Im März 2016 verurteilte das Bezirksgericht Zurzach einen Arzt aus der Region vor allem wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Der heute 82-Jährige hatte einzelnen schwerstabhängigen Patienten Tausende Tabletten des Betäubungsmittels Dormicum verkauft. Dank einem stark überhöhten Preis machte er einen Gewinn von 11'000 Franken

Zudem hatte er Patienten Medikamente verkauft, ohne eine Selbstdispensationsverfügung zu haben. Für dasselbe Vergehen hatte ihn das Gesundheitsdepartement bereits im Jahr 2014 gebüsst.

Dieses eröffnet vergangenen Juli ein Aufsichtsverfahren, in dem es ein Berufsverbot prüft. Wegen überhöhten Rechnungen für Arztkosten fiel der Mann mit deutschem Pass auch beim Krankenkassenverband Santésuisse auf, wie AZ-Recherchen zeigten. Nach einer Klage kam es zum Vergleich: Er musste einen Betrag zurückzahlen, die Höhe kommuniziert der Verband nicht.

Doch was sagt der Arzt zu den überhöhten Rechnungen und zum drohenden Berufsverbot? Wie lange will er noch weiterpraktizieren? Am Telefon kündigt seine Frau, die auch in der Praxis tätig ist, der AZ an, dass man die Fragen mit dem Anwalt anschauen werde. Sie blieben bis heute unbeantwortet.

"Zu Unrecht an die Wand genagelt"

Gegenüber dem «Blick» äussert sich der Mediziner dagegen in seiner Praxis: «Ich habe nichts Falsches getan!», wehrt er sich. Wenn eine Therapie länger gehe, dann gebe es eben eine höhere Rechnung. «Ich werde zu Unrecht an die Wand genagelt. Deshalb werde ich extra weiter als Arzt praktizieren!» Mehr sagt er, nach telefonischer Rücksprache erst mit seiner Frau, dann auch mit dem Anwalt, nicht.

Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht hatte der Arzt alle Vorwürfe abgestritten. Dormicum habe er weder verschrieben, verschenkt noch verkauft. «Solche Behauptungen sind einfach lächerlich.» Stattdessen schicke er, wie sein Anwalt ausführte, Dormicum-Tabletten in sein (fernes) Heimatland, für «die Ärmsten der Armen».

Damals kündigte er auch an, sicher noch zwei Jahre, also bis März 2018 weiterpraktizieren zu wollen. Mit 73 Jahren war er 2008 aus Deutschland in den Aargau gekommen. Im selben Jahr eröffnete er die Praxis und behandelt, wie er vor Gericht sagte, vor allem Patienten mit Infusions-Therapien.