Der Absturz der Swissair-Coronado von Zürich–Tel Aviv bei Würenlingen erschütterte im Februar 1970 die Schweiz. 47 Menschen starben, als die Maschine nach der Explosion einer Bombe im Wald zerschellte. Arthur Schneider kämpft seit dem Terroranschlag unermüdlich für die Aufklärung des Verbrechens. Mit seinem Buch «Good bye everybody» sorgte er letztes Jahr für Aufsehen. Was hält der 74-Jährige vom Buch «Schweizer Terrorjahre» von NZZ-Journalist Marcel Gyr, das seit seiner Erscheinung in den Schlagzeilen steht?

Herr Schneider, haben Sie das Buch von Herrn Gyr gelesen?

Arthur Schneider: Nein, noch nicht.

Was halten Sie davon?

Wenn es stimmt, was drinsteht, dann ist es wertvoll für die weiteren Abklärungen in diesem brisanten Thema. Aber es muss stimmen.

Flugzeugabsturz Würenlingen

Sie haben im November mit «Good bye everbody» das Thema rund um den Absturz von Würenlingen neu aufgerollt. Marcel Gyrs Buch sorgt nun für noch grösseres Aufsehen.

Das stimmt nicht ganz. Das ganze lief parallel. Auf meine Veröffentlichung erhielt ich ebenfalls viele Reaktionen.

Was für Reaktionen?

Ich hatte dem Aargauer Regierungsrat Anfang Jahr ein Exemplar geschickt. Er hat mir versprochen die entsprechenden Schritte zu unternehmen.

Welche?

Die Kantonsregierung wandte sich brieflich an den Bundesrat und hat ihn ersucht, die Vorgänge rund um den Absturz von Würenlingen zu untersuchen. Zu diesem Zeitpunkt war das Buch von Herrn Gyr noch gar kein Thema.

Haben Sie eine Nachricht der Landesregierung erhalten?

Ja, Bundesrat Didier Burkhalter und Bundespräsident Johann Schneider-Ammann haben mir geschrieben und versichert, dass man sich seitens des Bundes intensiv darum kümmern werde und eine Arbeitsgruppe ins Leben rufe. Herr Burkhalter hat das erst gestern in einem weiteren Brief bekräftigt. Ende April sollten die Auswertungen vorliegen.

Und die Bundesanwaltschaft?

Sie hat sich ebenfalls gemeldet, wenn auch bedeckt. Mit dem Verweis, dass erst neue Fakten auf den Tisch kommen müssen.

Aber erst das Buch von Herrn Gyr hat das Interesse in der breiten Öffentlichkeit geweckt?

Ich sehe Herrn Gyr nicht als Konkurrenten. Sein Buch deckt sich inhaltlich ja mit meinem Anliegen. Wie gesagt: Wenn es stimmt, ist es eine grosse Unterstützung.

Haben Sie sich mit Marcel Gyr seit der Veröffentlichung seines Buches unterhalten?

Nein, er hat mir auch nie gesagt, dass er ein Buch schreibt. Wir werden uns vermutlich heute Abend an der Lesung in Würenlingen sehen.

Sein Buch hat eine Kontroverse zwischen der «Neuen Zürcher Zeitung» und «Tages-Anzeiger» ausgelöst. Was halten Sie davon?

Ein sehr heikles Thema. Es dreht sich um die Kernfrage: Wer hat was gewusst? Und um nichts anderes. Ich hoffe, dass sich wegen eines möglichen Nebenschauplatzes niemand eine goldene Nase verdient. Es wäre fatal, wenn sich am Ende alles als Rohrkrepierer herausstellen sollte.

Welche Version ist Ihrer Ansicht nach glaubwürdiger?

Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilen.

Und wenn Sie sich umhören?

Ich habe Stimmen gehört, die sagen: Vorsicht vor Jean Ziegler! (Anm. der Red.: Ziegler ist eine wichtige Informationsquelle in Gyrs Buch). Hat er nur geblufft, widerspricht er sich oder stimmen seine Behauptungen tatsächlich?

Wer sagt das?

Nationalräte.

Aus dem Kanton Aargau?

Das kann ich nicht sagen. Mir geht es auch nicht für oder gegen Jean Ziegler. Entscheidend ist, dass die veröffentlichten Texte den weiteren Abklärungen dienen sollen. Mir geht es auch nicht um die Terrorszene, sondern um den Flugzeugabsturz in Würenlingen und die Angehörigen. Sie haben das Recht zu, erfahren, was sich genau ereignet hat.

Der Absturz jährte sich am vergangenen Sonntag zum 46. Mal. Haben Sie des Ereignisses gedacht?

Ich war am Absturzort, zusammen mit Angehörigen des Unglücks. Auch nach so langer Zeit spielen sich noch immer berührende Szenen ab. Eine Frau, die eigens aus dem Bündnerland angereist war, stand beim Denkmal. Sie war damals die beste Freundin einer Stewardess, die sich an Bord befand und wohnte mit ihr zusammen. Sie hinterliess ihr eine Nachricht auf dem Küchentisch: «Bin noch unterwegs. Habe einen Flug nach Tel Aviv».

An Ihrer Buch-Vernissage im November war Kritik laut geworden, dass keine Politiker aus Bern anwesend waren.

Es wäre wünschenswert, wenn der eine oder die andere heute nach Würenlingen kommen würden. Vielleicht haben sie ja ein paar Fragen. Ich präsentierte mein Buch im Übrigen bewusst im November. Also nicht vor, sondern nach den National- und Ständeratswahlen. Die alten brauche ich nicht, sondern die neuen...

Schweizer Terrorjahre (neue Erkenntnisse vom Flugzeugabsturz in Würenlingen) Lesung mit Marcel Gyr. Heute: 20 Uhr. Türöffnung. 19.30. Eintritt: 10 Franken. Dorfstrasse 6, Dachboden im Postgebäude.

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