Lengnau

Als Altar dient ein Stubentisch: So feiern die Husener in Zeiten der Pandemie die heilige Anna

Mit einem Volksfest auf dem Dorfplatz feiert der Lengnauer Weiler am 26. Juli normalerweise seine Kapellenpatronin. Am Sonntag kommt es wegen der vorherrschenden Pandemie aber etwas anders. Ganz ins Wasser fallen die Feierlichkeiten zu Ehren der heiligen Anna allerdings nicht.

Wenn die Husemer jeweils ihre Kapellenpatronin ehren, strömen die Menschen in Scharen in den Lengnauer Weiler Husen. Nebst den etwas über 30 Husemern − mehr als es in der Kapelle Stühle gibt − wohnen noch einmal rund dreimal so viele Gäste den Feierlichkeiten zu Ehren der heiligen Anna am 26. Juli bei.

Nur in den wenigsten der 21 Zurzibieter Kapellen werden die Feiertage der jeweiligen Schutzheiligen wie in Husen oder im südlich von Lengnau gelegenen Lengnauer Weiler in Vogelsang noch begangen. In Husen dauert der weltliche Teil gerne bis spät in die Nacht hinein. Wegen der Coronapandemie findet am Sonntag aber für einmal nur die religiöse Feier statt.

«Die Enttäuschung ist gross», sagt Elisabeth Schmid. Die 52-Jährige ist eine der beiden Sigristinnen, die sich im Amt abwechseln und die 316 Jahre alten Kapelle pflegen oder feierlich schmücken. Früher läuteten die Sigristinnen auch das Glöcklein zu Betzeiten, heute funktioniert das automatisch. «Aber es ist schön, dass wir mit dem Morgengottesdienst immerhin die Kapellenpatronin, die heilige Anna, feiern können.»

Ein umfunktionierter Stubentisch dient als Altar

Für den Gottesdienst auf dem Dorfplatz vor der Kapelle, der normalerweise am Abend stattfindet, reihen die Husemer Bänke vor dem erhöhten Eingang mit dem Altar auf. Als Altar dient ein Stubentisch, auf dem Blumen und eine Statue der heiligen Anna stehen. Nach dem Fest wandert sie wieder zurück in die katholische Kirche St. Martin in Lengnau, wo sie die restlichen Tage im Jahr verwahrt wird. Jene der Kapelle, bei der die Patronin Maria auf dem Arm hält, bleibt unangetastet in einer Wandnische im Innern des Gotteshauses. Den Gottesdienst begleitet eine kleine Formation der Musikgesellschaft Brass Band Lengnau. Die Musikanten sitzen dabei auf Stühlen der Kapelle.

«Nach dem Gottesdienst packen alle mit an, stellen Tische auf, und es wird grilliert», sagt Elisabeth Schmid. Während der Dorfplatz für das weltliche Fest vorbereitet wird, spielt die Musikgesellschaft nochmals in kompletter Formation. Danach geht das Fest auf dem Dorfplatz mit den rund 120 Teilnehmern so richtig los.

«Bei schlechtem Wetter hätten wir ein Problem», sagt Schmid. Denn die Kapelle bietet nicht einmal Platz für alle Husemer. «Aber meist ist es sowieso schön», ergänzt sie mit einem Schmunzeln. In diesem Jahr ist es aber nicht etwa der Regen, sondern die Coronapandemie, die dem geselligen Teil der Feierlichkeiten einen Strich durch die Rechnung macht.

Den Standort fand er dank eines geheimnisvollen Lichts

Die Annakapelle errichtete der in der Region bekannte Husemer Baumeister Heini Burger im Jahr 1704. «Unter seiner Leitung entstanden die Propstei des Chorherrenstifts Zurzach und der Rote Turm in Baden», heisst es auf der Website zu den Aargauer Kapellen.

Die Website ist das Ergebnis des gleichnamigen Projekts, welche die katholische Kirche Aargau zu ihrem 125-Jahre-Jubiläum im Jahr 2011 iniziierte. Beide Bauten gelangen Heini Burger so gut, dass er zum Dank eine Kapelle stiften wollte. Den Standort fand er dank eines geheimnisvollen Lichts, das ihm immer wieder auf seinem Weg erschien, das er aber erfolglos zu erreichen versuchte. Jedes Mal verschwand es an derselben Stelle im Boden: Mitten in Husen, wo heute die Kapelle zu Ehren der heiligen Anna steht.

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