Flugzeugabsturz Würenlingen

Alt-Gemeindeammann Schneider bei Gedenkfeier: «Wir kämpfen für Gerechtigkeit und gegen das Vergessen»

Heute vor 50 Jahren explodierte in einer Swissair-Maschine eine Bombe. Es ist immer noch eines der grössten Verbrechen der Schweizer Geschichte. Heute hat in Würenlingen die Gedenkfeier stattgefunden.

Um genau 13.34 Uhr ist es 50 Jahre her. Am 21. Februar 1970 stürzte in einem Waldstück in Würenlingen eine Swissair-Maschine neun Minuten nach Start in Zürich auf dem Flug nach Tel Aviv ab. 47 Menschen starben. Geklärt wurde der Fall bis heute noch nicht. Palästinensische Terroristen sollen die Bombe gezündet haben. Vor Gericht kamen sie aber nie. 

Heute, 50 Jahre später findet in genau diesem Waldstück die Gedenkfeier für die Opfer des Flugzeugabsturzes statt. Schon um Mittag treffen die ersten Leute ein. Langsam füllt sich der Ort. Einige legen Kerzen bei dem Gedenkstein nieder. Auch Peter Stoller ist gekommen. Er ist Angehöriger eines Opfers und spricht darüber, was damals passiert ist: «Hier in diesem Wald habe ich vor 50 Jahren jemanden verloren, der mir sehr nahe stand.» Ähnlich wie ihm geht es vielen der Besucher. Sie alle wollen den Opfern gedenken.

Gedenkanlass für Flugzeugabsturz in Würenlingen

Im Video: Szenen des Gedenkanlasses sowie Stimmen von Ruedi Berlinger, Sohn des Piloten, alt Gemeinderat Arthur Schneider und Regierungsrat Jean-Pierre Gallati.

   

Pünktlich eröffnen Ruedi Berlinger, Sohn des damaligen Kapitäns, und seine Partnerin die Feier. Sie spielen «Amazing Grace» auf dem Dudelsack. Ansonsten herrscht absolute Stille im Wald. Die vielen Besucher würden zeigen, dass der Tag nicht vergessen werde, sagt Berlinger.

«Die Trauer wird nicht kleiner»

Dann tritt der Aargauer Regierungsrat Jean-Pierre Gallati ans Rednerpult. Das Flugzeug habe eine Schneise in den Wald gerissen und ebenso eine Schneise in die Herzen der Angehörigen. «Die Trauer wird nicht kleiner, die Ergriffenheit ist auch 50 Jahre danach gleich gross», sagt er. Der Kanton Aargau habe seit 50 Jahren alles in seiner Macht stehende getan, damit die Hintergründe aufgeklärt werden, so Gallati weiter. Leider sei es trotzdem nie gelungen, die Attentäter zur Verantwortung zu ziehen. 

Doch genau das wolle die Bevölkerung. «Die Angehörigen warten weiterhin auf Antworten auf die Frage, was damals geschah», sagt der ehemalige Würenlinger Gemeindeammann Arthur Schneider. Heute aber sei nicht der Tag, um Schuldzuweisungen zu machen. «Heute stehen die Opfer im Zentrum.»

Doch das möchte er nicht so ganz stehen lassen: «Die Bundesanwaltschaft zeigte kein Mitgefühl.» Für die Angehörigen habe es kein Care-Team gegeben. Aus dem und weiteren Gründen, seien sie die «Helden von Würenlingen».

Gedenkanlass 50 Jahre Flugzeugabsturz Würenlingen – «Hier in diesem Wald habe ich vor 50 Jahren jemanden verloren, der mir sehr nahe stand»

Peter Stoller verlor damals seine Verlobte, eine Stewardess.

  

Es wird von einem Terroranschlag gesprochen

Unter den 47 Opfern waren 15 israelische Staatsbürger. Darum trat auch Jacob Keidar, Botschafter Israels in Bern, ans Pult. «Mit gesenktem Kopf und Trauer im Herzen denken wir an alle Familien, deren Leben bei diesem Terroranschlag auf den Kopf gestellt wurden», sagt er.

Und weiter: «Es steigen mir jedes Mal die Tränen in die Augen, wenn ich die letzten Worte des Kapitäns höre: ‹Goodbye everybody›.» Er spricht von einem Terroranschlag. Nach der Rede tritt Keidar vom Rednerpult, um Blumen niederzulegen. Danach wurde unter anderem das jüdische Totengebet «Kaddish» vorgetragen. Auch ein katholischer Seelsorger und ein evangelisch-reformierter Pfarrer sprachen Gebete. 

Arthur Schneider spricht das Schlusswort: «Wir kämpfen weiter für Gerechtigkeit und gegen das Vergessen.» Und so wie der Gedenkanlass begonnen hat, endet er auch: Mit einem Dudelsackspiel von Ruedi Berlinger.

Den genauen Verlauf der Gedenkfeier vom Freitagmittag können Sie hier im Newsticker im Detail nachlesen:

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