Lengnau

Anwohner wehren sich gegen Eventhalle – Besitzer prüfen Massnahmen

Tahir Fesli (rechts, im Bild mit Schwager Hüseyin Vural) kaufte die ehemalige Tennishalle im vergangenen Jahr.

Tahir Fesli (rechts, im Bild mit Schwager Hüseyin Vural) kaufte die ehemalige Tennishalle im vergangenen Jahr.

Steig-Quartier nervt sich über den Lärm der Hochzeitsfeiern im Lengnauer Industriegebiet – Hallenbesitzer will Massnahmen ergreifen.

«Diese Situation ist nicht hinnehmbar», regt sich Gabrielle Haas auf. Sie wohnt seit zwanzig Jahren am Steig in Lengnau. Seit fast drei Monaten werden sie und die anderen Hangbewohner am Wochenende bis Mitternacht beschallt. Der Grund: In der ehemaligen Tennishalle im Industriegebiet finden jeden Samstag Hochzeitsfeste statt. Regelmässig muss die Regionalpolizei Zurzibiet (Repol) ausrücken, weil auch nach 22 Uhr weitergefeiert wird, ohne die Musik genügend zu dämmen, wie es das Polizeireglement vorsieht. Das Umnutzungsgesuch der Sport- in eine Eventhalle ist noch hängig. Es sind mehrere Einwendungen eingegangen, darunter auch eine Sammeleinwendung mit 51 Unterschriften. Unterschrieben hat fast das ganze Steig-Quartier, darunter auch Gabrielle Haas.

Sie stellt klar: «Ich will niemandem etwas Böses, und ich bin auch nicht gegen die Betreiber oder die türkischen Hochzeiten.» Aber sie sagt auch: «Seit September haben wir jedes Wochenende bis Mitternacht ‹Rambazamba›. Das ist doch keine Lebensqualität mehr.» Um 17.30 Uhr beginne jeweils der Lärm. Was sie stört, sei nicht etwa die Lautstärke, sondern die kontinuierliche Beschallung über Stunden hinweg durch Bässe und Trommeln. «Das ist wie bei einem Wasserhahn, der ständig tropft. Das ist nicht in Dezibel messbar, macht aber wahnsinnig», sagt Gabrielle Haas. Das Hauptproblem sei die Topografie, wodurch der Schall direkt an den gegenüberliegenden Hang, dem Steig, ­gelange. «Zudem eignet sich die alte Sporthalle von der Bausub­stanz her gar nicht als Eventhalle», sagt sie. Die Lärmisolation des Gebäudes sei bei weitem nicht ausreichend.

«Früher einzelne Feste, heute jedes Wochenende»

Das Steig-Quartier ist sich einiges gewohnt. In den 90er-Jahren fand auf dem Hang gegenüber das legendäre Open Air «Rock gegen Hass» statt, danach die Beach-Party, und in der Sporthalle verwandelten sich die Tennisplätze in Tanzflächen für die Power- oder Megapartys. Auch Hochzeiten finden seit Jahren immer wieder statt. «Das war jeweils an einzelnen Tagen im Jahr», sagt Gabrielle Haller. «Aber jetzt haben wir den Lärm jedes Wochenende.»

Auf der Gemeinde weiss man um den Ärger der Steigbewohner. «Der Gemeinderat nimmt ihre Anliegen sehr ernst», sagt Gemeindeschreiber Anselm Rohner. An einer Infoversammlung vergangene Woche habe man ihre Bedenken und Anliegen aufgenommen und sie über die komplexe, juristische Situation informiert. Für das Umnutzungsgesuch habe die Gemeinde weitere Akten einverlangt. Mehr dazu sagen könne er aber nicht, da das Verfahren noch laufe. Bei den Anlässen handelt es sich um Privatanlässe wie Hochzeiten, die nicht bewilligungspflichtig, aber dem Polizeireglement unterstellt sind. Einen öffentlichen Anlass an Silvester habe die Gemeinde jedoch untersagt, sagt Rohner.

Seit 2018 gehört das ehemalige Sportcenter dem Fislis­bacher Tahir Fesli, der die Halle weitervermietet. Es finden vor allem Hochzeiten mit mehreren hundert Gästen statt, geplant sind auch Seminare, Geschäftsanlässe oder Bankette. «Seit über 20 Jahren finden in dieser Halle solche Anlässe, aber auch Konzerte und Partys schon statt, weshalb auch ein gewisses Gewohnheitsrecht bei mir entstanden ist», sagt Fesli. «Bisher immer ohne Probleme.» Dass sich die Nachbarn jetzt so stören, damit habe er in einem Industriequartier mit bestem Willen nicht gerechnet. Er sagt aber auch: «Wir müssen da gemeinsam mit der Gemeinde und den Anwohnern eine Lösung finden.»

Besitzer gab akustische Gutachten in Auftrag

Vor kurzem prüfte beispielsweise eine Spezialfirma, was in Sachen Lärmschutz noch verbessert werden kann. Weiter seien bauphysikalische und akustische Gutachten in Auftrag gegeben worden, die endlich Klarheit bezüglich der Grenzwerte verschaffen würden. «Je nach Resultat dieser Gutachten werden wir bautechnische Massnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte vornehmen.»

Er könne nicht einfach aufhören, sagt Tahir Fesli. Er habe viel Geld investiert und seine Existenz stehe auf dem Spiel. «Zudem haben wir bis 2021 schon über 50 Reservationen für Hochzeitsfeiern.» Denn die Halle sei aufgrund ihrer Grösse weiter über die Schweizer Grenze hinaus bekannt. Und der kurdische Alevit ergänzt: «In unserer Kultur sind grosse Hochzeitsfeste mit 500 bis 700 Gästen wichtig.»

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