Böttstein

«Affäre Vincenz belastet Ruf»: So wappnet sich der Präsident der Raiffeisenbank auf die GV

2014 löste Theo Voegtli (l.) Martin Stappung als Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Böttstein ab. zvg

2014 löste Theo Voegtli (l.) Martin Stappung als Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Böttstein ab. zvg

Der frühere Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz sitzt in Untersuchungshaft. Das hat auch Auswirkungen auf die Raiffeisenbanken in den Regionen. Steht Theo Voegtli, dem Präsidenten der Raiffeisenbank Böttsein, an der Generalversammlung am Freitagabend ein Gang in die Höhle des Löwens bevor?

Der frühere Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz sitzt seit letzter Woche in Untersuchungshaft. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Die Affäre Vincenz beschäftigt auch die Raiffeisenkunden und Raiffeisenbanken in der Region. Sie halten in den nächsten Wochen ihre Generalversammlungen ab. Heute treffen sich die Genossenschafter der Raiffeisenbank Böttstein in der GoEasy-Halle in Siggenthal Station zu ihrer GV. Knapp 1400 Anmeldungen sind bis gestern eingegangen.

Seit 2014 ist Theo Voegtli Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Böttstein. Steht dem ehemaligen CVP-Grossrat und Apotheker aus Kleindöttingen ein Gang in die Höhle des Löwen bevor? Werden die Genossenschafter ihren Unmut äussern, unangenehme Fragen stellen? Und wie darauf reagieren?

«Wir werden die Affäre um den langjährigen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz an der Generalversammlung selbstverständlich proaktiv thematisieren», kündigt Voegtli an. «Fragen aus der Versammlung werden wir so gut wie möglich beantworten.» Bei der Dynamik der Geschichte keine leichte Aufgabe. «Wir halten uns durch die Berichterstattung in den Medien und die offiziellen Statements der Raiffeisen Schweiz auf dem Laufenden und werden dieses Wissen weitergeben. Über Insiderwissen verfügen wir auch nicht», sagt Voegtli.

Dem einstigen Vollblutpolitiker, Klosterschüler und Rockmusikfan ist sogar eine gewisse Vorfreude auf den Anlass anzumerken. Voegtli sagt: «Es wird sicher eine spannende Generalversammlung. Spannender als in anderen Jahren.» Die GV als höchstes Organ der Genossenschaft dürfe sich aber nicht nur von der Tagesaktualität leiten lassen. «Wir müssen auch auf die Geschäftstätigkeit eingehen und die Traktandenliste durcharbeiten.»

Ob der Fall Vincenz der Bank vor Ort langfristig schadet, ist heute schwer abzuschätzen. Voegtli betont, dass die Raiffeisenbank Böttstein selbstständig und eigenverantwortlich sei. «Aber die Affäre belastet den Namen und den Ruf der Raiffeisen», sagt der 63-Jährige, und fügt an: «Semper aliquid haeret – es bleibt immer etwas hängen, wie schon die alten Lateiner sagten. Das können wir nur durch Leistung und Transparenz wettmachen.»

Bisher kein Abfluss von Geldern

Auf die Zahlen hatte die Affäre um den Ex-Raiffeisen-Chef noch keinen messbaren Einfluss. «Bisher konnten wir keinen Abfluss von Geldern feststellen. Im Vorfeld der GV meldeten sich auch keine besorgten Genossenschafter», sagt Voegtli, «die Raiffeisenbank hat im letzten Jahr einen guten Job gemacht.»

Dass wegen der Affäre besonders viele Genossenschafter an die heutige GV kommen, glaubt der gebürtige Basler nicht. Letztes Jahr in Klingnau waren bereits über 1350 Personen anwesend. Nach diesem Ansturm entschied man sich heuer für eine grössere Lokalität und organisiert sogar einen Busbetrieb nach Siggenthal Station. «Die GV ist wie ein Klubanlass», sagt Voegtli, «für Verwaltungsrat und Bankleitung bietet sich die einmalige Chance, auf einfache Art und Weise nahe an die Leute heranzukommen.»

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