«Jawohl, super!» Peter Schödler, 53, ist begeistert. Gerade flitzt ein Junge in einer Seifenkiste an ihm vorbei. «Der ist schnell unterwegs», kommentiert er die Fahrweise anerkennend und blickt dem Jungspund hinterher. Im nächsten Moment ist der nach einer langgezogenen Rechtskurve aus dem Blickfeld verschwunden. Tempo 30 ist auf dieser Strasse heute aufgehoben.

Schödler ist der OK-Chef des Klingnauer Seifenkistenrennens. Es ist das erste nach zirka 30 Jahren – eine gefühlte Ewigkeit. Viele in Schödlers Alter – er ist in Klingnau aufgewachsen und heute in Döttingen Gemeinderat – haben schöne Erinnerungen an die Rennen, die ab den 1960er- bis in die 80er-Jahre stattfanden. Seine Idee für die Neuauflage fand im Verein Ehemalige Jungwächtler sofort Anklang und Unterstützung, wie er erzählt. Seifenkistenrennen gleichen bei jenen, die sie in Kindertagen erlebt haben, einer alten Liebe. Sie sind mit vielen positiven Emotionen verknüpft. So manche ehemalige Jungwächtler sind für diesen Sonntag auf Flüe- und Höngerstrasse als Streckenposten im Einsatz – auch einige, die nicht mehr um die Ecke wohnen und für diesen Tag nach Klingnau – und ein wenig in die eigene Kindheit – zurückgekehrt sind.   

71 Kinder und Jugendliche im Alter von 7 bis 16 Jahren sind am Start. Drei Läufe stehen auf dem Programm. Die sogenannten Lizenzierten sind nicht nur die erfahrensten, sondern auch die schnellsten. Sie messen sich zusätzlich an der Schweizer Meisterschaft. Ihre Gefährte sollen, wie sich schnell herumspricht, regelrechte Hightechkisten und bis zu einigen Tausend Franken wert sein. Auch einige Jungen und Mädchen aus Klingnau sind am Start, teilweise mit selbst gebauten oder revidierten Occasion-Seifenkisten. Für Neulinge, die sich spontan entschieden haben, stehen an diesen sonnigen Sonntag «Schnupperkisten» zur Verfügung.

Peter Schödler freut sich über die grosse Zahl an Teilnehmern. Sie ist eine Bestätigung für die Organisatoren, einen Nerv getroffen zu haben. Dafür spricht auch der grosse Zuschaueraufmarsch. Jung und Alt schlendern die 840 Meter lange Strecke hinauf und hinunter, machen Halt in einer der Festwirtschaften, die von Jungwacht und Blauring betrieben werden. Ein positives Echo erhalten Schödler und seine Mitstreiter auch direkt vom Publikum, wie er sagt. «Aber nicht nur. Auch den Fahrern gefällt unsere abwechslungsreiche und anspruchsvolle Rennstrecke.» Gegenüber früher ist sie deutlich länger. Der Start wurde – ebenso wie das Ziel – nach oben versetzt. Bereits denkt Schödler an das nächste Rennen im 2020. Definitiv entschieden worden sei zwar noch nichts. Aber nach dem Erfolg scheint nichts dagegen zu sprechen. «Ich wäre sofort wieder dabei», versichert Schödler. Diese alte Liebe rostet nicht. 

Und so ging es einst zu und her: Alte Video-Aufnahmen vom Seifenkistenrennen am 10. Oktober 1971 in Klingnau