Ursula und Peter Vogelsang weinen dem alten Haus aber keine Träne nach, die emotionale Verbindung scheint nicht sehr tief. «Ich selbst erinnere mich kaum mehr an meine Zeit hier. Ich war ein kleines Kind, als wir ausgezogen sind», erzählt Peter Vogelsang.

«Wir gehen zum ‹Hegel›»

Vogelsangs Eltern, Rosa und Erwin, bauten 1957 den Gasthof Landhus in unmittelbarer Nachbarschaft zu dort, wo Ursula und Peter Vogelsang heute wirten. Während vier Generationen hat sich das Abbruchobjekt im Besitz der Familie Vogelsang befunden. Die Grosseltern von Peter Vogelsang, die er nicht gekannt hat, hatten im vorletzten Jahrhundert in ihrem Bauernhaus die kleine Gaststube eingerichtet, wo man sich traf, wenn das Tagwerk getan war. «Chumm, mer gönd zum ‹Hegel›», hatte es damals geheissen, wobei der «Hegel» Grossvater Vogelsangs Spitzname war, der mit bürgerlichem Namen Wilhelm hiess.

Mit den Jahren ging der Name im Volksmund auf die Beiz über. «Eine Anekdote in diesem Zusammenhang erzählt aus der Fasnachtszeit, während der die Beizengänger im ‹Hegel› bei der direkten Nachbarschaft offenbar nicht immer sehr beliebt waren», weiss Ursula Vogelsang aus Erzählungen.

Nachtruhe sei während dieser Tage schon damals ein stark dehnbarer Begriff gewesen und im «Hegel» müsse es öfter hoch zu- und hergegangen sein. Die eine oder andere Detailschilderung sei möglicherweise absichtlich nicht überliefert worden, schmunzelt sie. Die Vogelsangs waren anständige Bauersleute, die ihren Hof «gschaffig» und mit jeweils reicher Ernte geführt hatten. In der Dorfbeiz gab es beispielsweise Metzgete, Würste, Bauernbrot und Most.

Etwa im Frühling 2012 will das Ehepaar Vogelsang nun selbst in eine der sieben Eigentumswohnungen einziehen, die es als Bauherr auf dem Grundstück plant. Die letzten 50 Jahre diente der ehemalige «Hegel» als Wohnhaus zu einem fast schon symbolisch geringen Mietpreis. Ohne Isolation, nur mit einem Kachelofen als Heizung, angegrauten Wänden und einer notdürftig eingebauten Duschkabine war der Altbau bis im Herbst letzten Jahres für einen Mieter gerade noch gut genug. Dieser musste aus gesundheitlichen Gründen wegziehen.

«Mich erstaunt, was er alles in Eigeninitiative konstruiert und instand gehalten hat», sagt Peter Vogelsang mit Blick auf die Warmluftrohre, die vom unteren Stock hinauf in die Schlafzimmer führen, damit sich dort wenigstens ein Hauch Wärme ausbreiten konnte.

Abbruchmaschinen fahren auf

Heute Montag fahren die Abbruchmaschinen auf und damit wird ein kleines Stück Ortsgeschichte im unteren Gebenstorf innert Stunden als Bauschutt in den Recycling-Mulden für Baumaterialien landen. Ob die Nachfolge-Überbauung des alten «Hegels» auch fast 200 Jahre gute Dienste leisten wird, werden vielleicht die kommenden Generationen erleben.