Rechts das Wappen Kaiserstuhls, daneben ein Transparent mit der Aufschrift «Wir sind auch Fisibach – Nein am 2. Juli». Derart dekoriert präsentiert sich eine Hausfassade in der Hauptgasse des schmucken Rheinstädtchens. Hinter den Mauern wohnen Mitglieder des fünfköpfigen Referendumskomitees, das sich gegen die Teilnahme an der Zurzibieter Megafusion von bis zu zehn Gemeinden stemmt.

Am Sonntag in einer Woche stimmt die Bevölkerung Kaiserstuhls zum zweiten Mal darüber ab, ob sie den Kredit zur vertieften Prüfung der Rheintal+-Fusion genehmigen will. Im ersten Anlauf, an der ausserordentlichen Gmeind, sagte sie noch mit 71,2 Prozent Ja. Danach wurde das Referendum ergriffen. Seit der erfolgreichen Unterschriftensammlung hat sich jedoch Gewichtiges ereignet.

Fisibach, das sich aus dem Fusionsprojekt verabschiedet hatte und dem Referendumskomitee als Vorbild diente, hat vor Wochenfrist von der Aargauer Regierung eine Abfuhr erhalten: Der Wunsch nach einem Kantonswechsel wurde abgelehnt. «Es gab bei der Beurteilung keine ersichtlichen Gründe, die einen derart grundlegenden Eingriff in die Struktur der Kantone Aargau und Zürich, wie ihn ein Kantonswechsel darstellt, rechtfertigen würden», sagte der zuständige Regierungsrat Urs Hofmann.

Fisibach hat mit seinen Wechselgelüsten nach Zürich Schiffbruch erlitten. Doch das Referendumskomitee hält an seinem Begehren fest: «Nein zu Rheintal+, Ja zu unseren unmittelbaren Nachbarn.» In einem Schreiben teilt es mit: «Wenn eine Fusion Sinn macht, dann zwischen Fisibach und Kaiserstuhl. Ein vereintes Fisibach-Kaiserstuhl hätte gegenüber der Megafusion Rheintal+ den Vorteil, dass die Dimension überschaubar bleibt. Trotzdem könnten Synergien genutzt werden. Im riesigen Rheintal+-Verbund würde Kaiserstuhl Gefahr laufen, losgelöst am äussersten Zipfel zu vereinsamen und kaum mitsprechen zu dürfen.»

Mehr Potenzial für Synergien böte zweifelsfrei Rheintal+, die Variante, die vom Stadtrat bevorzugt wird. Kaiserstuhls Stadtammann Ruedi Weiss will sich aber keiner Lösung verschliessen: «Nachdem die Fisibacher Bevölkerung kein Interesse an Rheintal+ zeigt, sollen alle verbleibenden Optionen für Kaiserstuhl auf den Tisch kommen.» Das Machtwort des Kantons bestärkt ihn allerdings und wurde von ihm auch so erwartet: «Alles andere wäre nicht vernünftig gewesen und hätte die Kantonsgrenzen generell infrage gestellt.» Weiss hofft, dass der Entscheid aus Aarau Auswirkungen auf den Urnengang hat und die Kaiserstuhler erneut Ja zum Kredit sagen. Denn gleichzeitig kommt die Regierung den beiden Gemeinden an der Kantonsgrenze in einem wichtigen Punkt entgegen: Sie respektiert weiterhin die Verträge, die es den Kindern von Fisibach und Kaiserstuhl erlauben, im Kanton Zürich die Schule zu besuchen. Das soll auch dann garantiert werden, wenn es zum Zusammenschluss der Zurzibieter Gemeinden im Rahmen des Projekts Rheintal+ kommt.

Damit raubt der Kanton dem Referendumskomitee das wichtigste Argument gegen Rheintal+: Die Angst, dass die Kinder künftig nicht mehr in den benachbarten Zürcher Gemeinden zur Schule dürften und der Schulstandort wieder zurück in den Aargau verlegt würde. «Das mag vielen Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen», hofft Weiss, «aber nicht alle lassen sich von Fakten beeinflussen.»

Schulfrage zu spät geklärt?

Das Referendumskomitee wertet den Entscheid denn auch als Teilerfolg. «Sollten wir mit unserem Referendum nicht durchkommen, so haben wir mit dem entstandenen Druck zumindest erreicht, dass uns der Regierungsrat den Schulstandort im Kanton Zürich zusichert», sagt Andreas Widmer. Rückblickend stellt sich die Frage, weshalb das Thema Schule nicht schon früher geklärt wurde. Idealerweise vor der Gmeind, an der erstmals über den Kredit zur Fusionsprüfung abgestimmt wurde.

Widmer macht indes keinen Hehl daraus, dass sich Kaiserstuhls Rheintal+-Gegner nach dem Entscheid des Regierungsrats in einem unangenehmen Schwebezustand befinden. Man möchte sich an der Gemeinde Fisibach orientieren und eventuell mit ihr fusionieren, doch Fisibach selbst scheint orientierungslos und gespalten in die Lager Kantonswechsel, Alleingang oder Rückkehr zu Rheintal+. Letzteres steht diametral zu den Vorstellungen des Referendumskomitees.

Bleibt ein Zusammenschluss der beiden Gemeinden. Offizielle Gespräche in diese Richtung haben noch keine stattgefunden. Das Referendumskomitee hat seine Argumente zwar per Mail an die Fisibacher Gemeinderäte geschickt, aber keine inhaltlichen Reaktionen erhalten. Nach der Referendumsabstimmung werden sich der Stadtrat Kaiserstuhls und der Gemeinderat Fisibachs zu einer Sitzung treffen. «Wir sind gespannt, wie sich die neue Ausgangslage dann präsentieren wird», sagt Ruedi Weiss.