Es ist bis heute der grösste Terroranschlag, den die Schweiz erlebt hat: Am 21. Februar 1970 explodierte im Frachtraum von Swiss-Air-Flug 330 eine Bombe. Das Flugzeug stürzte im Würenlinger Unterwald ab, die 38 Passagiere und 9 Crew-Mitglieder kamen ums Leben. Der Fall beschäftigt den Würenlinger Alt-Gemeindeammann Arthur Schneider bis heute. Erst am Mittwoch hat der 76-Jährige dem damaligen Untersuchungsrichter der Staatsanwaltschaft Bülach, Robert Akeret, einen Fragenkatalog zugestellt. So nimmt Schneider beispielsweise wunder, weshalb damals die Zürcher und nicht die Aargauer Behörden den Fall untersucht haben. «Ich hoffe, dass ich vor dem Jahrestag seine Antworten erhalte», sagt Schneider. 

«Goodbye everybody»: Der Original-Funkspruch vom Swissair-Absturz 1970 bei Würenlingen.

«Goodbye everybody»: Der Original-Funkspruch des Swissair-Absturzes 1970 bei Würenlingen.

Im Oktober 1970 hatte Akeret seinen 165-seitigen Schlussbericht bei der Bundesanwaltschaft eingereicht. Für den leitenden Untersuchungsrichter waren die Täter zweifelsfrei ermittelt: Bei den Attentätern handelte es sich um zwei Terroristen der palästinensischen Befreiungsorganisation PLO. Dennoch schlief das Strafverfahren gegen die Tatverdächtigen ein.

Nicht nur den Alt-Ammann, auch aktuelle Politiker bewegt der Fall nach wie vor. Nach der Interpellation von Jeanine Glarner (FDP, Möriken-Wildegg) liess der Aargauer Regierungsrat wissen: Die Bundesanwaltschaft prüft, ob der Flugzeugabsturz im Jahr 1970 neu untersucht werden soll. Im Wortlaut: «Gemäss Angaben der Bundesanwaltschaft ist ein Ersuchen um Wiederaufnahme des Strafverfahrens ‹Würenlingen› eingegangen, welches in Bearbeitung ist.» 

Neue Erkenntnis zum Flugzeugabsturz Würenlingen

Juli 2017: Neue Erkenntnis zum Flugzeugabsturz Würenlingen

Es ist das grösste Flugzeugunglück der Schweizer Geschichte: Das Attentat auf eine Swissair-Maschine, die 1970 im Würenlinger Wald abstürzte. Zwei Deutsche sollen in den Anschlag verwickelt sein.

Eine Frage der Tiefe

Schneider glaubt, dass das Verfahren erneut aufgenommen wird. «Es stellt sich allerdings die Frage, wie tief diese Untersuchung ausfallen wird», sagt er, schliesslich seien viele wichtige Zeitzeugen inzwischen verstorben. Andere wiederum erscheinen ihm wenig glaubwürdig. Doch gerade für die Hinterbliebenen der Opfer sei diese Aufarbeitung wichtig. Die Sehnsucht nach der Wahrheit treibt nicht nur den Würenlinger Alt-Ammann. Schneider sagt: «Es gab 47 Tote, sie alle hatten ein Umfeld. Die Hinterbliebenen verdienen es, dass dieser Fall abgeschlossen wird. Dass ihre Fragen nach dem Wie und Warum beantwortet werden.»

Bereits im Jahr 2016, nach dem Erscheinen der Bücher von Arthur Schneider (Goodbye everybody) von NZZ-Journalist Marcel Gyr (Schweizer Terrorjahre), hatte der Regierungsrat den Bundesrat aufgefordert, die Vorgänge des Flugzeugabsturzes in geeigneter Form aufzuarbeiten.

Seither hat der Regierungsrat in der Sache nichts mehr unternommen, wie aus seiner Antwort auf Glarners Interpellation ersichtlich wird. Für (weitere) strafrechtliche Untersuchungshandlungen sei die Bundesanwaltschaft zuständig, politisch stünden ebenfalls die Bundesbehörden in der Pflicht.

«Der Regierungsrat hat mit seiner umgehenden Intervention im Januar 2016 gegenüber dem Bundesrat klar zum Ausdruck gebracht, dass er alles, was zu einer weiteren Aufklärung der damaligen Geschehnisse führt, unterstützt und als zwingend betrachtet. Er begrüsst nun auch, dass die Bundesanwaltschaft tätig geworden ist.» Gleichzeitig hält der Regierungsrat fest, dass es nicht in seiner Zuständigkeit und seinen Möglichkeiten liegt, selber weitere Untersuchungen oder Ähnliches zu initiieren oder durchzuführen.