Schneisingen prüft seit einem Jahr die Möglichkeit, auf dem Bahnhofschild der Nachbargemeinde Niederweningen zu erscheinen. Vom Namen «Niederweningen-Schneisingen» erhofft man sich in der kleinen Aargauer Gemeinde eine Steigerung des Bekanntheitsgrades.

Der Schneisinger Gemeinderat hatte die Idee nach ersten Abklärungen verworfen, weil die Umbenennung rund 100 000 Franken kosten würde und das Geld woanders besser investiert sei. An einer Gemeindeversammlung wurde aber verlangt, dass die Idee noch einmal unter die Lupe genommen wird.

Bisher nicht öffentlich bekannt war, dass sich auch die nahe gelegenen Surbtaler Gemeinden Chancen ausrechnen, auf dem Bahnhofsschild genannt zu werden. «Auch der Bahnhofsname ‹Surbtal› steht zur Diskussion», schreibt die Gemeinde Niederweningen in einer Mitteilung.
Hauptbotschaft des Schreibens: Der Niederweninger Gemeinderat erklärt, er lehne eine Umbenennung ab. Auch wenn der Bahnhof teilweise an Schneisinger Industriegebiet sowie die Aargauer Kantonsstrasse grenze, so liege er doch eindeutig im Niederweninger Siedlungsgebiet.

Ausserdem stelle ein Doppelname aufgrund der Länge keine praktikable Lösung dar. «Bereits heute muss die Bezeichnung Niederweningen auf den Anzeigetafeln der Züge abgekürzt werden.» Auch die Variante «Surbtal» komme nicht infrage, weil der eigene Gemeindename komplett wegfallen würde.

Muss die Idee einer Umbenennung des Bahnhofs endgültig begraben werden? Schneisingens Gemeindeammann Adrian Baumgartner antwortet diplomatisch: «Der Überweisungsantrag aus der Bevölkerung verpflichtet uns, das Thema an einer der kommenden Gemeindeversammlungen noch einmal zu traktandieren.» Vermutlich diesen Sommer werde dies der Fall sein. Der Gemeinderat habe noch keinen Beschluss gefasst. «Aber es stellt sich natürlich die Frage, ob es Sinn macht, Geld und Zeit in diese Idee zu investieren, wenn wir derzeit davon ausgehen müssen, dass Niederweningen kein Interesse hat.»

Leise Misstöne

Spannend: In einer ersten Reaktion im vergangenen Sommer hatte die Niederweninger Gemeindepräsidentin Andrea Weber noch erklärt: «Wenn die Schneisinger eine Umbenennung wollen, werden wir uns ihnen nicht in den Weg stellen. Denn dann würde eine weitere Gemeinde die finanziellen Lasten für den Bahnhof mittragen.»

Stellt sich somit die Frage, weshalb Niederweningen der Namensänderung erst gut gesinnt war und nun eine Kehrtwende vollzieht. Möglicherweise hängt der Sinneswandel mit der Debatte um die Kostenbeteiligung der Aargauer Gemeinden am Umbau des Bahnhofes zusammen, der derzeit läuft.

Andrea Weber erklärt: «Es ist eine Tatsache, dass wir uns eine finanzielle Beteiligung Schneisingens am Umbau des Busbahnhofes, beziehungsweise konkret an dessen Möblierung, wünschen würden. Aus unserer Sicht wäre auch eine Beteiligung der Surbtaler Gemeinden angebracht. Denn von dort aus fahren täglich viele Menschen in Bussen zu unserem Bahnhof; die Bewohner dieser Gemeinden sind es, die hauptsächlich vom Busbahnhofumbau profitieren.»