Schande über die Findungskommission für den bedeutenden Titel «Zurzacher des Jahres»: Fünf Kandidaten hatte sie nominiert – darunter keine einzige Frau! Immerhin nahmen, wie jedes Jahr, wenigstens bei der Titelverleihung als Moderatorenteam auf der Bühne der Mehrzweckhalle Langwies sechs weibliche Exemplare Platz – drei Schwöschtere und drei Fleckenfrauen. Wobei das Geschlecht mitunter relativ ist. Die brautmässig gewandeten Schwöschtere jedenfalls verfügen über einen verdächtig starken Bartwuchs. Sei’s drum: Alle drei freuten sich unbändig über die Unterhosen aus dem BächleNachlass, die sie geschenkt bekamen.

Erneut ging die Vorstellung der sechs Nominierten bebildert über die Bühne: Gekonnt und mit viel Witz hatte Claude Ardin das Umfeld, die Stärken und Schwächen der Kandidaten wiederum farbenfroh auf Leinwand gepinselt – für einen guten Zweck. Am Schluss nämlich wurden die sechs Helgen versteigert und der Erlös von stolzen 1140 Franken kommt einer bedürftigen Schweizer Familie im Flecken zugute.

Wände und Boden bebten

Die Rietheimer Sänklochfäger fägten vor und nach dem «Staatsakt» kakofonisch mit so viel Leidenschaft, dass Wände und Boden der Mehrzweckhalle bebten. Klug war, wer wie der Bruno, in weiser Voraussicht einen Gehörschutz mitgenommen hatte. Ebenso klug war, wer seinen Becher mit Tranksame zudeckte und dergestalt vor dem Konfettiregen der grell, aber mit assortierten Perücken elegant gewandeten vier Kurärzte schützte. Tja – Fasnacht feiern ohne Reue will gelernt sein.

932 Zurzacher stimmten ab

Nominiert waren Galerist Alois Hauser, Bächle-Hausaufräumer Felix, Wesi, Landolt, Jugendfest-Aktivist Stephan Laube, Gemeinderat Meinrad, Mäne, Moser und Fasnachtspfarrer Hanspeter Rudolf. Insgesamt hatten 932 Zurzacherinnen und Zurzacher am Donnerstag und Freitag in drei Beizen ihre Stimmen abgegeben. Und der Gewinner ist: Stephan Laube! Auf ihn fiel fast die Hälfte aller Stimmen.

Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen war, hatte der 38-Jährige allerdings auch sehr aktiv Wahlwerbung betrieben. Auch Bestechung liegt dem Geomatik-Ingenieur und Vater von «Zweieinhalb Kindern, das dritte kommt um Ostern herum» nicht ganz fern.

Denn nachdem Georg, GG, Edelmann, einer der beiden Ex-aequo- Zurzacher 2015, seinem Nachfolger das Zepter überreicht hatte, zitierte Laube in seiner Dankesrede seinen «guten Freund Wladimir Putin, der mir geraten hat, direkt und mit allen verfügbaren Mitteln ans Ziel zu gelangen ... und bei Amtsantritt Freude zu zeigen.»

Letzteres tat der sich im Flecken, ganz besonders aber jeweils am Jugendfest, intensiv engagierende Alt-Jungschärler mit einem breiten Pepsodent-Lächeln und den Worten: «Es ist mir eine grosse Ehre, als jüngster ‹Zurzacher des Jahres› in den erlauchten Kreis aufgenommen worden zu sein.»