Würenlingen

22 Jahre nach dem Kauf: Dorfschüür lässt die Herzen höher schlagen

Endlich: 22 Jahre nach dem Kauf des alten Bauernhauses konnten die Würenlinger ihr neues Kulturzentrum feierlich eröffnen.

«Was lange währt, wird endlich gut» ist ein alter Spruch und wurde schon sehr oft zitiert. Doch im Falle der Dorschüür in Würenlingen trifft die Aussage den Nagel auf den Kopf: Bereits 1998 erwarben die Ortsbürger von Würenlingen das riesige Bauernhaus an zentraler Lage an der Dorfstrasse.

Die Idee war, darin ein Kulturzentrum sowie Räume für Ausstellungen, Veranstaltungen und eine Bibliothek zu schaffen. Doch der Weg zu diesem Ziel sollte steinig sein – im übertragenen und im wahrsten Sinne des Wortes. Projekte zur Dorfschüür wurden 2001 und 2002 an der Gemeindeversammlung abgelehnt.

Bis anhin hatte die Gemeinde Würenlingen mit dem speziellen und altehrwürdigen Bärensaal eine Möglichkeit für Ausstellungen, Versammlungen und rauschende Fasnachtsbälle. Doch als bekannt wurde, dass der Bären und damit der Saal verschwinden werden, kam neuer Schwung in die Sache und das Projekt Dorfschüür wurde 2014 auch auf Initiative des langjährigen Gemeindeammanns An­dré Zoppi (FDP) wieder aus der Schublade genommen.

Im Juni 2015 wurde der Projektierungskredit bewilligt und ein Jahr später konnte das Siegerprojekt von Schmidlin Architekten in Zürich vorgestellt werden. Im Juni 2017 genehmigten die Ortsbürger den Baukredit in der Höhe von 5,8 Millionen Franken.

Bedenken wichen einem wunderschönen Bijou

Das markante Bauernhaus von 1783 stand jahrelang leer und verkam immer mehr zu einem Abbruchobjekt. Deshalb war die Bausubstanz zum Teil auch in einem desolaten Zustand. «Nachdem der Dachstock herunter genommen wurde, sah das Gebäude zeitweise wie eine mittelalterliche Ruine aus», erinnert sich Würenlingens Vizeammann Roland Meier (parteilos) in seiner Rede zur Eröffnung der Dorfschüür.

«Und manch einer fragte sich, ob das noch was wird und ob sich das überhaupt lohnt», gibt er rückblickend offen zu. Doch es wurde nicht nur etwas, es wurde am Ende ein wunderschönes «Bijou» wie es der Vizeammann freudig und sichtlich stolz nannte.

Saal als Herzstück der neuen Dorfschüür

Das Prunkstück der neuen Dorfschüür ist der neue Saal, der 200 Personen mit Bankettbestuhlung Platz bietet. Darin können sowohl Anlässe der Gemeinde, aber auch Konzerte, Lesungen, Versammlungen, Vereinsanlässe oder private Partys abgehalten werden. Was in Würenlingen natürlich nie fehlen darf, ist die Fasnacht. Auch wenn sie nächstes Jahr wohl ausfallen wird, hoffen die Würenlinger Fasnachtsgesellschaft wie auch der Vizeammann auf noch viele rauschende Fasnachtsbälle in diesen wunderschönen Räumlichkeiten.

Insgesamt wurde darauf geachtet, möglichst sorgsam mit der bestehenden Bausubstanz umzugehen. Und auch sonst wurde die Gemeinde Würenlingen eng in den Bau mit einbezogen: Im Winter 2018 wurden die Eichenstämme im Wald der Würenlinger Ortsbürger geschlagen und in einer Sägerei getrocknet, gelagert und für den Einbau vorbereitet.

Aus den über 100-jährigen Stämmen wurden verschieden lange und breite Bretter herausgesägt, und der Parkettboden des Saals wurde aus diesem Holz von ortsansässigen und lokalen Handwerkern mit viel Liebe zum Detail verlegt. Damit möglichst alles verwertet werden konnte, wurden die Bretter bewusst unterschiedlich gross geschnitten, und ein Teil der gefällten Stämme konnte auch noch für die Latten der Treppengeländer genutzt werden.

Kultur und ein neues Zuhause für die Bibliothek

Eine Besonderheit ist die Bauweise des altehrwürdigen Bauernhauses. Der im Aargau einzigartige dreigeschossige Wohnteil wurde aufgrund seines kulturellen Wertes nur sanft renoviert: So sieht man auch noch eine alte Küche sowie die Ofenbank, auf der sich die Bauersleute in der kalten Jahreszeit gewärmt haben. Diese Räume sollen für Ausstellungen und kulturelle Anlässe genutzt werden.

Bereits zur Eröffnung stellen vier Künstlerinnen aus Würenlingen ihre Werke aus. Mit der Dorfschüür hat auch die Bibliothek ein neues, geräumiges und helles Zuhause erhalten. Die Einweihung der gesamten Anlage fiel deutlich kleiner und wohl auch weniger ausgelassen als geplant aus. Aber der Stolz und die Freude über das gelungene Bauwerk sind darob nicht kleiner geworden.

Teurer als gedacht: Wohl sieben Millionen Franken

«Der Ausbau der Dorfschüür zum Kulturzentrum, das gesamte Erscheinungsbild leistet für unsere Gemeinde einen bedeutenden Mehrwert», ist Vizeammann Meier überzeugt. «So wird sich unser Dorfleben weiter positiv entwickeln», betont und hofft er gleichzeitig.

Es hat lange gedauert und auch deutliche Mehrkosten verursacht. Die genaue Bauabrechnung liegt noch nicht vor, dürfte sich aber im Bereich von sieben Millionen Franken bewegen. Trotzdem dürfen alle Beteiligten am Ende mit gutem Gewissen und auch etwas Stolz sagen: «Was lange währt, wird endlich gut!».

Meistgesehen

Artboard 1