Wenn im Herbst die Bewohner des Alters- und Pflegeheims Pfauen in den Neubau einziehen, der für rund 50 Millionen Franken im Höfli-Areal entsteht, werden gleich zwei Gebäude im Zentrum von Bad Zurzach leerstehen. Bisher waren die Bewohner des «Pfauen» nämlich in den beiden Liegenschaften in der Pfauengasse untergebracht, aus Platzgründen wird die Umsiedlung in den modernen Neubau nötig. Mit dem Umzug verblassen auch die im Volksmund gängigen Bezeichnungen vom «alten» und vom «neuen Pfauen» – schliesslich kommt mit dem Neubau ein neuer «Pfauen» hinzu.

Die Objekte in der Pfauengasse stehen derzeit per 1. November zum Verkauf. Bis dahin sollte die Umzug und Ausräumung des «Pfauen» abgeschlossen sein, erklärt Georg Edelmann. Die Angebote laufen über seine Immobilienfirma. «Wir befinden uns aktuell in Verhandlungen. Es gibt verschiedene Interessenten», so Edelmann.

Das ältere der beiden Gebäude, der «alte Pfauen» in der Pfauengasse 2, wurde vor mehr als 300 Jahren erbaut. Der vermögende Zurzacher Weinhändler Emil Burkhardt vermachte die Liegenschaft nach seinem Tod der Gemeinde. Er wünschte sich, dass darin ein Heim für Alte und Kranke errichtet wird. Der Gemeinderat rief 1959 die Emil-Burkhardt-Stiftung ins Leben, in den Folgejahren entstand im Gebäude tatsächlich ein Altenheim mit zunächst 34 Betten. Das teilweise unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist mit 1,9 Millionen Franken ausgeschrieben.

Mit 3,5 Millionen Franken ist der «neue Pfauen» beziffert. 1988 eröffnete der Anbau des Alters- und Pflegeheims in der Pfauengasse 7. Der höhere Preis hängt einerseits mit einer knapp 600 Quadratmeter grösseren Nutzungsfläche zusammen. «Andererseits befinden sich in den Zimmern im «neuen Pfauen» bereits Kochnischen und Nasszellen, was sich auf den Verkaufspreis auswirkt», sagt Edelmann.

Gute Wohnlage im Dorfzentrum

Aufgrund dieser Konzipierung als Gebäude für Appartementwohnungen sei es naheliegend, dass im «neuen Pfauen» Wohnungen entstehen werden. Die gute Wohnlage wird insbesondere hervorgehoben – so wird darauf hingewiesen, dass die Ostumfahrung in den nächsten Jahren «definitiv umgesetzt» wird.

Im Objektbeschrieb werden zudem weitere Nutzungsmöglichkeiten aufgezählt: So wären auch ein Bed and Breakfast, separate Zimmervermietung für Kurzaufenthalte oder eine Jugendherberge denkbar. «Das sind Anregungen, wir wollten den Leuten damit Ideen geben», sagt Georg Edelmann. So sei auch eine Mischnutzung vorstellbar – die Gemeinschaftsräume des Altersheims liessen sich gut in Aufenthaltsräume von Büros umfunktionieren.

Noch offener ist die Objektbeschreibung des «alten Pfauen» gehalten – von einer «Investitionsmöglichkeit im Zentrum von Bad Zurzach» ist die Rede. Dennoch sind auch hier zusätzliche Wohnungen naheliegend.

Die Emil-Burkhardt-Stiftung, die beide Liegenschaften besitzt und letztlich den Verkaufsentscheid fällt, will bezüglich der Nutzung der Gebäude keine Vorgaben machen. «Unser Hauptziel ist, dass wir die Gebäude verkaufen können. Wünschenswert wäre allerdings, dass ein Käufer beide Objekte zusammen kauft», sagt Stiftungsratspräsident Rudolf Nydegger.

Die beiden grossen, zentralen Gebäude sind auch für die Gemeinde von Bedeutung: «Der Gemeinderat Bad Zurzach unterstützt und begrüsst das Wachstum von qualitativ hochstehenden Wohnungen oder Arbeitsplätzen», sagt Gemeindeschreiber Daniel Baumgartner. Der Kauf der Gebäude, wie dereinst beim Bächle-Areal, durch die Gemeinde sei aktuell kein Thema. Sie zeigt sich überzeugt, dass die prominenten Gebäude im Sinne der Zentrumsentwicklung umgenutzt werden. Man befinde sich weiterhin im engen Austausch mit der Emil-Burkhardt-Stiftung.