Endingen

Aargauer Möbelhersteller Intertime: 50 Jahre alt und kein bisschen müde

Der Möbelhersteller Intertime feiert das 50-Jahr-Jubiläum. Dank cleverer Ausrichtung scheint die Zukunft gesichert. Produziert werden Möbel nur auf Bestellung. Am Tag sind es bis zu 20, im Jahr 12000.

Sie ist wie der Fels in der Brandung in einer Branche, die in der Schweiz – und speziell im Zurzibiet – seit mehreren Jahren schrumpft: die Polstermöbel-Firma Intertime, seit 50 Jahren im Geschäft und aktuell in zweiter Familiengeneration.

1965 gründete Hans Weibel das Unternehmen; zuerst in Zürich, zwei Jahre später liess er die Fabrik in Endingen errichten, wo die Familie ihre Wurzeln hat.

Dass das Unternehmen nun den 50. Geburtstag feiern darf, beruht darauf, dass es die wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz nicht verschlafen und sich angepasst hat: Als die Brüder Lukas und Johannes 2001 die Firmenleitung von ihrem Vater übernahmen, richteten sie die Produktion clever auf ein Luxus-Marktsegment aus.

Zwar hatte schon deren Vater auf Material höchster Qualität gesetzt und nach der perfekten Sitzform gesucht, dafür sogar mit der ETH zusammengearbeitet.

Mit der Übernahme durch die beiden Söhne trat aber das Design stärker in den Vordergrund. Heute produziert Intertime Luxusmöbel für Kunden, die zehntausend Franken für Sofas oder Sessel aufwenden können.

Fabrik schlank und effizient

Der neue Fokus zahlte sich aus: Zahlreiche Modelle der Intertime wurden international ausgezeichnet. An einem Werkrundgang am Donnerstag sah man auch rasch warum: Die Möbelfabrik ist nicht besonders gross, sie ist aber merklich gut strukturiert und macht einen intelligenten und effizienten Eindruck. «Unsere Konkurrenten produzieren alle im Ausland. Um in der Schweiz bestehen zu können, muss man die Effizienz stets steigern», sagt Johannes Weibel.

In den Produktionsabläufen haben Hightech-Roboter und spezialisierte Handarbeit je ihren angemessenen Platz. Wo Intertime durch Qualitätsarbeit herausstechen will, wird manuell gearbeitet.

An spezifischen Stellen werden die Fachkräfte von Maschinen unterstützt, zum Beispiel beim Prüfen des Leders: Jedes Stück wird von Hand gescannt und in einen Computer eingelesen, der dessen Qualität ermittelt. Verwendet werden nur die besten Stücke.

Bei den Kunden ist Leder hoch im Kurs: Drei Viertel der hergestellten Sofas und Sessel werden in Leder gehüllt, dafür werden jährlich 10 000 Rinderhäute verarbeitet. Gekauft wird das Leder im nahen Ausland, weil es in der Schweiz keine Gerber mehr gibt.

Bei Produktion und Design setzt die Firma aber auf Schweizer Tradition: Schlichte Formen, hohe Funktionalität, erstklassige Verarbeitung. Die Möbel von Intertime sollen eine lange Lebensdauer haben; dies auch als Beitrag an die Nachhaltigkeit. Produziert werden nur Möbel auf Bestellung: Am Tag sind es bis zu 20, im Jahr 12 000.

Von den 60 Angestellten der Firma arbeiten 38 in der Produktion, einige von ihnen seit der Lehre. «Wir müssen unsere Fachleute selber ausbilden, denn in der Schweiz gibt es kaum noch Betriebe wie wir», sagt Johannes Weibel.

Er und sein Bruder haben die Lehre aber nicht im Familienbetrieb gemacht. In Endingen aufgewachsen, verbrachten zwar beide als Kinder stets viel Zeit in der Fabrik ihres Vaters. «Aber ich hatte nie gedacht, dass wir die Firma mal übernehmen würden», sagt Lukas Weibel.

Nach seiner KV-Lehre wurde er zuerst Buchhalter bei Intertime. «Ich ging davon aus, dass es nur eine Übergangsstelle sein würde.» Doch kurz darauf fragte Hans Weibel seine Söhne, ob sie das Geschäft übernehmen wollen. Sie sagten zu. «Wir haben eine starke emotionale Bindung zur Firma», sagt Lukas Weibel. Nächste Woche dürfen Besucher das 50-jährige Werk seiner Familie frei besichtigen.

Tag der offenen Tür «50 Jahre Intertime», Samstag, 5. September, 10 bis 15 Uhr, Brühlstrasse 21, Endingen

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