Prozess in Bad Zurzach

2,46 Promille und viel zu schnell: Blaufahrer erhält eine saftige Strafe

Bei dem Unfall im April letzten Jahres wurde ein 52-jährige Mann und eine 48-jährige Frau schwer verletzt. ho

Bei dem Unfall im April letzten Jahres wurde ein 52-jährige Mann und eine 48-jährige Frau schwer verletzt. ho

Ein 29-jähriger Autofahrer verursachte vor rund einem Jahr einen heftigen Crash: Im anderen Auto wurden ein Mann und seine Frau schwer verletzt. Das Autobillett ist er seither auf unbestimmte Zeit los. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.

Der 52-jährige am Steuer eines Mercedes 190D und seine 48-jährige Begleiterin hatten an jenem Sonntagabend im April letzten Jahres keine Chance. Sie waren gegen 18.30 Uhr in Leuggern unterwegs in Richtung Kleindöttingen, als ihnen in einer markanten Linkskurve auf ihrer Fahrbahn ein VW Amarok entgegenkam. Der Mann und die Frau wurden schwer verletzt: Beide erlitten leichte Schädeltraumata, der Mann überdies mehrere Arm- und Beinbrüche, die Frau beidseitige Oberarm- und Rippenfrakturen sowie massive innere Verletzungen.

Der Lenker des Pickups kam mit Prellungen davon. Der 29jährige, hier in der Schweiz aufgewachsene Bosnier Misad (Name geändert), war nicht nur zu schnell in die Kurve gefahren – er hatte auch mindestens 2,46 Promille Alkohol im Blut. Er hatte die Herrschaft über sein schweres Auto verloren und war frontal mit dem Mercedes kollidiert.

Gestern sass Misad vor dem Bezirksgericht Zurzach. Ein freundlicher Mann, der die Fragen von Präsident Cyrill Kramer bereitwillig beantwortete. Viel gab es nicht mehr zu sagen: Die fahrlässige schwere Körperverletzung, die Promille, die Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz waren ohne Wenn und Aber zugestanden. Er habe jenen Sonntagnachmittag im Schrebergarten eines Bekannten verbracht, sei auf dem Heimweg gewesen. «Ich hatte schon Alkohol konsumiert, fühlte mich aber überhaupt nicht betrunken. Es ist mir unerklärlich, dass es so weit kommen konnte.»

Den Antrag des Anklägers, ihn zu zwei Jahren Freiheitsstrafe bedingt mit einer Probezeit von 3 Jahren und 6000 Franken Busse zu verurteilen, hatte Misad akzeptiert. Auch die beiden Opfer als Zivilkläger waren damit einverstanden. So kam es gestern zu einem sogenannt verkürzten Verfahren, und der Gerichtspräsident befragte den Beschuldigten nur noch zum Persönlichen. «Ja, die Freundin macht mir immer noch schwere Vorwürfe wegen des Unfalls.»

Er selbst versuche ständig, das Geschehene zu verdrängen, «aber es kommt immer wieder hoch.» Hat er mal zu den Opfern Kontakt aufgenommen? «Ich wollte ja anrufen, habs aber immer verschoben, hatte irgendwie Angst. Ich will ihnen vielleicht mal Blumen schicken.» «Etwas spät, nach einem Jahr», bemerkte Kramer lakonisch.

«Schwierig, ohne Fahrausweis»

Seit dem Unfall ist Misad das Billet auf unbestimmte Zeit los. Auch beruflich und finanziell geht es ihm nicht gut, er habe Schulden. «Die Geschäfte laufen schlecht und ein Kunde hat bei mir seit Monaten eine Rechnung über 20000 Franken offen.» Als Handwerker hatte er bis vor kurzem ein eigenes Geschäft ohne Angestellte, arbeitet jetzt temporär für andere Unternehmen, «aber auch das ist schwierig, ohne Fahrausweis».

Nach kurzer Beratung verurteilte das Gericht den 29-jährigen einstimmig gemäss Antrag. Nebst der Busse muss Misad Gebühren, Auslagen, Polizei- und Gerichtskosten in Höhe von rund 8000 Franken bezahlen. «Der Entzug des Fahrausweises ist zusätzlich auch eine Form von Strafe», hielt Richter Kramer abschliessend fest. Wie ein Damoklesschwert hängt auch die Frage über Misad, ob und in welchem Umfang die Versicherung Regress auf ihn nimmt.

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