«SRF bi de Lüt»

2000 Gäste und ein Staraufgebot in Bad Zurzach: Bühne frei für das grosse Volksfest

Fernsehkabinen, eine Videowand, Scheinwerfer, Kameras und zahlreiche Tische und Bänke zieren den Platz und die Strasse rund um das Verenamünster in Bad Zurzach. Mitarbeiter des Schweizer Fernsehens huschen über den Platz, rufen sich ein paar letzte Anweisungen zu. Die Aufbauarbeiten für die Sendung «SRF bi de Lüt» nahmen volle drei Tage in Anspruch, seit Donnerstagabend steht die Infrastruktur für den Grossanlass nun bereit. Am Freitag folgten die Proben mit den Statisten sowie Soundcheck und Platzgestaltung. Alles ist bereit, und das Fest kann wortwörtlich über die Bühne gehen.

Doch warum gerade Bad Zurzach? «Wir suchen Orte, die Geschichten erzählen», sagt der Sendungsverantwortliche Martin Boner. «Und hier im Zurzibiet gibt es einen Haufen davon.» So interessierte sich das SRF beispielsweise für die Sage des «Lindengigers» oder die langjährige jüdische Tradition der Region. Deswegen geht es in dieser Sendung, anders als sonst, nicht nur um die Austragungsgemeinde, sondern um die ganze Region. «Diese vielen Geschichten wollten wir aber nicht in einer Dokumentations- oder Kultursendung, sondern in einer Unterhaltungssendung erzählen», sagt Boner.

Gute Geschichten sind aber nicht alles: «Die Sendung bedeutet nicht nur für uns, sondern vor allem auch für den Austragungsort viel Arbeit. Das Organisationskomitee von Bad Zurzach zeigte sich stets sehr engagiert.» Denn das SRF stellt die Technik zur Verfügung, die Gemeinde plant aber das ganze Drumherum. Drei Monate dauerten die Vorbereitungen, Anfang April begannen dann die ersten Dreharbeiten für die Geschichtssequenzen. Diese nehmen rund die Hälfte der Sendung in Anspruch.

Die Entstehung einer Szene – Blick hinter die Kulissen bei den Dreharbeiten (6. April 2019):

Die Entstehung einer Szene: Blick hinter die Kulissen bei den Dreharbeiten von SRF bi de Lüt in Bad Zurzach (6. April 2019)

   

Dem Moderator gefällts

Die andere Hälfte findet vor Ort mit diversen Gesprächen statt. Bis zu zehn Gäste sind eingeladen. Dazu gehören beispielsweise Beat Schwaller, der in Kanada zum TV-Star wurde, und Marlene Zähner, die Bluthunde ausbildet, die im Kongo Wilderer aufspüren. Aber auch das Orchester Pepe Lienhard, Sänger Adrian Stern oder Roy Oppenheim, Sohn der Erfinderin der Comicfigur Papa Moll, werden zu Gast sein und von den Moderatoren Nik Hartmann und Annina Campell interviewt werden. Hartmann machte sich bereits im Vorfeld ein Bild über den Flecken: «Durch meine Gesprächsgäste lerne ich die Gegend besser kennen. Und ich war bereits für drei Tage auf Dreh rund um Bad Zurzach.» Denn das Gebiet hinter Baden kannte der Moderator bisher nur vom Hörensagen. «Mir gefällts sehr bei den Zurzibietern», sagt Hartmann. «Wir sind der Überzeugung, dass unsere Zuschauer diese Region unbedingt kennenlernen sollten.»

Angst vor dem Unplanbaren hat der erfahrene TV-Mann keine. «Ich denke nie an ein Worst-Case-Szenario. Schliesslich bin ich für das Best-Case-Szenario verantwortlich», sagt er und lacht. Jede einzelne Live-Sendung sei aber immer wieder von Neuem eine grosse Herausforderung für das ganze Team. «Man weiss nie, ob der Funke auch auf das Publikum überspringt», sagt Hartmann. Wenn dies aber passiert, ist es das Grösste überhaupt.»

Auch seitens der Gemeinde freut man sich, auch wenn die letzten paar Wochen anstrengend gewesen seien. «Aber jetzt ist alles am Laufen. Die Show kann starten», sagt Daniel Baumgartner, Gemeindeschreiber und Mitglied der Organisationskomitees. Für die Vorbereitungen hatte das OK nämlich nur wenig Zeit: Vier Monate blieb dem Team nach der definitiven Zusage des Schweizer Fernsehens im Januar bis zur Sendung. «Die Unterstützung von allen Seiten war aber riesig. Das hat uns viel Arbeit erleichtert», sagt Baumgartner. Rund 2000 Arbeitsstunden leisten Vereine und Organisationen für den Anlass. Sie betreiben am Samstagabend dann auch die Festwirtschaft. Der Aufwand lohnt sich: Der Erlös des Fests fliesst schliesslich zurück in ihre Vereinskassen.

Plan B bei schlechtem Wetter

Auch die Kommunikation mit der Bevölkerung sei reibungslos verlaufen. «Wir haben im Vorfeld über den Anlass informiert», sagt Baumgartner. Das war auch nötig. Denn ein Grossanlass erfordert ein eigenes Verkehrskonzept. «Wir haben verschiedene Parkmöglichkeiten, die Gäste werden durch das Verkehrspersonal vor Ort instruiert.» Die Hauptachse über den Zurziberg ist nämlich seit Donnerstag gesperrt. Den Flecken erreicht man über Rekingen und Rietheim. Trotzdem rät Baumgartner den Gästen, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Dafür wurde extra das Angebot aufgestockt: Es verkehren Zusatzzüge und -busse.

Das OK ist bereit, die Technik läuft, die Bühne steht. Fehlt nur noch eines: Gutes Wetter. «Wir sind zuversichtlich», sagt Baumgartner. «Auch bei Regen hätten wir einen Plan B. Dann verteilen wir Pelerinen.» Den Tag durch wird Baumgartner noch einmal Vollgas geben müssen. Das Rahmenprogramm besteht aus einem Streichelzoo, Kinderschminken, Ballonkunst und einem Platzkonzert der Jugendmusik Zurzach. Ab 20.05 Uhr beginnen die Aufnahmen. Und dann werde sich Baumgartner auch mal zurücklehnen und die Sendung geniessen können. Zusammen mit gut 2000 anderen Gästen und rund 500'000 Zuschauern vor dem Fernseher.

Bad Zurzach in Bildern:

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