Badesachen und einen Fünfliber für den Kurs.» Gesagt, gepackt. Was ich nicht mitnehme: Rhythmusgefühl und Tanztalent - es muss ohne gehen.

In der Badi bin ich dann doch etwas nervös. Zumba - ohne Wasser - habe ich schon mal gemacht: Zu schnell, zu kompliziert die Schritte; zu hoch das Niveau der Gruppe damals. Ein Blick in die Döttinger Zumba-Runde lässt die Bedenken aber schwinden. «Ich bin zum ersten Mal hier», sagen nicht wenige der rund 20 Frauen. Männer dürften selbstverständlich mitmachen - aber Zumba gilt als absoluter Frauensport. Dafür kennt er keine Alterslimite: In Döttingen ist vom Teenager bis zur Seniorin jede Generation vertreten.

Mit Musik - aber nicht zu laut

Dann gehts los. «Zuerst spielen wir Fussball», sagt Instruktorin Sarah Bourgignon, und zeigt eine Kick-Bewegung vor. «Dabei bin ich extra hierhergekommen, damit ich nichts von Fussball hören muss», sagt eine Teilnehmerin lachend. Sarah lässt die Musik laufen - «Nicht zu laut, sonst haben die Nachbarn keine Freude» - und legt los. Sie steht am Beckenrand, damit wir sehen, was genau sie mit ihrem Körper macht. Und das hat es in sich: Auf Kicks folgen mal laszive Salsaschritte, mal rudernde Armbewegungen, mal tiefe Hocken und Hüftschwünge, oder alles miteinander. Ich richte meine ganze Konzentration darauf, Sarahs «Moves» zu kopieren.

Das Tempo ist hoch, anfangs stolpere ich mit meinen Bewegungen immer mindestens einen Takt hinterher. Aber: Die Schrittfolgen sind eingängig und wiederholen sich, mit der Zeit geht es immer besser. «Jetzt hab ich den Dreh raus», denke ich - da wechselt der Song und mit ihm die Choreografie.

Während Musiker «Pitbull» vom Füdli seiner Freundin singt, schütteln wir im Wasser unsere. Sieht ja niemand. Und da liegt der grösste Vorteil von Aqua-Zumba: Das Wasser reicht bis zur Brust. Die grossen und kleinen Zuschauer am Beckenrand sehen höchstens ein paar unserer Grimassen und rudernde Arme. «Wie hilflose Fischli», ruft Sarah vom Beckenrand her. Bei der durchtrainierten Zumba-Instruktorin sieht alles beeindruckend leicht aus - aber sie hat ja auch nicht gegen den Auftrieb und den Wasserwiderstand zu kämpfen wie wir, trösten wir uns.

Einfach mal das Füdli schütteln

Nach einer Dreiviertelstunde merke ich, wie die Konzentration schwindet. Meinen Mitplanscherinnen geht es ähnlich. Die Bewegungen werden fahriger, wir fallen wieder öfter aus dem Takt. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil von Zumba: Wenn man den Faden verliert - einfach mal das Füdli schütteln, ein paar Hüftschwünge einlegen und später wieder in die Choreografie einsteigen.

Im Prinzip ist eine Aqua-Zumba-Lektion wie eine grosse, nasse und mittelmässig anstrengende Party. Wir lachen miteinander - aber nicht übereinander - und tanzen, hauptsächlich zu Latino- und Hip-Hop-Klängen. Als der 80er-Jahre-Hit «Take on me» der Band «a-ha» aus den Lautsprechern dröhnt, singen wir alle mit - auch diejenigen, die jünger sind als der Song selber.

Eine Stunde ist um, wir steigen aus dem Becken. Ich fühle mich müde, aber nicht ausgepowert. Nur die Arme und Beine sind ein bisschen schlapp. Ob das wohl Muskelkater gibt? «Nein», beteuert eine erfahrene Zumba-Tänzerin aus der Gruppe. «Das passiert beim Joggen oder Velofahren, aber nie beim Zumba.» Ich zweifle - aber sie sollte recht behalten.

Hüftschwung unter Wasser - Aqua-Zumba in der Badi

Hüftschwung unter Wasser - Aqua-Zumba in der Badi