Böttstein

875 Einwohner, 500 Arbeitsplätze: Neues Quartier am Naturparadies Klingnauer Stausee rückt wichtigen Schritt näher

Statt Kieswerk und Industriehallen neu Wohnungen und Gewerbe: So könnte es dereinst aussehen auf dem Gebiet Grossacher in Kleindöttingen.

Statt Kieswerk und Industriehallen neu Wohnungen und Gewerbe: So könnte es dereinst aussehen auf dem Gebiet Grossacher in Kleindöttingen.

Die für das neue Quartier Grossacher im Böttsteiner Ortsteil Kleindöttingen nötige Änderung des Zonenplans liegt nun öffentlich auf. Im Quartier könnten dereinst 875 Personen wohnen und 500 Personen Arbeit finden.

Vom Einfamilienhäuschen mit Blick auf den Stausee über die Siedlungswohnung bis zum kleinen Geschäft, Büros oder sonstigem Gewerbe: Im Gebiet Grossacher im Böttstemer Ortsteil Kleindöttingen, zwischen Industriepark und Naturschutzgebiet gelegen, soll ein neues Viertel entstehen samt Quartierladen und vielleicht eigenem Kindergarten. Das Vorhaben ist nicht neu: Vergangenen März wurde es bereits der Öffentlichkeit vorgestellt. Über 50 Personen nahmen am damaligen Informationsevent teil, sechs brachten im anschliessenden Mitwirkungsverfahren ihre Anliegen ein. Nun liegt die für das Projekt nötige Teiländerung der Bau- und Nutzungsordnung bis zum 11. Februar öffentlich auf, gemäss Gemeindeammann Patrick Gosteli (SVP) mit nur minimalen Anpassungen. So wurden etwa die Gebiete definiert, auf denen grössere Bauten errichtet werden können. Direkt am Stausee ist weiterhin eine Fassadenhöhe von maximal 7,5 Metern vorgesehen, sonst liege die Höhe bei 16 Metern und an zwei bis drei Stellen könnten Gebäude von bis zu 28 Meter Höhe zu stehen kommen. Geplant waren zuvor 30 Meter; derzeit darf man auf dem ganzen Areal maximal 12 Meter hoch bauen.

Im Gegenzug verpflichtet die Gemeinde den Bauherrn zu einer qualitativ besseren Überbauung. Er kann zwar an einzelnen Stellen höher bauen, muss aber als ökologischen Ausgleich mindestens zehn Prozent des Areals als Grünfläche beibehalten. Verlangt werden konkret drei grüne Landstreifen zwischen den jeweiligen Gebäudekomplexen. Dazu sei ein «sensibler Umgang mit dem Gebiet des Stausee-Dekrets» verankert, sprich: Sanfte Übergänge zwischen Beton und Natur sind Pflicht.

Vorgegeben ist auch ein öffentlicher Zugang zum Stausee. Nicht zwingend, da ausserhalb des Perimeters der Umzonung gelegen, ist der Bau eines kleinen Uferparks als Übergang zum benachbarten Birdlife-Naturzentrum. Die kleine Fläche ist bereits geschützt, der Bauherr könnte damit die Überbauung attraktiver gestalten.

Je nach dem, wie gebaut wird, könnten bis zu 875 Menschen im neuen Quartier einziehen. Verankert ist ein Wohnanteil von 40 bis 80 Prozent gegenüber dem Anteil Gewerbe. Zuvor waren es 30 bis 70 Prozent. Parkplätze sollen zudem vorwiegend unterirdisch zu stehen kommen. «Wir wollen eine hochwertige Entwicklung fördern», sagt Patrick Gosteli.

Explizit keine Tankstellen

Gemäss der «Botschaft» wurden im Projekt weitere Punkte präzisiert, etwa dass zwar «mässig störendes Gewerbe» erlaubt sei, aber explizit keine Tankstellen. Offene Lagerflächen sollen ebenfalls verboten werden. Mindestens drei Bauetappen sind vorgegeben. So könne die Gemeinde mithalten und Schritt für Schritt die benötigte Infrastruktur bereitstellen. Es werden nicht auf einen Schlag 1000 Leute mehr in Kleindöttingen verkehren. «Wir werden nicht überrannt», sagt Patrick Gosteli. Ist denn überhaupt eine Nachfrage nach so viel Wohn- und Gewerberaum da? Voraussehbar sei dies nicht, sagt er, zumal das ganze Projekt frühestens 2033 fertiggestellt werde. Nach der Überbauung im Gebiet Schwächeler vor wenigen Jahren sei die Gemeinde aber rasch um 300 Einwohner gewachsen. «Das Projekt Grossacher gibt uns nun die Möglichkeit für einen Nachschub», sagt er. Der Gemeinderat schätze es deshalb als eine «sehr grosse Chance für eine attraktive Siedlungsentwicklung über 20 Jahre» ein und spricht sogar von einem «Glücksfall für den ganzen Bezirk». Eine derart grosse Baufläche von rund acht Hektaren gäbe es kaum mehr in der Region.

Generell kaum Widerstand

Läuft alles nach Plan, wird das angenommene Vorhaben an der Gemeindeversammlung im Sommer vorgestellt. Die konkreten Gestaltungspläne und das Baugesuch kämen dann später. Nach Auszug des Holcim-Kieswerks 2021 könne gebaut werden, in drei möglichen Etappen bis zu den Jahren 2023, 2028 und 2033.

Widerstand zeigt sich bisher kaum. Pro Natura Aargau etwa hat sich gemäss Geschäftsführer Johannes Jenny das Projekt noch nicht angeschaut. Es sei aber sicher positiv, wenn ein bereits eingezontes Gebiet bebaut werde und keine grüne Wiese, sagt er. Die Überbauung käme gleich neben dem Birdlife-Naturzentrum zu stehen. Beim Verband Birdlife Aargau sowie dem Naturschutzverein Aare-Rhein wollte gestern niemand Stellung nehmen.

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