Blick ins Zurzibiet

Adieu, heile Bankenwelt! «Als ich als Kind mein Geld noch in ein Stahlkässeli schob»

Die Neue Aargauer Bank verschwindet.

Die Neue Aargauer Bank verschwindet.

Bald ist die Neue Aargauer Bank Geschichte. Da fragt sich unsere Kolumnistin: Wo bleibt jetzt mein emotionaler Draht zum Aargau?

Ich habe immer gern bar bezahlt. Nicht gerade so, dass ich mit ein paar Hunderternoten und dem gelben Einzahlungsbüchlein zum Postschalter gegangen wäre, nein, aber zumindest in den Läden oder auf dem Markt. Ich war in dieser Hinsicht stinknormal, Schweizer Durchschnitt eben. Mit Corona hat sich das geändert: Münzen = Virenschleudern. Wer will sich da noch die Hände schmutzig machen!

Item. Vor Corona war ich also regelmässige Kundin des Bancomaten. Dass da in Bern nirgends «Neue Aargauer Bank» draufstand, war natürlich ein Schönheitsfehler. Ich fühlte mich ein wenig wie im Ausland. Dieser Eindruck wurde noch verstärkt durch manche Freunde, die beim Namen meiner Bank nur ungläubig den Kopf schüttelten. Jahrzehntelang weg vom Aargau und dann diese Treue zur NAB – wie kann man nur! Derlei Häme liess mich natürlich kalt: Schliesslich war ich im damaligen «Zurzi» schon Kundin bei dieser Bank, als sie noch Aargauische Hypotheken-und Handelsbank hiess, und vage erinnere ich mich sogar an ein schweres Stahlkässeli, in das ich als Kind die zugesteckten Münzen schob.

Lange her. Und natürlich ging auch die AHH mit der Zeit. Sie zog mitten in den Flecken, änderte 1989 den Namen zur Neuen Aargauer Bank, wurde schlanker, moderner. All das hab ich tapfer hingenommen. Einen kleinen Riss in unserer Beziehung gab es erst vor 15 Jahren, als die NAB unter die Fittiche der Credit Suisse schlüpfte. Denn eigentlich wollte ich nie zu einer Grossbank, und wie eigenständig kann eine «Tochter» mit einer derartig mächtigen Mutter schon sein, einer, die zeitweise die reichen Weltbürger in Übersee spannender fand als die braven Sparer zu Hause? Meine Bankberaterin beruhigte mich – nichts würde sich für mich ändern. So war es denn auch. Doch der Expansionskurs der CS sorgte Mitte der Neunzigerjahre auch fernab der NAB für heftige politische Diskussionen.

Nie werde ich vergessen, wie ich deshalb einmal mit dem dannzumal höchsten CS-Banker, Rainer E. Gut, aneinandergeriet. Als ich ihn am Rande einer Medienkonferenz fürs Fernsehen – wie vorab angekündigt – auf die zunehmende Internationalisierung ansprach, war er derart erbost, dass er vor laufender Kamera davonstürmte. Ich verstand die Welt nicht mehr. Und noch weniger, dass danach die CS-Spitze «10vor10» während Jahren boykottierte. Würde heute wahrscheinlich nicht mehr passieren. Obwohl – Detektive, Intrigen. Aber was schreib’ ich da. «Cool» heisst das neue Motto bei der Credit Suisse: Der Berater lässt die Krawatte weg und stellt sich mit dem Vornamen vor. Gilt wahrscheinlich auch für die Beraterin.

Pech, wenn in den Filialen im Zurzibiet normalerweise gar kein Mensch mehr zu sehen ist.
Aber ich schweife ab. Bald ist die NAB Geschichte, integrierter Teil der CS. Aargau goes global, oder so ähnlich. Die Vorteile liegen auf der Hand: keine Doppelspurigkeiten mehr, weniger Niederlassungen und Personal, dafür mehr online. Nur: Wo bleibt jetzt mein emotionaler Draht zum Aargau? Mein Alleinstellungsmerkmal in Bern bei der Bankverbindung? Der Hinweis auf meine «Beste Bank der Schweiz» oder zumindest auf den «Langjährigen Qualitätsleader»? Behalte ich meine beiden Bankberater? Fragen über Fragen. Eine drängt sich immer weiter vor: Wie wär’s eigentlich mit einem Wechsel? In Bern gäb’s da zum Beispiel die Kantonalbank oder die Valiant ... Ich bin noch unentschlossen!

*Ursula Hürzeler Die gebürtige Zurzacherin ist eine der prägendsten Medienstimmen des Landes. Sie moderierte das «Echo der Zeit» und «10vor10». Hürzeler lebt heute in Bern.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1