Es war sehr warm in der Mehrzweckhalle. Für Lilu war das garantiert angenehm, hat sie – eine geborene «of Ankh Amulet» – doch weder Fett auf ihren Rippen, noch trägt sie ein Haarkleid. Bloss ein Flaum bedeckt ihre samtweiche Haut. Lilu ist eine Sphinx-Katze und genauso unergründlich ist ihr Blick.

Richtig müde von der Wärme hingegen war der Heilige Birma Kater Bianchi Fiocchi Vagabond. Hinter Vorhängen mit Winnie The Poo-Motiv schlief er ausgestreckt in seiner ganzen Länge, sodass lediglich die Hinterpfoten in seinem kleinen weissen Tipi-Zelt lagen. Wie hatte doch die französische Schriftstellerin Colette richtig festgestellt: «Die Vorstellung, die Katzen von Bequemlichkeit haben, ist für den Menschen absolut unbegreiflich.»

Nicht nur bequem für die Katzen

Na ja – so ganz und gar nur bequem geht es für die Samtpfoten an einer Internationalen Katzenausstellung allerdings nicht zu. Denn schliesslich geht es um Rang und Ehre, Schönheit und Makellosigkeit, wie dies von irgendwelchen Zweibeinern in irgendwelchen Zuchtbüchern sakrosankt festgehalten ist. Und weil die Konkurrenz gross ist, die Herrchen und Frauchen ehrgeizig und die Richterinnen und Richter streng sind, müssen Garfield und Valentino, Anna Karenina und Aïda sich im richtigen Moment von ihrer besten Seite zeigen.

Ugo-Boss am Emmenwald – ein Angehöriger der Rasse der Norwegischen Waldkatzen – tat solches mit der Nonchalance des erfahrenen Ausstellungs-Katers. Ebenso tat es die lila-pointed Perserdame Baronesse von Ain Amur: Etwas unwirsch und von oben herab in die Runde blickend, liess sie darüber hinaus keinen Zweifel an ihrem Standesdünkel.

Dass am Käfig von Azrael vom Stamm der Devon Rex ein Zettel hing «Ich bi nominiert für die Best-in Show» kümmerte den sieben Monate jungen Kater ebenso wenig, wie es der Bengal-Schönheit Harmony egal zu sein schien, dass ihr Frauchen wohl ihretwegen extra Tiger-Look trug. Die neun Monate junge, silber-gestromte Explosive of Silverrush ihrerseits scheint den passenden Namen zu tragen, wehrte sie sich auf Frauchens Arm mit allen vier Pfoten gegen eine fotogene Position, kapitulierte aber schliesslich mit grimmigem Blick.

Jö-Alarm bei Asterix

Nicht nur junge Kätzchen, auch zweibeiniger Aussteller-Nachwuchs war in der Ausstellung anzutreffen. Buben und Mädchen konnten «Junior-Richterin» Sabine Drieling ihre Büsi vorführen, mussten Fragen rund um ihren Stubentiger beantworten und bekamen als Belohnung ein kleines Überraschungsgeschenk. Mit besonders vielen «Jöös» wurde dabei Asterix vom Schlaraffenland von den Zuschauern bedacht. Der Heilige Birmese vom neunjährigen Nick Müller aus Muri ist mit seinen vier Monaten noch so umwerfend drollig, dass der kleine «Makel», den die Richterin feststellte – Asterix hat eine weisse Schwanzspitze – völlig nebensächlich ist. Oder – Hand aufs Herz – ganz im Gegenteil: Das ist doch super, macht es den Kater doch unverwechselbar und zum Individualisten.