Peter Pfister staunte nicht schlecht, als er mit seinem Team in Leibstadt den Kehricht einsammelte. Sein Unternehmen ist für die Entsorgung in der Rheintaler Gemeinde zuständig. Beim Verladen in den Lastwagen fielen ihm verdächtige Marken auf 35-Liter-Kehrichtsäcken auf. Der Eindruck täuschte ihn nicht. Auf den Säcken klebten nicht die ordnungsgemässen Marken für 2.90 Franken das Stück, sondern billige Kopien.

Peter Pfister bezeichnet die Fälle als äusserst ungewöhnlich. «Dass jemand einmal vergisst, die Marke aufzukleben, kommt vor.» Aber eine Fälschung, wie er sie in Leibstadt vorgefunden hat, sei äusserst selten. Er mag sich nur an einen ähnlichen Fall erinnern. «Der liegt aber mehrere Jahre zurück», so Pfister. Die strafbaren Personen gingen bei ihrem Betrugsversuch dreist vor. Sie erstellten vom Original ein Duplikat und befestigten es auf den Säcken mit Klebstoff.

Üblicherweise suche man das Gespräch mit den Leuten und informiere sie über ihr Fehlverhalten. «Oder wir hinterlassen ein Informationsblatt», sagt Peter Pfister. In den vorliegenden Fällen sah man sich aber gezwungen, den offensichtlichen Betrugsversuch den zuständigen Behörden zu melden.

Hohe Strafe, dafür keine Anzeige

Der Gemeinderat kannte für den aufgeflogenen Schwindel denn auch kein Pardon, wie er in seinem letzten Mitteilungsblatt schreibt: Man habe fünf Personen gebüsst, die ihren Abfall ohne Gebührenmarken entsorgt haben, heisst es. Zwei davon erhielten eine massiv höhere Busse als die anderen, weil sie versucht hatten, den Kehricht mit gefälschten Gebührenmarken loszuwerden.

Das maximale Strafmass für das vorliegende Vergehen liegt laut Gesetzgebung bei 2000 Franken. Gemeindeschreiber Peter Keller erklärt, dass in einem Fall eine Strafe von über 1000 Franken verhängt worden sei, im anderen von mehr als 500. Er begründet die hohen Strafen damit, dass man im Gegenzug auf eine Verzeigung verzichten werde. «Vorausgesetzt, die betroffenen Personen lassen sich nicht wieder etwas zuschulden kommen.»

Die Versuchung für einen erneuten Etikettenschwindel dürfte angesichts des Strafmasses klein sein. Vonseiten der Gemeinde Leibstadt hofft man, dass die Fälle mit ihren Folgen auch eine abschreckende Wirkung haben. «Die Stichproben werden jedenfalls beibehalten», sagt Peter Keller.