Nur je 45 Minuten hatte Einzelrichter Cyrill Kramer am Vormittag für zwei Verhandlungen reserviert. Einmal ging es um die 22-jährige Dragica (Name geändert), die am Steuer ihres Autos – nach Einbezug der Toleranzgrenze – in Bad Zurzach mit 3 km/h zu viel auf dem Tacho geblitzt worden war. Im zweiten Fall um den 53-jährigen Toni, der innerhalb von gut drei Monaten in Leibstadt einmal 2 km/h und einmal 7 km/h zu schnell gefahren war.
Wegen solchen «Peanuts» vor Gericht – das kann doch nicht sein?

Infogram: Ordnungsbussen: So teuer wird es

Es, kann. Dann nämlich, wenn das Sünderlein die ihm aufgebrummte Ordnungsbusse – solche kann die Polizei bis zum Betrag von 300 Franken aussprechen – nicht innert 30 Tagen nach Erhalt bezahlt. So wie Dragica der Polizei 40 Franken schuldig blieb und Toni, der sein Vergehen von 160 Franken nicht berappte. Nachdem beide Säumigen auch die Fristverlängerung in Form einer Mahnung verstreichen liessen, nahmen Recht und Gesetz ihren Lauf. Eines ist dabei sicher wie das Amen in der Kirche. In solchen Fällen wird es schnell teurer.


Strafbefehle kosten extra

Denn die nicht bezahlte Busse wird von der Polizei an die Staatsanwaltschaft überwiesen. Diese erhebt die Busse zu einem Strafbefehl und verrechnet dafür eine Gebühr von mindesten 200 Franken. Da der Blitz nicht nur das Fahrzeug, das Nummernschild und die Geschwindigkeit, sondern auch der Mann oder die Frau am Steuer ablichtet, sind Geschwindigkeitsüberschreitungen immer gut dokumentiert. Ist der Lenker auf dem Foto nicht klar erkennbar und kann oder will der Fahrzeuginhaber dessen Identität nicht nennen, so hatte bis 2014 der Gebüsste freigesprochen werden müssen. Heute nun wird in solchem Fall zwingend der Fahrzeughalter zur Kasse gebeten.


So war Dragica dem Staate plötzlich 240 Franken schuldig; Toni gar 460 Franken. Beide akzeptierten das nicht, machten Einsprache und wurden in der Folge ans Gericht vorgeladen. Frau Dragica war das dann wohl nicht mehr geheuer. Sie zog ihre Einsprache am Vortag der Verhandlung zurück. Das war allerdings insofern zu spät, weil ein Rückzug, der nach Vorladung ans Gericht erfolgt, gebührenpflichtig ist. Betreffend die Höhe der Gebühr räumt das Gesetz dem Richter einen Ermessensspielraum ein. Cyrill Kramer entschied sich bei Dragica für einen reduzierten Betrag von 200 Franken.


Toni seinerseits zog die Einsprache nicht zurück und erschien auch nicht vor Gericht. Richter Kramer und sein Schreiber warteten 20 Minuten – kein Toni weit und breit, kein Anruf, keine Erklärung für sein Fernbleiben. Gebühr hier: 400 Franken.


Uneinsichtigkeit lohnt sich nicht

So können moderate Ordnungsbussen bei uneinsichtigen Sündern zu stattlichen Beträgen anwachsen. Dragica muss nun für eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 3 km/h summa summarum 440 Franken berappen. Toni, der einmal 2 km/h und einmal 7 km/h zu schnell unterwegs war, wird demnächst eine Rechnung in Höhe von 860 Franken ins Haus flattern.