Rekingen

Alte Schweden auf grosser Fahrt: Mit dem Volvo von Rekingen nach Stockholm

Katrin und Arnold Lienhart brechen mit ihrem Volvo 121 Amazon auf in Richtung Norden. Angelo Zambelli

Katrin und Arnold Lienhart brechen mit ihrem Volvo 121 Amazon auf in Richtung Norden. Angelo Zambelli

Zum 40-Jahr-Jubiläum des schweizerischen Volvo-Clubs Swiss Volvo Classics fahren Mitglieder mit ihren Oldtimern nach Schweden – unter ihnen auch das Aargauer Ehepaar Katrin und Arnold Lienhart aus Rekingen.

«Ich habe schon eine besondere Beziehung zu diesem Auto», stellt Katrin Lienhart fest. «Ich bin mit ihm aufgewachsen. Meine Eltern hatten das Auto 1965 gekauft. Bis 1982 diente es als Familienauto. Als mein Vater wegen seines Hundes ein Fahrzeug mit Heckklappe anschaffte, wurde der Volvo überzählig. Ich habe ihn übernommen und bis 1986 im Alltagsbetrieb gebraucht. Mein Vater, der viel technisches Verständnis hatte, hat mir beim Unterhalt des Wagens viel geholfen. Ich bin im Nachhinein sehr glücklich, dass ich das Auto übernommen hatte. Und auch meine Mutter, die den schönen Wagen bei sich in der Garage hat, freut sich sehr, dass das Auto erhalten blieb.»

Nach 21 Jahren im Alltagsbetrieb wurde der Volvo 121 Amazon -- das Standardmodell der berühmten P-Reihe, von der zwischen 1956 und 1970 in verschiedenen Varianten insgesamt 667 323 Fahrzeuge gebaut worden sind – 1986 ausser Verkehr gesetzt. «Grössere Probleme am Wagen stellten uns vor die Frage: Was jetzt?», sagt Katrin Lienhart, die nach der Ausbildung zur Lehrerin im Journalismus tätig war und heute an der Schule Bad Zurzach unterrichtet.

«Für mich hat sich aber nie die Frage gestellt, das Auto allenfalls abzustossen. Mein Mann Arnold, ein grandioser Techniker und Handwerker, und ich haben dann vorerst am Auto herumgebastelt, bis wir uns für eine Restaurierung in den Originalzustand entschieden haben. Vieles haben wir selber gemacht, wobei uns ein Kollege sehr geholfen hat.» 1992 wurde das Auto wieder in Verkehr gesetzt. Seit 1998 hat es Veteranenstatus und seit 2013 verfügt es über die FIVA Identity Card, die bei Fahrten im Ausland von Vorteil ist.

Arnold Lienhart besitzt zwar mittlerweile selber einen Vorkriegs-Citroën, einen der legendären Traction Avant. «Den Oldtimer-Virus habe aber ich in die Familie gebracht», betont Katrin Lienhart lachend. «Ich habe einfach Freude an alter Technik, und mir gefallen die Formen dieser Autos. Diese Fahrzeuge haben Charakter. Ich empfinde meinen Volvo gar nicht so sehr als Oldtimer, weil ich mit ihm aufgewachsen bin. Das Fahrzeug ist auch heute noch absolut alltagstauglich. Für mich ist dieses Auto zudem eine Erinnerung an meine Familie, insbesondere an meinen Vater, der inzwischen leider verstorben ist.»

Sie sei jetzt am Studium von Reiseliteratur, sagt Katrin Lienhart kurz vor dem Aufbruch des Konvois mit den neun Volvo-Oldtimern nach Schweden. Mit von der Partie sind neben diversen Amazonen auch ein PV 544 «Buckel», ein 164er, ein P1800 Sportcoupé sowie ein P1800 ES, der ob seiner gläsernen Heckklappe auch liebevoll «Schneewittchensarg» genannt wird.

Die lange Reise mit Wendepunkt Stockholm bereitet Katrin Lienhart kein Kopfzerbrechen. «Ich habe Vertrauen in dieses Auto», erklärt sie. «Ich bin damit nur einmal stehen geblieben -- wegen eines abgebrochenen Zündschlüssels!»

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