Koblenz

Älteste Boygroup der Welt feiert Premiere ihrer neuen Show im Lokdepot

Mit vollem Einsatz proben «Ausverkauft!» ihr Programm. Ursula Burgherr

Mit vollem Einsatz proben «Ausverkauft!» ihr Programm. Ursula Burgherr

Die A-cappella-Formation «Ausverkauft!» tritt mit einer neuen Show im Lokdepot Koblenz auf. «Knocking on Heavens Door» heisst das Programm.

«Es Manneprojäkt, wie’s nid vil git», umschreibt Steven Schneider die 10-köpfige A-cappella-Truppe «Ausverkauft!», mit der er vom 28. April bis zum 6. Mai 2017 sechs Konzerte im Lokdepot Koblenz geben wird. Als Sänger zeigt sich der sonst mit Frau Sybil Schreiber bekannte Kolumnist von einer bisher eher unbekannten Seite. Der Name «Ausverkauft» ist Programm: 1400 der insgesamt 1500 Plätze sind schon weg. Und auch das ungewöhnliche Konzertlokal mit den alten Draisinen und Zügen, die vom Verein Depot und Schienenfahrzeuge Koblenz liebevoll wieder aufgemöbelt werden, gehört zum Konzept.

Die selbst ernannte «älteste Boygroup der Welt» liebt ungewöhnliche Auftrittsorte wie diesen stillgelegten Bahnhofteil. Ein alter Voralpen-Express dient als Garderobe. Das bedeutet ein Riesenfortschritt im Palmarès der zehn sangesfreudigen Herren. In ihrer ersten Show war nämlich eine Garderobe noch die Bühne: Sie fand in der Umkleidekabine der Sodafabrik Bad Zurzach statt. Dass niemand panikartig davonrannte, wertete die A-cappella-Formation als Erfolg und wagte sich deshalb im Jahr 2013 auf die Bühne des alten Lichtspieltheaters Ali in Tiengen, wo so schöne Titel wie «Hasso – mein Hund ist schwul» von den Prinzen, die Schweizer Nationalhymne und «Hey Jude» von den Beatles zu Gehör kamen.

Professioneller und grösser

«Wir wollen nochmals. Aber diesmal sogar noch mehr als sonst», verkünden «Ausverkauft!» in ihrem neuen Programmheft. Das heisst jetzt: inklusive hochprofessioneller Ton- und Lichtanlage, Grossleinwand, Choreografien von Silvia Baldinger und – wie immer – unter der Leitung von Dirigent Jörg Hoffarth. Der studierte Klarinettist und Musikschullehrer hat mit den Mannen zusammen kräftig am Gesang geschliffen. Als «Müsterli» für die Journalistin gibt’s «Just a Gigolo» und Mani Matters «Zündhölzli».

Während vorher alle noch miteinander herumalberten wie übermütige Buben, stehen sie kurz darauf hoch konzentriert auf der fünfstöckigen Bühne und überraschen mit vier- bis sechsstimmigem Gesang, rhythmischem Schwung, effektvollen Tanzeinlagen und vor allem einem erstaunlich voluminösen Klangbild. 

Selbstbeweihräucherung liegt dem A-cappella-Chor aber fern. Keiner nimmt sich allzu ernst. Man stapelt eher tief. Natürlich mit einem Augenzwinkern. Denn alle sind motiviert, die bisher grösste und beste Show abzuliefern, seit es «Ausverkauft!» gibt. «Wir steigern uns jedes Jahr», meint Schneider. Die schwarzen T-Shirts und Trainerhosen, wie sie auf den Probefotos zu sehen sind, weichen bei den Live-Auftritten schicken Anzügen.

Fantasievolle Bühnengeschichte

Bob Dylans «Knocking on Heavens Door» ist Titelgeber des neuen Spektakels, in dem des weiteren Songs von Abba, Status Quo, Johnny Cash und anderen interpretiert werden. Eingewoben sind die Evergreens in eine ziemlich krude, selbst erfundene Bühnenstory. Die geht in etwa so: «Ausverkauft!» sind mittlerweile so heiss begehrt, dass sich unterschiedlichste Mächte um sie streiten.

Auf dem Weg zu einem Gig in New York, den sie auf der Jacht von Fifa-Blatter-Nachfolger Gianni Infantino zurücklegen, werden sie gekidnappt und dabei ins Jenseits befördert. Der Auftrag der zehn Zurzibieter Männer: am kurz bevorstehenden Tag des jüngsten Gerichts das allerletzte Lied zu singen. Aber das Dezett hat anderes im Sinn: Es will wieder zurück zu den Lebenden und die Welt vor dem Exodus retten. Weitere Fragen zum Handlungsbogen beantworten die Sänger nicht. «Es wird schräg, und wir werden das Publikum verblüffen», sagen sie und lachen spitzbübisch.

Meistgesehen

Artboard 1